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Mit dem Auto durch den Berufsverkehr der Großstadt – verrückt?

September 19, 2012 Aus dem Leben eines Enthusiasten 3 Kommentare

Jaja, ich weiß – wenn so einer wie ich dieses Thema anspricht, wirkt das irgendwie wenig glaubwürdig. Ich bin völlig vernarrt in Autos und würde jede mögliche Wegstrecke am liebsten auf vier Rädern zurücklegen. Genau das habe ich auch heute morgen gemacht. Derzeit arbeite ich bei einem Kunden in Unterföhring. Das bedeutet also wenige Kilomenter vom Osten Münchens in Richtung Norden.

Ich wollte es einfach mal probieren, um zu schauen, wie sich die Alfa Romeo Giulietta mit dem TCT, dem Fiat eigenen Doppelkupplungsgetriebe, so im Stadtverkehr schlägt. Und es war fürchterlich. Also nicht das Auto. Der Verkehr. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, inklusive Umsteigen, bin ich zwischen 30 und 45 Minuten unterwegs – je nachdem, wie gut ich die Anschlüsse erwische. Heute morgen war ich knapp über eine Stunde unterwegs. Nicht zu vergessen, die nervenaufreibende Parkplatzsuche inklusive mindestens fünf Runden um den Block..

Der mittlere Ring Münchens, die B2R war heute morgen jedenfalls dicht. Wie jeden Morgen. Oder als ich letztes Jahr nahe Bad Nauheim lebend drei Tage nach Frankfurt in die Stadt musste und für knapp 30 Kilometer geschlagene 2 Stunden unterwegs war – jeden Morgen. Da stelle ich mir die Frage: warum tut man sich das eigentlich jeden Tag an? Ok, manchmal geht es eben nicht anders. Oder wenn jemand mit dem Auto aus München raus muss, in eine Ecke, wo der ÖPNV nicht besonders gut ausgebaut ist. Aber ganz viele der Autos auf dem mittleren Ring traf ich später auch in Unterföhring wieder.

Also ernsthaft: warum tut man sich das an? Ökologische Vorteile des ÖPNV im Stadtverkehr mal ganz außer Acht gelassen, meinen persönlichen Seelenfrieden würde das massiv beeinträchtigen, wenn ich diese Strecke jeden Tag mit dem Auto fahren müsste. Nun, klar. Meine Frage ist vielleicht etwas polemisch, aber selbst als ein Mensch, der mit der ungewollten Nähe zu fremden, nicht immer angenehm riechenden Menschen in Bus und Bahn auf Kriegsfuss steht und auch sonst lieber im Auto sitzt, wundere ich mich tatsächlich darüber, wie die Straßen in der Stadt jeden Tag auf’s neue so voll sind. “Ich muss mit dem Auto fahren” ist in den meisten Fällen wohl glaube ich doch nur eine Ausrede. Oder sehe ich das ganze völlig falsch?

Foto: http://www.flickr.com/photos/titicat/3049591547/


Über den Autor -

Seit dem Kindesalter drehte sich für mich immer alles um Autos. Ob ich als Kleinkind mit offenem Mund auf der Straße stehen blieb, wenn ein Ferrari 355 an mir vorbeigefahren ist, ob ich als Teenager am PC eine Rennsimulation nach der anderen bis in die Nächte hinein gezockt haben oder ob ich mir als glücklicher Führerscheinbesitzer keine Möglichkeit entgehen lassen konnte, jedes Auto zu fahren, das mir in die Hände fiel. Meinen Smart Roadster habe ich - wie man so als Informatiker eben tickt - begonnen zu debuggen und ein eigene Softwaremodifikationen dafür zu bauen. Auf der Rennstrecke und mit kleinem Engagement im Motorsport wurde nicht nur der, sondern auch sein Nachfolger - ein Renault Megane RS TCe250 - gerne und häufig gequält. Inzwischen muss ein Lotus Elise herhalten, während ich immer noch jede Möglichkeit wahrnehme, um jedes erdenkliche Auto zu fahren - und hier darüber zu bloggen.