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Audi A1 1.4 TFSI Fahrbericht – klein, schnell, teuer?

November 21, 2012 Fahrerlebnis, Testwagen 10 Kommentare

Als Audi im Jahr 2012 den A1 vorstellte, war die Aufregung groß. Ein echter Kleinwagen von Audi! Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und der A1 scheint ein wenig das ungeliebte Kind zu sein – die Verkaufszahlen könnten besser sein. Zu Recht? Ich hatte eine Woche Zeit, mir diese Frage zu stellen und den Audi A1 (mit der internen Bezeichnung 8X) genauer unter die Lupe zu nehmen.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Der Audi A1, mit dem ich 1 Woche Vorlieb nehmen konnte, kam mit der Top-Motorisierung: ein 1.4 Liter TFSI. Im Grunde genommen kennt man den A1 1.4 TFSI: VW Polo GTI und Škoda Fabia RS basieren auf dem gleichen Bausatz und dem gleichen Triebwerk und nominell trennt die 3 Kandidaten im Grundpreis gar nicht so viel. Was macht der A1 also besser als seine Brüder und wie schlägt er sich generell? Die erste Fahrt im Audi A1 hat mich jedenfalls volle Breitseite erwischt: die Überraschung ob des tollen Fahrgefühls war groß. In den folgenden Tagen konnte ich gleichermaßen Landstraßen- und Langstreckenqualitäten des kleinsten Ingolstädters testen. Den A1 sind übrigens auch schon andere gefahren, schaut also auch mal dort vorbei um zu lesen, was den Jens über den A1 schreibt und wie Jans Kurzeindruck im Audi A1 ausfiel!

Außendesign

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Aber fangen wir erst einmal mit den sichtbaren Dingen an. Äußerlich ist der Audi A1 ja durchaus diskussionswürdig. Zum Beispiel bin ich kein Fan (mehr) von Audis einheitlichem Fahrzeugdesign. Es ist zwar von Audi gewollt, dass die Fahrzeuge das markante Markengesicht tragen, aber ich würde mir inzwischen einen deutlicheren Stilbruch wünschen, als das seit Jahren immer wiederkehrende Single-Frame-Design mit variierenden Lichtbögen in den Scheinwerfern. Aber das ist durchaus subjektives Empfinden.

Unverkennbar – ein Audi

Halten wir doch einmal fest, was ich am Audi A1 optisch mag: der Dachkantenbogen etwa – was bei der A-Säule beginnt wird in einem schönen Bogen bis zur C-Säule weitergeführt. Gerade, wenn dieser in einer Kontrastfarbe gehalten ist, wirkt das sehr schön. Dann haben wir den optionalen Dachkantenspoiler, passt sehr gut zur sportlichen Optik. Die kantigen LED-Rückleuchten haben ein schönes Design und sehen schön aggressiv aus.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic Competition Dachspoiler

Was gefällt mir nun aber nicht? Allem voran wäre da die (glücklicherweise optionale) eher fragwürdige Beklebung. Als ich meine Freundin am ersten Testwagentag mit dem A1 von der Arbeit abgeholt habe, rief ich vorher mit der hervorragend funktionierenden und klanglich sehr guten Freisprecheinrichtung an und sagte “schaue einfach nach einem schwarzen Auto mit peinlicher Beklebung” – das Auto hat sie sofort im Verkehrsstrom erkannt. Gut, ich möchte hier niemandem zu nahe treten, schließlich sind solche individuellen Details mehr Geschmackssache als alles andere. Für mich geht das aber gar nicht. Was mir “serienmäßig” nicht am A1 gefällt, ist die seltsam breite Kofferraumklappe und der wulstige Absatz unterhalb der Heckscheibe. Der kleine wirkt dadurch zwar wuchtiger, aber mir und den meisten befragten Außenstehenden gefiel das nicht unbedingt.

Innenraum und Ausstattung

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic Innenraum

Umso mehr schönes gibt es hingegen im Innenraum zu entdecken: die wunderschönen Drehschalter zur Bedienung der Klimaanlage fassen sich nicht nur hervorragend an, sie haben auch so präzise und sauber definierte “Klickpunkte” – ganz großes Kino. Selbiges gilt für alle anderen Schalter im Innenraum. Der A1 lässt da definitiv keine Fragen offen. Ein ganz besonderes Highlight sind die weißen LEDs, welche bei Nacht für ein dezentes Licht sorgen, etwa hinter den Türgriffen und im Fußraum. Auch die Beleuchteten Lautsprechereinfassungen sehen klasse aus und ganz von der Optik abgesehen, fühlt man sich bei Nachtfahrt dadurch etwas wohler.

Der Innenraum gefällt ungemein – kleine Mängel gibt es trotzdem

Wo ich gerade von den Schaltern und deren Haptik sprach: ihr werdet jetzt natürlich sagen “klar, Audi ist eben der Benchmark was Innenraumverarbeitung angeht!”. Hätte ich auch gesagt, wenn mich da nicht 2-3 Kleinigkeiten gestört hätten. Da wäre zum Beispiel ein permanentes seichtes rasseln, das ich immer wieder aus der Tür vernehmen konnte, was sich aber nirgends durch einen leichten Druck lokalisieren und ausschalten ließ. Viel unangenehmer fielen mir aber beide Sitze auf, welche ein leichtes Spiel hatten. Ob das nun aus dem Bereich der Sitzkonsole oder der Sitzfläche kam – nicht genau festzustellen. Mit meinem Gewicht von über 90 Kilo konnte ich aber immer wieder beim Beschleunigen und Bremsen eine leichte Bewegung feststellen.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Premium-Ausstattung zu Premium-Preisen

Punkten kann der Audi A1 natürlich mit seiner Ausstattung. Denn: betrachtet man einmal den Grundpreis von rund 26.000 Euro, scheint der A1 1.4 TFSI gar nicht mal so teuer. Dafür ist dann schon DSG und die S Line an Bord. So richtig Premium wird der A1 allerdings erst, wenn man sich durch die ellenlange Ausstattungsliste kämpft und Extras, wie den tollen Fernlichtassistenten, das Soundsystem und und und ankreuzt. Dann ist der Preis plötzlich auch so richtig Premium: über 34.000 Euro werden dann fällig – fast 10.000 Euro Aufpreis. Denn wer glaubt, Sachen wie Xenon-Licht oder Klimaautomatik wären Serie, der irrt.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic MMI plus

Das wunderschöne MMI plus Navigationssystem schlägt alleine mit gut 2.500 Euro zu Buche. Geboten wird dafür einiges: eine schöne grafische Ansicht ist nur ein Punkt. Besonders toll ist, sofern eine Datenverbindung mit Hilfe einer zusätzlichen SIM Karte verwirklicht wird, die Navigation mittels Google Earth Satellitenbildern oder das nette Feature, einen WLAN Hotspot im Auto zu eröffnen. Was ich als wirklich praktisches Feature empfand: mit Hilfe der Funktion “TP Memo” zeichnet das Auto im Hintergrund alle Verkehrsdurchsagen auf. So kann man diese jederzeit erneut abrufen. Wenn man etwa seine Autobahn bei der Durchsage verpasst hat. Ein klasse Feature, wie ich finde.

Antrieb und Fahrwerk

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Doch wie fährt sich der A1 mit seinem 136 kW (185 PS)starken 1.4 Liter TFSI Motor? Schön! Sehr schön sogar! Seine Akustik ist ein echtes Highlight. Zwar wurde auch hier wieder mit Tricks und Kniffen nachgeholfen, das Ergebnis ist aber kein synthetisch wirkendes Motorgeräusch, sondern ein schön bassiger Unterton, welcher den kleinen Motor richtig wuchtig wirken lässt, ohne aufdringlich zu sein.In Sachen Querdynamik rollt der A1 dank S-Line Sportpaketes mit Sportfahrwerk an den Start, welches eine straffere und sportlichere Fahrwerksabstimmung mit sich bringt. Das Resultat kann sich sehen lassen: der A1 lenkt erstaunlich flink und direkt ein und ermöglicht erstaunlich hohe Kurvengeschwindigkeiten. Auf der Landstraße fühlt man sich, gerade auch in Kombination mit dem 7-Gang-DSG wirklich pudelwohl.

Sportliches Fahrwerk mit Reserven und ordentlichem Komfort

Das Fahrwerkssetup ist klasse gelungen und trotz einer sehr trockenen Abstimmung bietet er eine Menge Komfort. Dabei ist er in strengstem Maße der Neutralität verpflichtet. Weder Über- noch Untersteuern scheint der kleine Audi zu kennen. Lastwechselreaktionen? Pustekuchen. Ausfallschritte auf provokante Fahrmanöver? Nicht die Spur. Der A1 ist nicht aus der Ruhe zu bringen, lässt aber trotzdem genug Raum für viel Spaß. Während des Testzeitraumes fiel auch der erste Schnee des Jahres – alles kein Problem. Der A1 vermittelt einem ein hohes Maß an Sicherheit. Selbst auf der Autobahn bei über 200 km/h bleibt der A1 für einen Kleinwagen erstaunlich ruhig und entspannt.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Und ja, auch der A1 ist vor Antriebseinflüssen in der Lenkung nicht gewappnet. Die halten sich aber in Grenzen, problematischer ist eher der schnell aufkommende Schlupf beim Beschleunigen aus engeren Kurven. Das ist aber vor allem auch dem unglaublich direkt ansprechenden Triebwerk geschuldet. Ausgestattet mit einem Kompressor für den Drehzahlbereich bis etwa 3.800 Umdrehungen und einem Turbolader für höhere Drehzahlen spricht der A1 1.4 TFSI zu jeder Zeit direkt auf Gasbefehle an. Besser noch: in Sachen Elastizität ist das Triebwerk eine Wucht, denn der A1 tritt bereits untenherum mächtig an, auch wenn gerade einmal 250 NM Drehmoment wirken.

Was der Motor leistet, kann die Bremse nicht halten

Was er allerdings an Vortrieb leistet, kann er in Sachen Verzögerung nicht ganz halten: bei sehr motivierter Kurvenfahrt inklusive kräftigem Ankerwerfen, ist die Bremsanlage auf Dauer überfordert. Nachlassender Pedaldruck, Fading und schließlich auch eine schwächelnde Bremsleistung sind Symptome, auf die man lieber verzichten würde. Ebenso wie die dauerhafte Brems-Performance hält sich übrigens auch der Verbrauch in Grenzen: mit 9 Litern im Schnitt gab ich den A1 wieder zurück. Kein schlechter Wert bedenkt man die Fahrweise und einige Autobahnkilometer, die bei konstant über 200 km/h heruntergespult wurden.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Fazit

Mich hat der Audi A1 1.4 TFSI überrascht – das präzise Fahrwerk dürfte für meinen Geschmack aber noch etwas “schärfer” ausgelegt sein. Allerdings will er ja gar kein Vollblut-Sportler vom Schlage eines Citroën DS3 Racingsein, von daher ist das keine ernsthafte Kritik. Der Motor ist hingegen über jeden Zweifel erhaben: auch wenn ich glaube, dass der getestete A1 ziemlich gut im Futter stand, ist die sequentielle Aufladung mittels Kompressor und Turbolader großartig gelungen und der kleine Ingolstädter hängt unbeschreiblich gut am Gas. Ein fairer Verbrauch und ein satter Sound runden das Paket perfekt ab – zumindest solange bis die Bremsen schwächeln. Die kleinen Mängel im Innenraum schiebe ich als Einzelfall auf den Testwagen, möchte ich aber nicht unerwähnt lassen – der Beigeschmack bleibt. Ist er die rund 34.000 Euro wert? So als Kleinwagen? Das muss jeder für sich ausmachen. Die Ausstattungsfeatures sind Premium und man bekommt das Überholprestige eines “richtigen Audis” in einem Kleinwagen – das ist doch was!

Worin er besticht

Ohne Frage: der Volkswagen-Konzern baut das wohl beste Doppelkupplungsgetriebe, das derzeit auf dem Markt ist. Das in Kombination mit dem fantastischen Motor, welcher in Verbrauch, Leistung und Akustik voll und ganz überzeugt, macht den A1 zu einem echten Highlight.

Worin er nicht überzeugt

Insbesondere gemessen an dem sehr hohen Preis des Testwagens – über 34.000 Euro für einen Kleinwagen! – geht man umso kritischer an jedes Geräusch, dass man irgendwie vernimmt. Wenn da etwas rasselt oder nicht fest sitzt, fällt das umso mehr auf. Erwarte ich hier Perfektion? Irgendwie schon, auch wenn diese Messlatte vielleicht etwas übertrieben erscheint: bei diesem Preis für einen Kleinwagen darf nichts rappeln.

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Technische Daten

Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic

Motor Bauart:
Reihen-4-Zylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Abgasturboaufladung
Hubraum:
1.390 cm³
Leistung:
136 kW / 185 PS bei 6.200 U/Min
Drehmoment:
250 NM bei 2.000-4.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
227 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h):
6,9 Sekunden
Verbrauch städtisch / außerstädtisch / kombiniert:
7,5 l /5,1 l / 5,9 l Super Plus 98 Octan
Grundpreis Audi A1 S Line 1.4 TFSI S tronic (Ausstattungslinie Ambition)
25.470 €
Testwagenpreis:
34.590 €
Testverbrauch:
9,0 Liter / 100 km über 1.685 km
Leergewicht:
1.265 kg
Max. Zuladung:
375 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
3,954 m / 1,740 m / 1,416 m

Weiterführende Links

Disclosure zur Transparenz

Das Fahrzeug wurde mir freundlicherweise von Audi für den Test zur Verfügung gestellt. Der Test erfolgte unabhängig. Es wurde zu keiner Zeit versucht auf meine freie Meinungsbildung Einfluss zu nehmen und meine persönliche Meinung ist und bleibt meine Meinung, welche in keinster Weise durch Dritte beeinflusst wurde.


Über den Autor -

Seit dem Kindesalter drehte sich für mich immer alles um Autos. Ob ich als Kleinkind mit offenem Mund auf der Straße stehen blieb, wenn ein Ferrari 355 an mir vorbeigefahren ist, ob ich als Teenager am PC eine Rennsimulation nach der anderen bis in die Nächte hinein gezockt haben oder ob ich mir als glücklicher Führerscheinbesitzer keine Möglichkeit entgehen lassen konnte, jedes Auto zu fahren, das mir in die Hände fiel. Meinen Smart Roadster habe ich - wie man so als Informatiker eben tickt - begonnen zu debuggen und ein eigene Softwaremodifikationen dafür zu bauen. Auf der Rennstrecke und mit kleinem Engagement im Motorsport wurde nicht nur der, sondern auch sein Nachfolger - ein Renault Megane RS TCe250 - gerne und häufig gequält. Inzwischen muss ein Lotus Elise herhalten, während ich immer noch jede Möglichkeit wahrnehme, um jedes erdenkliche Auto zu fahren - und hier darüber zu bloggen.

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