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Es gibt nicht viele Tage im Jahr, auf die man sich so enorm freuen darf, wie auf den vergangenen Samstag an diesem Wochenende. Denn Jaguar hatte in die Eifel an den Nürburgring geladen, um auf den Straßen um die legendäre Nordschleife herum die aktuellsten Modelle aus ihrer Katzenzucht zu erleben. Zwar durften wir mit den Katzen nur „draußen“ spielen und nicht im Gehege der Grünen Hölle – zu groß war die Angst, die Raubkatzen würden sich dort eine Beute nach der anderen reissen – aber dennoch bot sich bei fantastischem Eifelwetter eine perfekte Kulisse, die 385 beziehungsweise 510 PS des Jaguar XK und XKR zu erleben. Das Problem an solch wunderschönen Tagen ist natürlich immer: sie sind leider viel zu kurz. Und obwohl das liebe Team von Jaguar in der Hinsicht alles richtig gemacht hat, denn im Kern durften wir fahren soviel wir wollten und wurden nicht durch ein Programm „behindert“, ist die Zeit, die zum Erleben solcher Fahrzeuge an einem Tag zur Verfügung steht natürlich begrenzt. Trotzdem möchte ich euch gerne mitnehmen auf eine kleine Rundfahrt in den offenen Jaguars XK und XKR.

Jaguar XKR
Es ist Samstagmorgen um 9 Uhr im Jaguar Test Center an der Nordschleife. Fahrzeugvergabe. Moritz und ich krallen uns als erstes den Schlüssel des Jaguar XKR. Mit der stärksten Katze, die für heute zur Verfügung steht anfangen? Eine blöde Idee, mag man meinen. Aber ernsthaft: über Leistungsmangel mussten wir uns bei keinem der Kätzchen beschweren, insofern war diese Entscheidung kein Fehler. Kaum im XKR Platz genommen, lasse ich mir ein paar Augenblicke Zeit, um die hervorragende Verarbeitung und die wunderschönen Materialien auf mich wirken zu lassen. Schokoladenbraunes Leder, soweit das Auge reicht, fein gearbeitete weisse Kontrastnähte – Herz was willst du mehr? Perfektes Wohlfühlambiente für einen GT. Ich warte natürlich nicht lange, um der subtilen Aufforderung des rot pulsierenden Startknopfes nachzukommen starte den Motor, lasse das kurze Aufbellen des 5 Liter V8 innig auf mich wirken, bevor ich wieder aus einem kurzen Tagtraum von einem Jaguar Cabrio im Sonnenschein erwache. Ach halt – das ist ja Wirklichkeit. Perfekt! Also nicht gezögert und herunter mit dem Dach. Frische 15 Grad Celsius? Egal. Der Jan hat gezeigt, dass es sogar noch extremer geht: er ist schon um 5 Uhr mit dem XK unterwegs gewesen, um perfekte Fotos in der Morgendämmerung einzufangen – offen!

Pulsierender Startknopf im Jaguar XKR

Kaum das Jaguar Test Center verlassen, geht es auf wunderschöne Eifellandstraßen. Immer möglichst weit weg von den Staus, die während der Anreise zum parallel laufenden AvD Oldtimer Grand Prix entstehen. Jeden noch so kleinen Gasstoß verwandelt das so unglaublich direkt arbeitende Triebwerk in vehementen Vortrieb. Verzögertes Ansprechen, weil der Doppel-Vortexkompressor erst noch Luft verdichten müsste? Fehlanzeige. Und der Vortrieb ist gigantisch, 405 kW (510 PS) beschleunigen den XKR in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Dieser Vortrieb gerät aber schnell ins Vergessen, wenn sich unter Volllast eine infernalische Klangwelt beim Durchfahren der Wälder auftut. Was der XKR an Klangfeuerwerk abbrennt ist schlicht unbeschreiblich. Ob wunderbar sonores Gebrabbel bei tiefen Drehzahlen und beissendes Fauchen bei hohen – der XKR beherrscht jede Klangfarbe. Auch Bjoern ist die Begeisterung zu entnehmen, die das akkustische Spiel des XKR mit sich bringt. Gangwechsel gehen dank präzise arbeitender Automatik mit Wandlerüberbrückung schnell von der Hand, das Herunterschalten wird von sauberen Zwischengasstößen eingeleitet und durch ein lautes Knattern und Blubbern aus dem Heck begleitet. Wählt man dann noch den „Dynamic Mode“, werden die Gänge voll ausgefahren und gehalten – eine Bevormundung des Fahrers kennt die wilde Katze nicht.

Edles Gestühl im Jaguar XKR

Möchte man die wilde Raubkautze etwas mehr von der Leine lassen, lässt sich das DSC in den „Trac Mode“ versetzen – trotzdem machen sich wenig gefühlvolle Regeleingriffe bei leichtem Schlupf an der Hinterachse unangenehm bemerkbar. Auch die Regelschwelle ist nach wie vor viel zu früh gesetzt, als dass einem Sportler würdiges Herausbeschleunigen aus den Kurven möglich wäre. Der Purist kann das DSC aber auch gänzlich abschalten – dann sollte man aber unbedingt wissen was man tut. Den XKR ohne elektronische Helferlein schnell bewegen – dafür bedarf es dann doch schon einer geübteren Hand. Nicht umsonst schaltet sich das DSC erst nach einem 10 Sekunden langen Druck auf den DSC Schalter aus, 625 Newtonmeter haben mit der Hinterachse leichtes Spiel.

Jaguar XKR Cockpit

Aber es ist Zeit für einen Wechsel: am Nachmittag geht die Fahrt im Jaguar XK weiter. Die weniger sportlich ausgelegte Version des XKR leistet mit seinem frei atmenden V8 immerhin 283 kW (385 PS) und schiebt mit 515 Newtonmeter Drehmoment ebenso gewaltig an. Warum aber zweimal XK? Ich wollte einfach beide Modelle direkt miteinander vergleichen, um einen besseren Eindruck über die Veranlagungen beider noblen GTs zu bekommen. So ist es einem immerhin ein bisschen möglich, das gefühlte in eine Relation zu setzen. Im Fahrwerk kommt der XK nämlich auch etwas gediegener daher. Weniger straff gefedert, vollführt die Karosse bei starken Lastwechseln – sowohl um die Längs-, als auch um die Querachse – deutlich auffälligere Wankbewegungen und entlastet beim kräftigen Beschleunigen die Vorderachse spürbar. Auch der Leistungsunterschied ist wahrzunehmen – aber seien wir einmal ehrlich: von Leistungsmangel kann hier keine Rede sein, es wäre vermessen, den XK als schwach zu bezeichnen, denn das ist er unter Garantie nicht. Und so haben wir dann im Trio, zusammen mit Bjoern und Teymur zum Abschluss des Tages eine wunderbare Runde quer durch die Eifel gedreht. Bjoern im XKR, ich im XK, Teymur im Porsche 911 Carrera S. Ein Festival der Sinne. Und auch, wenn der XK klanglich etwas zurückhaltender auftritt – es ist trotzdem zum Niederknien.

Jaguar XKR

Natürlich reichen ein paar Runden in der Eifel nicht, um nun ein ausführliches Bild über die gefahrenen Fahrzeuge zu bekommen. Ob Jaguar XKR und XK ihrer Rolle als GT auch auf langer Strecke gerecht werden, darüber lässt sich ebenso wenig sagen, wie über ihre wahren Talente als Kurvenkünstler. Dafür bräuchte man Strecken die man kennt, zur besseren Vergleichbarkeit. Trotzdem war es eine Freude, die beiden wilden Katzen aus edlem britischen Haus auszuführen. Und Jaguar hat einen großartigen Rahmen für dieses Event geboten. Abendessen mit Christian Danner (Junge, ist der Mann sympathisch!), bekocht werden von Johann Lafer, den ganzen Tag in der Eifel unterwegs, bei Bedarf den AvD Oldtimer Grand Prix genießen und das beste: kein Pflichtprogramm und ganz viel Zeit mit den Autos. Danke, Jaguar!

Übrigens habe ich mir selbstverständlich auch den Jaguar XF angeschaut – dazu könnt ihr dann in Kürze noch etwas lesen und Videomaterial gibt es auch noch. Ihr bekommt also auch noch ein bisschen was auf die Ohren – seid gespannt! Übrigens: ich hatte die letzten 2-3 Wochen freundlicherweise eine Spiegelreflex testweise geliehen – bei diesem Event leider nicht, für die schönen Fotos schaut also auf jeden Fall beim Jan vorbei und ich? Ich spare jetzt mal auf eine vernünftige Kamera.

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Sebastian
Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

21 Kommentare

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  20. Man, man, man.. euren Job hätte ich gerne. Solche Autos fahren und darüber schreiben.
    Ich weiß, dass der Beitrag schon etwas älter ist, aber mich würde interessieren, wo denn das versprochene Videomaterial ist. Kam das nicht zustande oder bin ich nur zu doof das zu finden?

    Gruß,
    Sven

    • Sebastian

      Hi Sven,

      sorry für die (viel zu) späte Antwort! Danke Dir 🙂 Das große Glück ist ja, dass ich das sogar „nur“ zum Hobby machen darf. Das versprochene Videomaterial gab es tatsächlich leider nicht. Das Material hat nicht wirklich zur Weiternutzung getaugt 🙁

      LG
      Sebastian

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