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Schnell, schön, sparsam: Premium-Hybrid Infiniti M35h im Test

Juni 6, 2013 Fahrerlebnis 8 Kommentare
Die erste Gelegenheit zu einer Ausfahrt im Infiniti M35h hatte ich bereits letztes Jahr. Danach war ich, ganz einfach gesagt, begeistert! Grandiose Fahrleistungen, edle Ausstattung und ein verträglicher Verbrauch? Das konnte ich der Hybrid-Limousine nicht abkaufen und bereits damals war klar: den M35h muss ich mal länger erleben. Und das konnte ich!




Infiniti M35h

Gut ein Jahr ist vergangen, seit ich den M35h das erste mal fahren durfte. Auch heute noch ist er ein echter Exot auf unseren Straßen. Den Infiniti FX, den SUV, sieht man hierzulande, insbesondere in München, doch deutlich häufiger. Nach wie vor ist die M-Limousine damit aber auch ein echter Hingucker. Und nach wie vor bin ich ein großer Fan dieses Designs. Ich mag die muskulöse Linienführung entlang der Radhäuser. Vom Fahrersitz aus erinnert nach oben ausgeformte Motorhaube an die Perspektive aus einem 911er. Nach hinten hinaus gefällt mir besonders das coupéhaft abfallende Heck. Sicher, der M35h ist mal wieder ein Auto, welches die Geschmäcker entzweit. Denn auf der einen Seite hat sein Design etwas sehr barockes, was ihn sehr elegant wirken lässt. Auf der anderen Seite sind es einigen Betrachtern damit eindeutig zu viele Kurven, Linien und Rundungen. Macht nichts, nicht jeder muss schön finden, was einem selbst gefällt. Die Form hat aber auch ihren Vorteil: einen cw-Wert von 0,26 muss einem in dieser Klasse erst einmal jemand nachmachen. Dank Verwendung von viel Aluminium kann das Gewicht bei knapp über 1,8 Tonnen gehalten werden.

Infiniti M35h

Im Innenraum hingegen waren fast übereinstimmend alle Leute sehr angetan: hier gefällt die Linienführung und vor allem der abgesetzte Mittelbereich des Armaturenbrettes. Der Nisssan Murano durfte dieses Design bereits erben, der 370Z bekommt mit dem Facelift ebenfalls dieses neue Armaturenbrett spendiert. Sehr gut, wie ich finde. Denn es sieht nicht nur hübsch und hochwertig aus, es ist auch in Sachen Bedienkomfort sehr gut: das Touch-Display reagiert präzise und schnell auf Eingaben. Zusätzlich kann man das System per Sprachsteuerung, Drehrad und Navigationskreuz bedienen. Man kann sicher streiten, ob diese vielen Bedienmöglichkeiten (die tatsächlich redundant sind) notwendig sind oder den Fahrer überfordern könnten. Ich hingegen finde das eine gelungene Lösung, denn so hat man in jeder Situation eine passende Bedienmöglichkeit. Auch die Sprachsteuerung funktioniert ausgesprochen gut und zuverlässig, sei es bei der Zieleingabe für das Navi oder bei der Sprachwahl der Telefonkontakte.

Infiniti M35h Forest Air

Ein weiteres Highlight im Innenraum ist die Klimatisierung. Der Infiniti M35h verfügt nämlich über eien spezielle Funktion, genannt “Forest Air”. Alleine der Schalter hierfür sorgte bei den meisten Mitfahrern für Verwunderung. Hat man ihnen einmal die Funktion dahinter erklärt, macht sich Staunen breit: Forest Air sorgt einerseits für einen automatisch gesteuerten diffusen Luftstrom. Das soll vermeiden, dass man unnötig Zug von der kalten Klimaluft abbekommt. Das funktioniert auch ganz hervorragend: wo einem sonst bei langen Strecken die Augen manchmal etwas brennen, gibt es im Infiniti keine Probleme. Das liegt aber auch daran, dass die Luft zusätzlich leicht angefeuchtet wird. Die zweite Funktion, die sich hinter Forest Air versteckt, ist eine dezente Anreicherung der Luft mit ätherischen Ölen, welche entweder nach Wald oder Wiese riechen. Das System entscheidet dabei selbst, wann diese Düfte zum Einsatz kommen. Wirklich “wahrnehmen” tut man sie kaum, steigt man aber ins Auto zu, merkt man, dass irgendwie ein andere, angenehmeres Klima herrscht. Ganz große Klasse!

Infiniti M35h

Doch wo Sonne ist, da ist meist auch Schatten: Kritik muss der Innenraum des Infiniti für seine Sitze kassieren. Die Sitzlehnen (mit integrierten Surround-Lautsprechern!) sind leider viel zu kurz. Mir geht die Oberkante der Rückenlehne gerade einmal bis zu den Schulterblättern. Dazu ist der Verstellbereich der Kopfstützen mit ca. einem Zentimeter, gelinde gesagt, ein schlechter Scherz. Ansonsten sind die beheiz- und klimatisierbaren Sitze aber außerordentlich bequem.

Infiniti M35h

Das Highlight des M35h versteckt sich aber sicherlich unter der Haube. Oder dem Kofferraum – ganz wie man es nimmt. Unter der Haube steckt nämlich ein kräftiger 3,5 Liter Sechszylinder in V-Bauweise, der hierzulande auch aus dem Nissan 350Z oder dem Nissan Murano bekannt ist. Ok, wohl eher nur aus dem 350Z, aber sei’s drum: 225 kW (306 PS) leistet der Sechsender und drückt dabei mit 350 NM auf die Kurbelwelle, welche die Kraft über die Hinterachse auf die Straße bringt – so muss es sein. So weit, so gut, das wahre “Wunder” des M35h steckt aber im Gepäckabteil, denn dort sitzen die Akkus für einen Elektromotor, welcher nochmals 60 kW (68 PS) und 270 NM Drehmoment beisteuert. Kombiniert werden daraus – festhalten: 268 kW (364 PS). Das bewirkt, dass der M35h zu jeder Zeit vehement nach vorne stürmt. 5,5 Sekunden vergehen gerade einmal bis Landstraßentempo, die Höchstgeschwindigkeit von elektronisch begrenzten 250 km/h wird im Nu erreicht. Der M35h schiebt gewaltig, alleine weil sich dank Unterstützung des Elektromotors auch in den Drehzahlbereichen ordentlich Drehmoment breit macht, welche der Saugmotor eher meiden möchte. Die akustische Bandbreite dieser Triebwerkskombination hat ihren ganz eigenen Reiz: ob man nun völlig lautlos an der Ampel anfährt oder durch den Stadtverkehr gleitet oder Gebrüll der sechs Töpfe freien Lauf lässt und damit jeden kräftigen Beschleunigungsvorgang kernig gröhlend untermalt..

Infiniti M35h

Sicher, ihr werdet euch nun aber denken “Hybrid, schön und gut, aber das, was bei dem Durchläuft, will ich nicht bezahlen müssen”. Falsch gedacht. Denn, dass die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor hervorragend funktioniert, zeigen nicht nur die Fahrleistungen und das Klangspektrum. Auch der Halt an der Zapfsäule unterstreicht die extrem gut gelungene Kombination: nur 9,2 Liter gönnte sich der M35h im Test über 1.813 km. Dabei auch sehr viele Kilometer mit ordentlich Zug über die Autobahn. Wo er seinen Verbrauchsvorteil voll ausspielen konnte? Natürlich in der Stadt. Kam man noch mit einem 10er-Schnitt von der Bahn, konnte man in der Stadt zuschauen, wie die Zahl nach unten purzelt. Der M35h fährt ungemein oft rein elektrisch, sogar auch auf der Landstraße, wo auch bei hohen Geschwindigkeiten der Verbrenner per Kupplung vom Antriebsstrang getrennt wird und nur der Elektromotor sanft Leistung beisteuert. Dabei hilft auch das Gaspedal, welches im “Eco” Modus aktiv Gegendruck erzeugt, um so den Gasfuß zu bremsen. So gibt man gerade so viel Gas wie nötig und fährt umso häufiger rein elektrisch.

Infiniti M35h

342 Kilometer habe ich im Test rein elektrisch zurückgelegt – tatsächliche wäre ohne den hohen Autobahnanteil noch deutlich mehr drin gewesen. 19% sind. Eine ordentliche Hausnummer. Zwar ist der Aufbau des Hybrid im M35h sehr simpel, aber gerade das ist auch sein Vorteil. Gut, der Übergang zwischen Standgas und Stillstand ist beim Elektromotor etwas unschön abgestimmt und so bremst man – zuerst rekuperierend – an eine Ampel heran und macht dann wieder einen leichten Satz, wenn die Rekuperation deaktiviert wird, aber im Großen und Ganzen ist die Abstimmung sehr gut gelungen.

Infiniti M35h

Gibt es sonst noch etwas zu kritisieren? Naja, das Soundsystem von Bose ist in Ordnung, fällt aber gerade im mittleren Frequenzbereich etwas schlapp aus. Zudem sind Einbauort und Konstruktion des Radar für den adaptiven Tempomat sehr unglücklich gewählt. Auf frisch gesalzener Autobahn hat sich der Radar mit Streusalz gefüllt und funktionierte nicht mehr zuverlässig. Das System hat das aber erst gemerkt, nachdem ich, leicht erschrocken ob des nicht selbst bremsenden Systems, kurz vor dem Auffahren auf einen LKW mit der Bremse eingegriffen habe. Apropos Bremsen: sicher, der M35h ist kein Sportwagen. Infiniti betont aber stets, dass man dynamische und sportliche Fahrzeuge baut. Der M35h geht zwar relativ flink um die Kurven und lässt sich angenehm im Grenzbereich bewegen, bei forscherer Gangart stößt die Bremsanlage allerdings recht schnell an ihre Belastungsgrenze.

Infiniti M35h

Fazit

Der Infiniti M35h ist das Musterbeispiel, wie ich mir eine Limousine vorstelle. Sportlich und komfortabel, dazu eine sehr hohe Wertigkeit und eine außerordentlich gute Verarbeitung. Ein Innenraumdesign, weit ab von schlichten japanischen Plastiklandschaften und dazu gigantische Fahrleistungen mit einem unwahrscheinlich niedrigen Verbrauch. “Wie machen die das?” – das ging mir während des Tests öfter mal durch den Kopf. Der M35h ist eine hervorragende Premiumlimousine zu einem absolut fairen Preis und bietet als einer der wenigen Japaner ECHTES Premiumniveau. Und das auch noch mit einer so großartigen Antriebseinheit – das steigert die Vorfreude auf den Q50 ungemein!

Infiniti M35h bei anderen Bloggern

Wertung

8.7/10
  • Fahrdynamik: 6
  • Fahrspaß: 7
  • Sound: 6
  • Verarbeitung: 8
  • Komfort: 8
  • Ausstattung: 8
  • Verbrauch: 7
  • Preis/Leistung: 5
  • Persönliche Anziehungskraft: 8
Mein passion:driving Wertungsschlüssel spiegelt meine subjektive Einschätzung des Testwagens in verschiedenen Kategorien wieder. Die fahrdynamischen Qualitäten spielen dabei eine große Rolle. Trotzdem wird ein Auto nur durch Performance keine 10er-Wertung erhalten können. Hier gibt es mehr Informationen zum Wertungssystem.

Technische Daten

Infiniti M35h GT Premium

Motor-Bauart:
3,5-Liter-V6-Hybridmotor DOHC, 4 Ventile pro Zylinder
Hubraum:
3.498 cm³
Leistung:
268 kW / 364 PS bei 6.800 U/Min
Drehmoment:
550 Nm bei 1.650 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
250 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
5.5 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
9 L / 5.6 L / 6.9 L E10 (ROZ 95)
Grundpreis Infiniti M35h GT Premium:
55.490 €
Testwagenpreis:
62.540 €
Testverbrauch:
9.2 Liter / 100 km über 1.813 km
Leergewicht:
1.830 kg
Max. Zuladung:
570 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.945 m / 1.845 m / 1.500 m

Disclosure zur Transparenz

Das Fahrzeug wurde mir freundlicherweise von Infiniti für den Test zur Verfügung gestellt. Der Test erfolgte unabhängig. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.