Es gibt ja bekanntermaßen „solche“ und „solche“ Autos. Es gibt Autos, die sehen gut aus, fahren aber nicht besonders toll oder präsentieren sich mit einem solchen Innenraum, dass man statt gar nicht mehr aussteigen, eigentlich gar nicht ERST einsteigen möchte. Dann gibt es natürlich auch solche Autos, die schmeicheln das Auge nicht gerade, sind sehr pragmatisch gezeichnet, überzeugen aber beim Fahren und Reisen mit solchen Reisequalitäten, dass unglaublich gerne damit fährt – auch wenn man sich an jeder Ampel unter der Fensterkante verstecken möchte. Und dann gibt es natürlich noch Autos, die beides besonders gut oder beides nicht so besonders gut können. Und der Suzuki Kizashi? Tja…

Suzuki Kizashi 2.4 Sport
Der Suzuki Kizashi ist hierzulande durchaus eher als Exot zu bezeichnen. Gerade einmal 455 Kizashi wurden in 2012 neu zugelassen (für 2013 gibt es leider noch keine vollständigen Zahlen). Selbst vom Supersportler SLS AMG hat Mercedes-Benz mehr Neuwagen absetzen können. Das hat aber auch einfache Gründe: der Suzuki Kizashi war zugegebenermaßen nie großartig für den deutschen Markt gedacht. Erst recht spät entschied sich der deutsche Importeur, die Mittelklasselimousine auch hierzulande ins Portfolio aufzunehmen. Eigentlich sollte der Kizashi in den USA für Suzuki kräftig Markteinteile einheimsen. Der Plan ging allerdings nicht auf: Ende 2012 zog sich Suzuki komplett vom US-amerikanischen Markt zurück.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Dabei bringt der Kizashi – und damit klären wir schon einen Teil der Eingangs gestellten Frage – alles mit, um durchaus als attraktives Auto wahrgenommen zu werden. Er sieht cool aus, hat wohl proportionierte Formen, zwei mit chrom verzierte Auspuffblenden in der Heckschürze lassen den Kizashi zudem auch kräftig und sportlich wirken. Die Radhäuser sind allesamt kräftig ausgestellt, darunter finden üppige 18-Zoll-Alufelgen mit 235er-Gummis Platz. Am Heck geht zeichnen die wohlgeformten Rundungen einen Heckspoiler auf den Kofferraumdeckel und in der Front weiß ein großer Kühlergrill zwischen den Xenonscheinwerfern zu begeistern – das alles übrigens als Serienausstattung.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Überhaupt gibt die Liste der optionalen Ausstattungsmerkmale nicht viel mehr. Zum Serienumfang gehören neben den bereits erwähnten Punkten auch getönte Scheiben, ein Regensensor, ein Sportfahrwerk, Airbags an allen Ecken und Enden (inklusive Knie-Airbag), Nebelscheinwerfer, ein USB- und Bluetooth-fähiges Radio mit 8 Lautsprechern, Tempomat, Ledersitze, Sitzheizung, 2-Zonen-Klimaautomatik, Keyless Start und Parksensoren. Wer wünscht, kann den Kizashi auch mit Allradantrieb ordern – so wie der Testwagen. Nicht schlecht, oder? Fraglos, die serienmäßige Vollausstattung kann sich sehen lassen, aber gerade in letztgenanntem Punkt verbigt sich die Krux: der Allradantrieb – oder besser noch, im ganzen Antriebsstrang. Den Allradantrieb gibt es nämlich nur in Verbindung mit einem stufenlosen Getriebe.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Für Vortrieb sorgt unter der Motorhaube ein Vierzylinder Sauger mit 2,4 Litern Hubraum. Derart große Vierzylinder ist man heutzutage gar nicht mehr gewohnt. Und das hat auch gute Gründe. Mit 131 kW (178 PS) und 230 NM Drehmoment steht der 16-Ventiler gar nicht mal so schlecht im Futter. Und eigentlich sollten diese Werte auch für ausreichenden Vortrieb sorgen. Tun sie aber nicht. Denn das Getriebe macht hier einen gewaltigen Strich durch die Rechnung: scheinbar sind Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler in den Staaten und insbesondere in Japan nicht mehr Hip genug und ein Doppelkupplungsgetriebe sucht man im Suzuki-Regal noch vergebens. Stattdessen kommt also mein automobiler Nemesis zum Einsatz: ein stufenloses Getriebe – auch CVT (für Continuosly Variable Transmission) genannt. Und jetzt falle ich hier ein wenig aus meiner Rolle: sorry, stufenlose Getriebe sind einfach nur nervig. Sicher, sie haben die beste Möglichkeit die wichtigste theoretische Anforderung an ein Getriebe für einen Verbrennungsmotor zu erfüllen, nämlich den Motor ständig im Drehzahlbereich mit dem besten Wirkungsgrad zu halten.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

In der Praxis sorgt das für ein unbeschreiblich nervendes Fahrgefühl: beim Beschleunigen schnellt der Drehzahlmesser in die Höhe, der Motor jault unmotiviert auf, das Fahrzeug nimmt Fahrt auf, der Geräuschpegel ist aber kontinuierlich nervig hoch. Vielleicht sollte man CVT lieber CSNUT nennen. So wie Continuously Stupidly Noisy Useless Transmission. Sicher, Audi hat bereits gezeigt, wie es besser geht, auch Subaru soll mit einem hervorragenden stufenlosen Getriebe glänzen, die meisten dieser Varianten sind aber meist nur nervig und zumindest meinem Emfpinden nach dem Verbrauch nicht zuträglich, einer sportlichen Fahrweise erst recht nicht: geht man erst im Scheitelpunkt auf’s Gas, befindet man sich bereits in der Anbremszone für die nächste Kurve, ehe das stufenlose Getriebe das benötigte Drehzahlniveau für ein angemessenes Herausbeschleunigen aufgebaut hat. Erinnert ein wenig an ein Turboloch. Nur nerviger. Und lauter.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Nun gut, dem CVT nun alleinig die Schuld für den Verbrauch von über 12 Litern in die Schuhe zu schieben, wäre sicher nicht gerecht, der Motor trägt selbst seinen Anteil daran. Wirklich sparsam unter 10 Liter ist er kaum zu bewegen – auch nicht beim entspannten Dahinrollen auf Landstraße oder Autobahn. Dabei fühlt man sich im gut gestylten Innenraum sofort wohl. Die Sitze sind komfortabel und fassen sich gut an, das sportliche Lenkrad liegt gut in der Hand und das Audiosystem macht einen brauchbaren Job. Die Verarbeitung lässt auch kaum Kritik aufkommen. Sicher, es wird einiges an Hartplastik verwendet, aber was soll’s? Es ist vernünftig verarbeitet, fast sich gut an und sieht nicht billig aus. Lediglich die etwas altbackenen Rundinstrumente und das nicht mehr unbedingt zeitgemäße grobpixelige-Matrixdisplay für das Audiosystem sind vielleicht nicht unbedingt zeitgemäßg.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Auch sonst hat er die ein oder andere Schwäche: der Lichtsensor regelt höchst seltsam und ungenau, mal an, wenn man es nicht braucht, mal aus, wenn man Licht haben sollte. Die Lenkung vermittelt in etwa so viel Gefühl, als hätte man sich die Hände vor Fahrtbeginn betäuben lassen und das Fahrwerk sucht sich gerne den direkten Weg in Richtung Spurrillen. Das sind aber erträgliche Punkte, kleine Macken sozusagen. Denn dafür ist das Platzangebot ausreichend und man fühlt sich auch vom Styling her im Innenraum wohl.

Fazit

Ihr wisst es, ich bin kein Freund von stufenlosen Getrieben. Und ich bin ein Freund von aufgeladenen Motoren. Der Suzuki Kizashi hat beides nicht. Das ist aber erst einmal egal. Nicht schön ist hingegen, dass der Antriebsstrang durchweg für mehr Frust als Freude sorgt. Und das ist eigentlich schade. Denn die Ausstattung ist üppig, man sitzt im Kizashi komfortabel, er fährt sich sehr angenehm, hat mit dem Fahrwerk eine gelungene Abstimmung die sportliche Ausfahrten zulässt und auch ausreichend Komfort bietet. Er ist eigentlich ein gutes Auto. Aber eben leider nur eigentlich. Eine Wurzelbehandlung würde ich Getriebe und Motor des Kizashi vorziehen. Dabei sieht er cool aus und könnte für seine weniger als 30.000€ ein echtes Schnäppchen sein. Das Package selbst ist höchst interessant, das Styling ist cool – wer sich dafür also dennoch interessiert, sollte unbedingt auf den handgeschalteten Fronttriebler zurückgreifen. Den sind auch schon Jens und Jan gefahren, daher empfehle ich euch auch unbedingt einen Blick in deren ausfahrt.tv-Video, Jan hat auch ein paar Worte über den Suzuki Kizashi 2.4 MT in seinem Blog verloren. Ja, auch mit dem Fronttriebler wird man zwar sicher noch einen relativ hohen Verbrauch in Kauf nehmen müssen, weniger als mit dem CVT dürfte es dennoch sein und ein ganz relevanter Nerv- und vor allem Komfortfaktor wird damit im Keim erstickt. Den Fronttriebler gibt es dann bereits ab 26.999€ und wird damit zu einem höchst attraktiven Angebot.

Suzuki Kizashi 2.4 Sport

Worin er besticht

Das Ausstattungsniveau kann sich sehen lassen, die Verarbeitung ist ohne grobe Mängel und das Styling ist einfach extrem cool – kräftig und sportlich sieht er aus…


Worin er nicht überzeugt

…schade nur, dass er diesen Eindruck nicht fortführen kann, sobald man sich mit ihm in Bewegung setzt. Das CVT macht alles andere als einen guten Job und der Verbrauch des dicken Vierenders ist lange nicht mehr zeitgemäß.

Wertung

5.1/10
  • Fahrdynamik: 4
  • Fahrspaß: 2
  • Sound: 2
  • Verarbeitung: 6
  • Komfort: 4
  • Ausstattung: 7
  • Verbrauch: 1
  • Preis/Leistung: 7
  • Persönliche Anziehungskraft: 6
Mein passion:driving Wertungsschlüssel spiegelt meine subjektive Einschätzung des Testwagens in verschiedenen Kategorien wieder. Die fahrdynamischen Qualitäten spielen dabei eine große Rolle. Trotzdem wird ein Auto nur durch Performance keine 10er-Wertung erhalten können. Hier gibt es mehr Informationen zum Wertungssystem.

Technische Daten

Suzuki Kizashi 2.4 Sport Allrad

Motor-Bauart:
wassergekühlter Vierzylindermotor, 16 Ventile, 2 oben liegende Nockenwellen mit variabler Ventilsteuerung (VVT), Multipoint-Einspritzung
Hubraum:
2.393 cm³
Leistung:
131 kW / 178 PS bei 6.500 U/Min
Drehmoment:
230 Nm bei 4.000 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
215 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
8.8 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
11.3 L / 6.6 L / 8.3 L Superbenzin (ROZ 95)

Grundpreis Suzuki Kizashi 2.4 Sport Allrad:
29.999
Testfahrzeugpreis:
30.530
Testverbrauch:
12.2 Liter / 100 km über 1.788 km
Leergewicht:
1.625 kg
Max. Zuladung:
405 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.650 mm / 1.820 mm / 1.470 mm

Disclosure zur Transparenz

Das Fahrzeug wurde mir freundlicherweise von Suzuki Deutschland für den Test zur Verfügung gestellt. Der Test erfolgte unabhängig. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.


Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

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