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Mein Motto kennt ihr ja inzwischen hinlänglich: Wenn der Ring ruft, dann lässt Du dich nicht bitten. Auch nicht, wenn Du gerade „ums Eck“ wohnst. Wenn nicht nur der Ring ruft, sondern auch Audi und dann auch noch 24h Rennen ist, wärst Du schön blöd, nicht ja zu sagen.

24h Rennen 2018 Nürburgring Nordschleife

Denn Audi bzw Audi Sport haben dieses Jahr zum 24h Rennen ein Jubiläum zu feiern: 10 Jahre Audi Sport customer racing. 2008 hat Audi in Genf erstmals ein Kundensportfahrzeug vorgestellt, den Audi R8 LMS. Ein nach GT3 Spezifikation homologierter Rennwagen. 531 Fahrzeuge wurden seither für internationale Kunden gebaut und viele Modelle sind seit dem hinzugekommen.

Der neue Audi R8 LMS fährt weiterhin in der GT3 Kategorie und schickte sich um den Gesamtsieg beim 24h Rennen in der Eifel an. 2012 gelang das erstmals, 2014, 2015 und 2017 konnte Audi Sport diesen Erfolg wiederholen. Aber auch im Bereich der noch recht jungen GT4 und TCR Klassen hat Audi Sport einige Kundenfahrzeuge auf der Strecke. 33 R8 LMS, R8 LMS GT4 und RS3 LMS starteten in den Langestreckenklassiker in der Eifel.

Audi RS 3 Limousine Vipergrün

Und auch, wenn der RS3 LMS nicht vom glorreichen Fünfzylinder um die Strecke gescheucht wird, durfte ich im Straßen-RS3 mit 2,5-Liter-Fünfender an den Ring düsen, um dort einmal mehr die volle motorsportliche Dröhnung zu genießen. Es gibt schlimmere Dinge, als in dieser wunderschönen 400-PS-Kompaktlimousine an den Ring zu reisen. Vor allem, ist es ein wunderbares Wiedersehen, nachdem ich den RS 3 in genau dieser Konfiguration letztes Jahr noch im Oman fahren durfte – und so ein bisschen verliebt war. Insbesondere dann, wenn man „all access“ hat für die Audi Hospitality, die Lounge über der Boxengasse oder auch für das „Götzehaus“, dem Aussichtspunkt an der Nordschleife, direkt am Flugplatz. Optimale Sicht auf die Quiddelbacher Höhe bis hin zur GP Strecke.

Fünfzylinder – immer gut für ein Halleluja!

Für die vier Ringe wollte das Wochenende allerdings nicht so richtig in Fahrt kommen. Nach dem Qualyfying fanden sich nur 2 Audi in den Top 3 – das Land Audi Team, welches letztes Jahr den Gesamtsieg einfuhr und das „Audi Sport BWT“ Team. Die weiteren Fahrzeuge standen dann erst wieder auf Platz 11, 20, 24 und 26.

Audi RS 3 Limousine im Corso

In der Hoffnung, eine Streckensegnung durch die motorsportlichen quattro-Fünfzylinder-Gene des RS 3 könne vielleicht etwas bewirken, durfte ich die vipergrüne Limousine zum Corso vor dem Rennen über die Strecke scheuchen.

Jetzt ist das ja so, dass ich die Nordschleife alles andere als selten fahre. Und häufig auch, wenn gerade VLN war. Den ein oder anderen Fan an der Strecke – das kennt man. Ein gut besuchtes Brünnchen – auch das kennt man von den Wochenenden.

Kurz vor dem Rennen selbst über die Nordschleife – Gänsehaut!

Stellt euch nun aber vor, ihr fahrt über die Nordschleife. Die Zäune sind alle voll – überall stehen Menschen. Dahinter irrwitzige Aufbauten und Baugerüste, riesige Container und Wohnwagen. Überall werden Flaggen geschwenkt – Audi, BMW, Mercedes – egal. Es ist alles eine große Motorsportfamilie. Und während Du durch das Hatzenbachgeschlänge fährst, den Fünfzylinder aufgurgeln lässt, die Fans jubeln, riecht es nach Fleisch. Nach Grill. Nach Holz. Von überall her ertönt Musik. Die Party ist in vollem Gange.

Audi Corso vor dem 24h Rennen

Und bevor dieses heilige Stück Asphalt einer 24 Stunden andauernden Materialschlacht übergeben wird – manch Fahrer soll später gesagt haben, es herrsche Krieg auf der Strecke – rollst Du inmitten dieser irrwitzigen Party hindurch. Begleitet vom Kult-Soundtrack des Fünfzylinders, während Dir die Marshalls am Streckenrand zuwinken und ihre Fahnen schwingen.

Es ist Gänsehaut pur. Nicht nur, wenn es ohnehin dein größter Traum ist, diesen Langstreckenklassiker einmal selbst mitfahren zu können.

Vielleicht hätte ich während des Corsos noch Ingolstädter Weihwasser dabei haben sollen, denn: es hat alles nichts gebracht. Nachdem eine unfassbar spektakuläre Startphase überwunden war, hatte die Audi Sport Truppe zu kämpfen. Defekte, Unfälle, Wetter. Die Nordschleife forderte ihren Tribut.

Eifelwunder – Geschichten von Teamwork zwischen Konkurrenten

Doch der Teamgeist, der ging nicht verloren. Dreieinhalb Stunden vor Rennende wurde das Rennen unterbrochen. Starkregen und schlechte Sicht machten ein Weiterfahren unmöglich. Beim Titelverteidiger, dem Land Audi, wurde diese Rennunterbrechung für einen Getriebewechsel genutzt. Kein einfacher Job, wenn man nicht viel Zeit hat. Jede Sekunde zählt, um bei einem Restart sofort startbereit zu sein.

24h Rennen 2018 Nürburgring Nordschleife

Das Wunder der Eifel: Das belgische Audi WRT Team kam zur Hilfe. Nachdem die Mechaniker nach einem Unfall bereits die Koffer gepackt hatten und zur Abreise im Fahrerlager bereit standen, sprang das Team kurzfristig ein. Aus zwei Konkurrenten auf der Strecke wurde kurzerhand ein Team und sie wechselten das Getriebe in Rekordzeit.

24h Rennen 2018 Nürburgring Nordschleife

Das sind sie, die Geschichten, welche die Eifel so schreibt. Sonne, Starkregen, Nebel, Schicksale, Triumphe, aber eben auch: Freundschaft und Kollegialität. Und auch, wenn es bitter ist, dass es für Audi Sport im Jubiläumsjahr nur für einen sechsten Platz durch Kelven und Sheldon van der Linde, Christopher Mies und René Rast reichte, darf man eben auch nie vergessen, dass hier in der Eifel eben auch auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt eine der anspruchsvollsten Materialschlachten ausgetragen wird. Und wie wär’s damit Audi: der RS3 war ja für das Wochenende sehr fein – den RS3 LMS würde ich an dem Wochenende lieber bewegen 😉

Text: sb
Fotos: Lukas Hampe, Werk

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Audi nach Nürburg eingeladen. Reisekosten, Verpflegung und Übernachtung wurden von Audi übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.


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Sebastian
Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

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