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Eigentlich distanziere ich mich gerne von allzu gestrigem Gerede und reaktionären Meinungen der Motorpresse. Ich bin ein Freund des Fortschritts. Und doch würde ich beim Ranger Rover Velar gerne noch sehr lange an etwas neuem und gleichzeitig „gestrigem“ festhalten…

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE Modelljahr 2021

Worum es geht? Nun, zu kaum einem Auto passt ein kräftiger, großer Dieselmotor so gut, wie zum Range Rover Sport oder Velar. Meine letzte Begegnung mit dieser Kombination war 2018 im Range Rover Sport SDV8. Acht Zylinder, Diesel, ein riesiger, 780 Nm hoher Drehmomentberg und 340 PS in einem Chassis, dass gleichermaßen für seine komfortablen, dynamischen und geländetauglichen Fahrfertigkeiten heraussticht. In diesem feinen Fahrzeug, begleitet vom dumpfen Grollen des Diesels, die typisch hochfrequenten Nagelgeräusche sind in keinster Weise wahrnehmbar, Kilometer für Kilometer unter die Räder zu nehmen, ist ein Genuss.

Sechs in Reihe

Vom legendären SDV8 mussten wir uns ja leider bereits verabschieden. Und auch den V6-Diesel gibt es im Velar nun nicht mehr. Die gute Nachricht: Er wird ersetzt, durch einen neuen Reihensechszylinder. Diesen neu entwickelten Ingenium-Reihensechszylinder gibt es in Diesel- und Benzinervarianten und wird im Range Rover Velar in beiden Fällen als Mild-Hybrid (MHEV) mit 48-Volt-Bordnetz entweder als P400 oder D300 angeboten. 650 Nm Drehmoment leistet das Aggregat. Das reicht für üppige Fahrleistungen. Und als Fan des SDV8 darf man festhalten: Vom erhabenen Fahrgefühl geht nichts verloren. Egal ob akustisch oder hinsichtlich der Souveränität, mit der sich das immerhin mindestens 2.049 kg schwere SUV fortbewegen lässt.

Mit dem Reihensechser spurtet der Velar tatkräftig los und hat mit der altbewähten und geliebten ZF8HP-Achtgang-Wandlerautomatik einen hervorragenden Sparringpartner zur Kraftübertragung an die Seite gestellt bekommen. Der Motor spricht toll an, stellt sein bäriges Drehmoment früh zur Verfügung und gibt sich für einen Diesel überraschend drehfreudig. Kurz: Nach wie vor ist im Range Rover der Diesel eine hervorragende Motorwahl. Dank adaptivem Fahrwerk fährt der Velar zudem wahlweise sänftig komfortabel, geländig hochbeinig oder straff dynamisch. Dieser unfassbare Spagat, für den ich den Range Rover Sports bereits so liebe, gelingt auch dem Velar hervorragend. Im direkten Vergleich ist der Schwerpunkt Geländegängigkeit mit verringerter Bodenfreiheit und Wattiefe (580 statt 850mm im Range Rover Sport) vielleicht etwas weniger stark ausgeprägt, allein Form und Gestaltung ordnen den Velar aber ohnehin etwas weniger als Nutzfahrzeug im Gelände ein. Auf der Landstraße ist der Velar in jedem Fall ein Genuss.

Von der Business Class ins Auto

Der ohnehin schon sehr gute Geräuschkomfort, der vom sanft grummelnden Dieselmotor angenehm untermalt wird, wird im neuen Modelljahr durch eine aktive Geräuschunterdrückung in Verbindung mit dem Meridian-Soundsystem noch weiter optimiert. Das ANC, „Active Road Noise Cancelling“, funktioniert dabei ganz ähnlich, wie die Geräuschunterdrückung bekannter Noise-Cancelling-Kopfhörer von Bose, oder wie es sie auch auf Business Class Flügen gibt: Mikrofone erkennen Störgeräusche und Lautsprecher im Innenraum erzeugen ein Gegensignal mit entgegengesetzter Polarität. Dank des Effekts der destruktiven Interferenz heben sich die Schallwellen damit gegenseitig auf.

Darüber hinaus beglückt uns der Velar im neuesten Modelljahr mit einem aufgefrischten Innenraum und neuem Infotainment „Pivi“ beziehungsweise „Pivi Pro“. Das Infotainment unterteilt sich in zwei große, übereinander geordnete Touchscreens. Der obere ist konvex geformt und in der Neigung verstellbar. Er dient der Darstellung der eigentlichen Infotainment-Funktionen. Auf dem unteren Display lassen sich Klimatisierung, Sitzheizung-/Lüftung, Geländefunktionen und Fahrprogramme konfigurieren. Nach kurzer Eingewöhnung findet man sich schnell zurecht und das System weiß in Darstellung und Funktionen zu gefallen. Mit dem neuen Modelljahr hat Land Rover auch das Kamerapaket auf den neuesten Stand gebracht: Mittels rundum angebrachten Kameras ist eine 360°-Ansicht zum Rangieren nicht nur in der Vogelperspektive, sondern auch in einer frei wählbaren 3D-Perspektive nutzbar. Zusätzlich gibt es die „ClearSight Ground View“-Funktion, bei der die Frontkamera genutzt wird, um eine virtuelle Sicht durch die Motorhaube hindurch zu simulieren. Das hilft beim Bewegen im Gelände enorm, um vor der langen Motorhaube Hindernisse zu erkennen und gleichzeitig mithilfe der in die Ansicht projizierten Räder zielsicher durch engste Passagen zu navigieren.

Für Wohlfühlatmosphäre sorgt auch der Innenraum insgesamt: Aufgeräumtes, frisches Design, elegant, aber nicht verschnörkelt. Kombiniert wird das mit nachhaltigen Materialien aus recycelten Plastikflaschen, speziellen, beim Wachsen besonders wassersparsamen Eukalyptus-Fasern und Kunstleder oder Dinamica-Mikrofasern. Das spart nicht nur Kunststoff ein, es sieht auch noch richtig gut aus, fühlt sich gut an und man fühlt sich auf den Sitzen bestens aufgehoben.

Preis? Da geht noch was!

Auf Wunsch lässt sich der Velar natürlich üppig ausstatten, muss dann aber auch üppig bezahlt werden: Als D300 R-Dynamic geht es bei mindestens 72.375 Euro los. In der gefahrenen Ausstattungslinie SE stehen dann mindestens 82.212 Euro unter dem Strich. Dafür gibt es dann bereits 20-Zoll-Räder, Matrix-LED-Scheinwerfer, allerlei elektrischen Schnickschnack (automatisch anklappende und beheizbare Außenspiegel, elektrisch öffnende Heckklappe, 14-fach verstellbare Sitze), ein üppiges Fahrassistenzpaket mit 3D-Surroundkamera, Tempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und das große Pivi Pro Infotainment inklusive Meridian-Soundsystem. Ausgestattet mit fast allem, was die Preisliste sonst noch so hergibt, ist die 100.000er-Marke schnell geknackt.

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE Modelljahr 2021

Ist der Velar das Wert? Nun, in den Preisregionen ist sicher vieles nicht mehr objektiv zu rechtfertigen. Sicher ist aber: der Velar ist ein außergewöhnlich schönes und komfortables Luxus-SUV, das sowohl als komfortabler Langstreckengleiter und Genussmittel am Wochenende taugt. Nicht zuletzt dank des Motors. Dabei ist eine Empfehlung für einen Dieselmotor aus meiner Feder wirklich eine Seltenheit. Ich bin ein Fan von Ottomotoren, mag genauso den Schritt zur Elektromobilität. Mit dem Diesel hingegen, allen Effizienzvorteilen zum Trotz, wurde ich nie so recht warm. Mit wenigen Ausnahmen: Die erste Generation des Triturbo-Diesel im BMW M 550d konnte mein Herz gewinnen, ebenso wieder SDV8 im Range Rover Sport. Und für mich gilt: Auch dieser Reihensechserdiesel darf sich in den Reigen der Dieselmotoren gesellen, die ich nicht nur mag, sondern denen ich attestiere, das „Perfect Match“ für ein Fahrzeug zu sein, in diesem Fall, dem Velar.

Range Rover Velar D300 R-Dynamic SE Modelljahr 2021

Text: sb
Bilder: Susanne Arenz / Susagraphy Moments

Technische Daten

Range Rover Velar R-Dynamic SE D300 AWD

Vollständige Konfiguration/Ausstattung dieses Testwagen als PDF herunterladen:
Motor-Bauart:
D300 Ingenium 3.0 Liter 6-Zylinder-Turbodiesel MHEV
Hubraum:
2.996 cm³
Leistung:
221 kW / 301 PS bei 4.000 U/Min
Drehmoment:
650 Nm bei 1.500 – 2.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
230 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
6.5 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
k.A. L / k.A. L / 6.9 L Diesel
Grundpreis Range Rover Velar R-Dynamic SE D300 AWD:
72.375
Testfahrzeugpreis:
109.388
Leergewicht:
2.124 kg
Max. Zuladung:
661 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.797 mm / 2.041 mm / 1.678 mm

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Jaguar Land Rover nach Kronberg im Taunus eingeladen. Reisekosten und Verpflegung wurden von Jaguar Land Rover übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

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Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

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