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2 Wochen im Rallyechamp: Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

November 7, 2012 Fahrerlebnis 16 Kommentare

Mit dem Citroën DS3 Racing hatte ich im Frühjahr bereits ein kurzes Date. Ein sehr kurzes. Im Rahmen der Citroën Neuheiten Tage wollte ich dem kleinen Renner auf den Zahn fühlen, es blieb aus Zeitmangel aber nur ein wenige Minuten langer Stint. Dafür bekam ich nun von Citroën einen DS3 Racing gestellt, um ihn in zwei Wochen intensiv auszutesten. Aber nicht nur “irgendein” DS3 Racing. Ich bekam die streng limitierte Sonderedition zu Ehren des Rallye-Weltmeister-Serientäters Sébastien Loeb.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Eigentlich hätte ich ja Teile der auffälligen Beklebung des Citroën DS3 Racing abkratzen müssen. Ok.. das wäre vermutlich etwas radikal gewesen. Aber in der Zeit, als ich den matt-schwarzen/roten Renner aus Frankreich bewegen durfte, sackte Sébastien Loeb nämlich seinen neunten Weltmeistertitel ein – in Folge! Auf dem DS3 Racing hingegen prangte noch an allerlei Stellen eine große, schwarze “8” für 8 Weltmeistertitel. Nun denn, ich konnte mich zusammenreissen und der Spachtel blieb dem Auto fern – zu schade wäre es gewesen der wunderschönen Farbkombination an den Kragen zu gehen.

Understatement? Mir doch egal, wenn ein Auto SO aussieht!

Matt-schwarze Autos erlebten in letzter Zeit einen regelrechten Boom und ich muss zugeben, dass mir diese Nicht-Farbe inzwischen schon fast auf die Nerven ging. Und trotzdem, die Farbkombination des DS3 Racing in der S. Loeb Edition sieht einfach hervorragend aus. Eine mit matt-schwarzer Folie beklebte Karosserie, ein rotes Dach mit schwarzen Details (eine Zielflagge, die besagte Zahl 8 und und und) und ein roter Kühlergrill. Das passt einfach wunderbar, sieht sportlich und edel zugleich aus und ist ein echter Blickfang. Man mag es kaum glauben, aber so viele verdrehte Köpfe hatte ich mit einem Kleinwagen bisher selten beobachten können. Zudem ist am DS3 Racing in der S. Loeb Edition auch eine Menge Carbon verbaut. Kotflügel, Kotflügelverbreiterungen und andere Anbauteile sind aus echtem Carbon hergestellt und bilden einen tollen Akzent zum matt-schwarzen-Strukturlack und der roten Dachlackierung. Der Nachteil allerdings: dieses Sondermodell wünscht sich viel Liebe von seinem Besitzer, gewaschen wird nur mit Hand!

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Innen geht es mindestens ebenso außergewöhnlich wie extravagant weiter. Das Armaturenbrett ist rot lackiert und zieht damit einige Blicke durch die Fensterscheiben auf sich, wenn das Auto mal beim Supermarkt abgestellt wird. Überrascht war ich vor allem, weil ich erwartet hätte, dass mich das so lackierte Armaturenbrett häufig blenden wird. Hier kann ich aber Entwarnung geben. Interessant im Vergleich dazu wirken die klassisch eleganten Zeiger in Tacho und Drehzahlmesser. Um auch den sportlichen Anspruch wieder klar herauszustellen, ist die gesamte Mittelkonsole mit Carbon als Deckmaterial bebaut. Echtcarbon wohlgemerkt. Kurz ab: das Design ist einfach hervorragend gelungen. Das rote Armaturenbrett und das Carbon ist sicherlich dem ein oder anderen ein bisschen zu viel des Guten, aber es passt alles sehr gut zusammen. Sehr gut gefiel mir vor allem, dass man insbesondere auf dem Beifahrerplatz eine immense Beinfreiheit hat, weil das Armaturenbrett dort nur eine sehr geringe Tiefe vorweist.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Die Materialanmutung ist im Innenraum gut, nichts klappert, keine störenden Geräusche und alles fühlt sich auch beim “hinlangen” griffig an. Wenn man natürlich den Preis von 33.900 € in die Waagschale wirft, werden die Ansprüche an die Qualität – zumindest in meiner Vorstellung – auf ein äußerst hohes Niveau getrieben, welches der DS3 Racing nicht ganz halten kann. Wie gesagt, die Qualität ist aber dennoch gut und lässt eigentlich keine Wünsche offen. Den hohen Aufpreis zahlt man indes insbesondere für ein besonderes Maß an Exklusivität, welches dieser auf 200 Einheiten limitierte DS3 repräsentiert. Dennoch: auch das MyWay Navigationssystem, die Klimaautomatik und das mit einem Subwoofer versehene Audiosystem mit Bluetooth Freisprecheinrichtung machen einen guten Eindruck und lassen keine Wünsche offen. Die Klangabstimmung beim Soundsystem könnte durchaus besser sein, der mittlere Frequenzbereich geht stark unter, während insbesondere die Höhen ein wenig zu präsent sind, das Gesamtpaket geht aber in Ordnung.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Platz nimmt man im DS3 Racing auf feinen Alcantara-Sportsitzen mit Leder-Seitenwangen und roten Nähten. Die sehen nicht nur gut aus. Das deutlich rutschfestere Alcantara sichert auch einen guten Halt, denn die Sitze können ansonsten in Sachen Seitenhalt nicht gänzlich überzeugen. Dafür sitzt es sich aber verhältnismäßig bequem.

Fantastischer Motor – zu gut für’s Fahrwerk?

Aber kommen wir zum Kern der Sache: dem Fahren. Der Citroën DS3 Racing tritt mit 152 kW (207 PS) und einem maximalen Drehmoment von 275 NM an. Das sind ordentliche Leistungen für ein Auto, das nur knapp über 1,2 Tonnen wiegt. Und wie zu erwarten ist, können sich die Fahrleistungen sehen lassen. In 6.5 Sekunden spurtet der Franzose auf Landstraßentempo und erst bei 235 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Und wenn man überlegt, dass man bei knapp 240 km/h auf der Autobahn die ein oder andere Premiumlimousine von der linken Spur scheuchen kann – mit einem Kleinwagen! – schüttelt man doch manchmal leicht ungläubig den Kopf.

Aber geradeaus ist nun keine Herausforderung. Die Frage ist ja vor allem, wie sich eine solche Leistung einzig über die Vorderachse auf die Straße gebracht auch nutzen lässt? Und ja, an dieser Stelle wird es, wie zu erwarten, wieder schwierig. Die Kraft zerrt ungemein am Lenkrad und der Geradeauslauf lässt auf unebener Fahrbahn zu wünschen übrig. Und doch muss man sagen: ich habe es schon schlimmer erlebt. Trotzdem muss der DS3 Racing an dieser Stelle einige Federn lassen. Wett macht er das hingegen wieder mit seinem besonders direkten und tollen Einlenkverhalten. Von Untersteuern kann nämlich keine Rede sein. Der DS3 Racing rennt Lenkbefehlen hinterher, wie eine Katze dem roten Punkt des Laserpointers. Mit ausgeschaltetem ESP wird der Spaß noch größer: aus bedeutet hier wirklich “aus”. Die kurze Lenkübersetzung in Verbindung mit einer stark auf Vorspur optimierten Vorderachse, der um 30mm verbreiterterten Spurweite und dem bei solchen “Hot Hatches” typischerweise leichten Heck ermöglichen es, den DS3 Racing in Kurven zu schmeißen und immer wieder zu frohlocken, wenn damit Driftwinkel erreicht werden, die so manchen Hecktriebler blass werden lassen. Gegenlenken, rauf auf’s Gas und weiter gehts. Nächste Kurve: anbremsen, Zwischengas, runterschalten, leicht unter Zug den Scheitelpunkt anvisieren, Gas lupfen, kräftig nachlenken und schon positioniert sich der DS3 mit seinem willigen Heck optimal in Richtung Kurvenausgang und man kann wieder früh auf’s Gas.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Quer geht mehr!

Ja, der DS3 Racing lässt am kurveninneren Rad viel Leistung verpuffen. Das macht aber nichts, wenn man eben diese forsche Gangart nutzt und das Auto im Scheitelpunkt dank des willigen Heck bereits in die passende Fahrtrichtung parallel zum Kurvenausgang positioniert. Und dann macht der DS3 Racing einen Höllenspaß! Ohne Frage ist dieses Setup natürlich weit entfernt von dem, was man für ungeübte Fahrer unter “leichter Beherrschbarkeit” versteht. Wer keine Ahnung davon hat, was er tut, sollte tunlichst den Finger vom ESP Knopf lassen, will man nicht vom eigenen Heck überholt werden. Der ambitionierte Sportfahrer bekommt dagegen etwas für’s Herz geboten. Und durchaus, der DS3 Racing bringt die Leistung nicht so elegant und perfekt auf den Boden, wie manch andere Hot Hatches mit ausgeklügelter Vorderachskonstruktion, ja, sein Fahrwerk ist für manche Strecken schon zu straff und hart gefedert und kann damit nicht das volle Potential des Autos aussschöpfen. Dafür hat man aber ein unglaubliches spaßiges Paket, mit dem man – die richtige Fahrweise vorrausgesetzt – sehr viel Freude haben kann.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Auch der Motor passt sehr gut in dieses Bild, liefert ordentlich Vortrieb, klingt schön kernig sportlich. Lediglich wenn man das volle Drehzahlband ausschöpft, schnell schaltet und im nächsten Gang wieder voll auf dem Gas steht, macht sich ein kurzes Turboloch bemerkbar, wenn der vehemente Vortrieb im nächsten Gang zuerst schwächer weiter geht. Niedrige Verbräuche hat man natürlich nicht zu erwarten, mit 9.3 Litern über die 2.206 Testkilometer verteilt, schlug sich der DS3 Racing aber gar nicht mal so schlecht.

Fazit

Der Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition hatte durchaus einen schweren Stand, als er in meine Garage einzog: aber warum? Ich ging durchaus skeptisch an die Sache ran, weil ich mich zu oft von sportlichen Fronttrieblern enttäuscht sah. Heftiges Torque-Steering, Schlupf ohne Ende am kurveninneren Rad, unausgegorene Fahrwerke und nicht abschaltbares ESP. All diese Dinge haben mir oft den Spaß an vermeintlich guten Fronttrieblern getrübt. Aber der DS3 Racing macht vieles davon besser. Ja, auch er hat mit der Leistung an der Vorderachse zu kämpfen und ich war die ersten Kilometer versucht, ihn für einen Blender zu halten. Nachdem man aber erst einmal das Vertrauen ins Auto gewonnen hat und weiß, wie man den DS3 Racing fahren muss, zementiert sich allmählich ein Grinsen im Gesicht, dass nur schwerlich wieder wegzubekommen ist. Insbesondere dann, wenn man das ESP gänzlich abschaltet und den DS3 immer wieder quer in Richtung Kurvenscheitelpunkt wirft. Dazu das unverwechselbare Äußere und der Spaß ist perfekt. Lange Autobahn-Etappen? Sind auch machbar! Wie er sich auf der Rennstrecke schlägt? Das wäre nun noch das i-Tüpfelchen für mich gewesen, auch das herauszufinden. Aber die Begeisterung dafür dürfte sich beim Autohersteller, der Testwagen zur Verfügung stellt sicherlich in Grenzen halten ;) Wie auch immer: ob einem dieser Spaß nun 33.900 Euro Wert ist? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. In der Performance tut es ein “normaler” DS3 Racing, wie ihn etwa Marco oder Jens hatten sicherlich auch. Aber sind wir mal ehrlich: der DS3 Racing in der S. Loeb Edition sieht einfach heiss aus und ist einfach eine ganze Stufe “cooler” – was bin ich gerne in den kleinen Renner eingestiegen.Punkt aus, Ende!

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Worin er besticht

Die unverwechselbare Optik ist einfach fantastisch. Manchen mag es zuviel sein, Understatement sieht sowieso anders aus, aber der DS3 Racing S. Loeb fällt damit so richtig auf und leisten darf er es sich auch, denn die Performance stimmt ebenso. Auch die tollen 18-Zöller passen super ins Bild. Kurzum: er sieht großartig aus!

Worin er nicht überzeugt

Die Leistungsübertragung könnte deutlich besser sein. Der hervorragende Motor hängt bissig am Gas und das Fahrwerk ist zwar sehr straff aber sehr gut abgestimmt. Dazu die konsequent auf Sportlichkeit abgestimmte Spureinstellung – das alles sind eigentlich beste Anlagen, welche leider dadurch gemindert werden, dass viel Leistung beim Herausbeschleunigen verpufft.

Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition

Technische Daten

Citroën DS3 Racing Sébastien Loeb Edition

Motor Bauart:
Vierzylinder Otto-Turbomotor
Hubraum:
1.598 cm³
Leistung:
152 kW / 207 PS bei 6.000 U/Min
Drehmoment:
275 NM bei 2.000 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
235 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h):
6,5 Sekunden
Verbrauch städtisch / außerstädtisch / kombiniert:
8,7 l / 4,9 l / 6,4 l SuperPlus
Grundpreis Citroën DS3 Racing S. Loeb Edition:
33.900 €
Testwagenpreis:
33.900 €
Testverbrauch:
9,3 Liter / 100 km über 2.206 km
Leergewicht:
1.240 kg
Max. Zuladung:
432 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
3,962 m / 1,717 m / 1,443 m

Weiterführende Links

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Disclosure zur Transparenz

Das Fahrzeug wurde mir freundlicherweise von Citroen Deutschland für den Test zur Verfügung gestellt. Der Test erfolgte unabhängig. Es wurde zu keiner Zeit versucht auf meine freie Meinungsbildung Einfluss zu nehmen und meine persönliche Meinung ist und bleibt meine Meinung, welche in keinster Weise durch Dritte beeinflusst wurde.


Über den Autor -

Seit dem Kindesalter drehte sich für mich immer alles um Autos. Ob ich als Kleinkind mit offenem Mund auf der Straße stehen blieb, wenn ein Ferrari 355 an mir vorbeigefahren ist, ob ich als Teenager am PC eine Rennsimulation nach der anderen bis in die Nächte hinein gezockt haben oder ob ich mir als glücklicher Führerscheinbesitzer keine Möglichkeit entgehen lassen konnte, jedes Auto zu fahren, das mir in die Hände fiel. Meinen Smart Roadster habe ich - wie man so als Informatiker eben tickt - begonnen zu debuggen und ein eigene Softwaremodifikationen dafür zu bauen. Auf der Rennstrecke und mit kleinem Engagement im Motorsport wurde nicht nur der, sondern auch sein Nachfolger - ein Renault Megane RS TCe250 - gerne und häufig gequält. Inzwischen muss ein Lotus Elise herhalten, während ich immer noch jede Möglichkeit wahrnehme, um jedes erdenkliche Auto zu fahren - und hier darüber zu bloggen.