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Es tut sich was, an deutschen Rennstrecken

Juli 20, 2012 Motorsport, Passion 3 Kommentare

Ja, es tut sich was bei den deutschen Rennstrecken. Positiv. Aber leider auch negativ. Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an: diese dürfte wohl kaum einer in den letzten Tagen überhört haben können – trotz Neckermann-Pleite oder Spaniens Bankenrettung. Denn, der Nürburgring ist pleite – genauer gesagt, die Betreibergesellschaft, die Nürburgring GmbH.




Von Schimmel, Investoren und findigen Hoteliers

Wie es dazu kommen konnte? Das ist eine lange Geschichte. Aber ich versuche es mal knapp zusammenzufassen. Da gab es zwei Herren, namentlich Lindner und Richter, die dem Land Rheinland-Pfalz verklickern konnten, dass der Bau einer Achterbahn (die nie in Betrieb ging) und eines Vergnügungsparkes (den niemand besucht hat) und dem Aufbau einer Erlebnis- und Themen-Gastronomie (die blöderweise völlig verschimmelt – nicht sprichwörtlich) ganz urplötzlich die Besuchermassen in Strömen in die Eifel bringen wird – außerhalb der Saison. Klingt ja völlig plausibel. Familien werden sich mir nichts dir nichts im Winter aufmachen, um in den tiefsten Eifel-Outback an die entlegene Nordschleife zu fahren – an der weder etwas los ist, noch kann sie befahren werden – um dort durch ein Museum zu schlendern oder … ach keine Ahnung, was man da sonst noch machen kann. Jedenfalls kamen die beiden Herren dann noch mit einem windigen Investor um die Ecke (den es dann nicht gab) und so musste das Land Rheinland-Pfalz letztlich selbst auf den 330 Millionen Euro für den Freizeitpark (den niemand will) sitzenbleiben.

Monopole powered by BRD

Aber damit nicht genug. Der gute Herr Lindner – der selbst mit den Lindner Hotels eine große Hotelkette besitzt (hab gehört, Hoteliers sind perfekte Rennstreckenbetreiber) – hat natürlich seine eigenen Hotels an den Ring bauen lassen. Und weil die ja teuer sind und die Industrie, Rennteams und andere Leute sonst zur billigen Konkurrenz gehen würden, soll es vorgekommen sein, dass Verträge zur Nutzung der Strecke nur dann zustande kamen, wenn die Mannschaft dafür in den Lindner-Hotels untergebracht wird. Diese ach so tolle Förderung der strukturschwachen Region diente also eher dazu, ein Monopol aufzubauen und die ansässigen Unternehmer aus dem Geschäft zu drängen.

Aber die beiden Herren wollten sich ja noch ein wenig mehr mit den Staatsgeldern dazuverdienen. Was macht man also, wenn das ganze Geld in eine GmbH fließt, die dem Staat gehört und wo man nicht so einfach Geld abzapfen kann? Richtig, man gründet eigene Unternehmen, die sich um alles kümmern, in die dann das staatliche Geld der GmbH und alle sonstigen Einnahmen abfließen. Z.B. gründet man eine GmbH für die „ring°card“, an die die Nürgburgring GmbH fleißig zahlt. Praktisch oder?

Nun gut – genug geflucht. Letztlich ärgert mich das Thema vor allem deshalb so sehr, weil es natürlich um eine der aufregendsten Rennstrecken der Welt geht. Aber auch, weil nun alle ganz frech behaupten, die alleinige Schuld läge bei der EU, die sich wegen der Finanzbeihilfe zuviel Zeit lassen würde. Man hätte hier schon vor 3 Jahren Reissleine ziehen müssen und der gute Kurt Beck hätte nicht vor 6 Monaten immer noch träumen müssen, das Konzept sei tragfähig…

Good News: am Bilster Berg geht es voran!

Aber um auch etwas positives zu Rennstrecken zu vermelden: der Bilster Berg hat nämlich einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Die Betreiber haben starke Zugeständnisse in Sachen Lärmschutz gemacht. Damit ist der wesentliche Kritikpunkt weitestgehend aus der Welt geschafft, der derzeit verhindert, dass der Bilster Berg eine Betriebsgenehmigung bekommt. Ich kann nur hoffen, dass das dann auch so klappen wird. Respekt in jedem Fall vor den Leuten, die das Projekt realisieren. Denn, man darf nicht vergessen: das gesamte Projekt wird aus privater Hand finanziert. Insofern freut es mich, dass Bewegung in die Sache kommt – hoffen wir, dass es so bleibt!