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Ja, es tut sich was bei den deutschen Rennstrecken. Positiv. Aber leider auch negativ. Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an: diese dürfte wohl kaum einer in den letzten Tagen überhört haben können – trotz Neckermann-Pleite oder Spaniens Bankenrettung. Denn, der Nürburgring ist pleite – genauer gesagt, die Betreibergesellschaft, die Nürburgring GmbH.

Von Schimmel, Investoren und findigen Hoteliers

Wie es dazu kommen konnte? Das ist eine lange Geschichte. Aber ich versuche es mal knapp zusammenzufassen. Da gab es zwei Herren, namentlich Lindner und Richter, die dem Land Rheinland-Pfalz verklickern konnten, dass der Bau einer Achterbahn (die nie in Betrieb ging) und eines Vergnügungsparkes (den niemand besucht hat) und dem Aufbau einer Erlebnis- und Themen-Gastronomie (die blöderweise völlig verschimmelt – nicht sprichwörtlich) ganz urplötzlich die Besuchermassen in Strömen in die Eifel bringen wird – außerhalb der Saison. Klingt ja völlig plausibel. Familien werden sich mir nichts dir nichts im Winter aufmachen, um in den tiefsten Eifel-Outback an die entlegene Nordschleife zu fahren – an der weder etwas los ist, noch kann sie befahren werden – um dort durch ein Museum zu schlendern oder … ach keine Ahnung, was man da sonst noch machen kann. Jedenfalls kamen die beiden Herren dann noch mit einem windigen Investor um die Ecke (den es dann nicht gab) und so musste das Land Rheinland-Pfalz letztlich selbst auf den 330 Millionen Euro für den Freizeitpark (den niemand will) sitzenbleiben.

Monopole powered by BRD

Aber damit nicht genug. Der gute Herr Lindner – der selbst mit den Lindner Hotels eine große Hotelkette besitzt (hab gehört, Hoteliers sind perfekte Rennstreckenbetreiber) – hat natürlich seine eigenen Hotels an den Ring bauen lassen. Und weil die ja teuer sind und die Industrie, Rennteams und andere Leute sonst zur billigen Konkurrenz gehen würden, soll es vorgekommen sein, dass Verträge zur Nutzung der Strecke nur dann zustande kamen, wenn die Mannschaft dafür in den Lindner-Hotels untergebracht wird. Diese ach so tolle Förderung der strukturschwachen Region diente also eher dazu, ein Monopol aufzubauen und die ansässigen Unternehmer aus dem Geschäft zu drängen.

Aber die beiden Herren wollten sich ja noch ein wenig mehr mit den Staatsgeldern dazuverdienen. Was macht man also, wenn das ganze Geld in eine GmbH fließt, die dem Staat gehört und wo man nicht so einfach Geld abzapfen kann? Richtig, man gründet eigene Unternehmen, die sich um alles kümmern, in die dann das staatliche Geld der GmbH und alle sonstigen Einnahmen abfließen. Z.B. gründet man eine GmbH für die „ring°card“, an die die Nürgburgring GmbH fleißig zahlt. Praktisch oder?

Nun gut – genug geflucht. Letztlich ärgert mich das Thema vor allem deshalb so sehr, weil es natürlich um eine der aufregendsten Rennstrecken der Welt geht. Aber auch, weil nun alle ganz frech behaupten, die alleinige Schuld läge bei der EU, die sich wegen der Finanzbeihilfe zuviel Zeit lassen würde. Man hätte hier schon vor 3 Jahren Reissleine ziehen müssen und der gute Kurt Beck hätte nicht vor 6 Monaten immer noch träumen müssen, das Konzept sei tragfähig…

Good News: am Bilster Berg geht es voran!

Aber um auch etwas positives zu Rennstrecken zu vermelden: der Bilster Berg hat nämlich einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Die Betreiber haben starke Zugeständnisse in Sachen Lärmschutz gemacht. Damit ist der wesentliche Kritikpunkt weitestgehend aus der Welt geschafft, der derzeit verhindert, dass der Bilster Berg eine Betriebsgenehmigung bekommt. Ich kann nur hoffen, dass das dann auch so klappen wird. Respekt in jedem Fall vor den Leuten, die das Projekt realisieren. Denn, man darf nicht vergessen: das gesamte Projekt wird aus privater Hand finanziert. Insofern freut es mich, dass Bewegung in die Sache kommt – hoffen wir, dass es so bleibt!


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Sebastian
Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

3 Kommentare

  1. Naja, ich denke ohne die Querelen hätte man tatsächlich was interessantes auf die Beine stellen können – für die Sommermonate. Im Winter wäre damit immer noch tote Hose gewesen, logisch. Ich war damals in der Nürburgring Erlebniswelt (bevor rumgebaut wurde) und die war eigentlich gut besucht und toll gemacht. Von daher fand ich einen Ausbau davon ziemlich logisch.
    Dumm gelaufen ist natürlich, dass man dann auf windige Financiers reingefallen ist, was ja aber auch kein Einzelfall ist, und dafür ist ja dann auch ein bedeutender Kopf in Rh-Pf gerollt in Form des Finanzministers.
    Insgesamt bin ich der Meinung, dass der Freizeitpark, würde dann diese komische Achterbahn usw. mal funktionieren, durchaus Leute angezogen hätte. Wären die Querelen darum nicht gewesen.
    Und die EU, ja … irgendwo ärgert mich da auch der Fakt, dass für Banken und bankrotte Länder ohne Umschweife haufenweise Geld lockergemacht wird. Warum geht das nicht auch in solchen Situationen?

    • Sebastian

      Die Sommermonate sind ja nicht das Problem. Die Nordschleife an sich ist hochprofitabel, alleine dank der Touristenfahren, Industriepool und und und.

      Man bekommt aber niemals ein solche Konzept auf die Wintermonate ausgeweitet – zumindest nicht in einer Region die so eine schlechte Lage hat – kann ich mir zumindest einfach nicht vorstellen. Dafür ist es dann doch zu wenig, was geboten wird (selbst wenn die Achterbahn ginge – aber wer will schon bei -5° mit 150 km/h im freien unterwegs sein).

      Und die EU.. naja, sein wir ganz ehrlich: jedes weitere Geld, das dorthingehen würde, wäre nach wie vor (wie auch vor 3 Jahren schon) komplett verbranntes Geld – das Konzept ist einfach nicht tragfähig. Insofern eigentlich das einzig richtige, es wurden ja immerhin schon 330 Millionen Steuergelder verbrannt, da muss da nicht noch mehr reingepumpt werden.

      Die Strecke und den Freizeitpark trennen, damit die Einnahmen der Strecke nicht einen verlustträchtigen Freizeitpark finanzieren müssen. Letztlich ist das ja einer der Hauptpunkte, warum die Preise für Touristenfahrten und Amateur- und Breitensport (VLN, RCN usw) in den letzten Jahren da so explodiert sind. Will man mit der profitablen Nordschleife einen nicht tragfähigen Freizeitpark weiterfinanzieren, wird in mittelfristiger Zukunft auch der Breitensport auf der Nordschleife sterben.

  2. Es ist einfach immer das selbe, Vetternwirtschaft und Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus.
    Es gibt kein Projekt in der Größenordnung bei dem es nicht so abläuft. Der einzige Unterschied liegt hier wohl im Ausmaß der Gier 😉

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