passion:driving

Autoverkauf im Netz, oder: das Dilemma der Auto-Verkäufer

August 1, 2012 Aus dem Leben eines Enthusiasten 7 Kommentare

Momentan geistert ja ein Thema durch’s Netz, welches sich damit befasst, dass ein bayrischer Automobilhersteller in Zukunft Autos im Internet verkaufen will. Das Thema hat mich ehrlich gesagt nicht groß tangiert, weil ich es eher für eine Marketingnummer halte. Jan ist allerdings etwas mehr auf das Thema eingegangen und spricht über seine Gedanken, warum er sich nicht vorstellen kann, dass das funktioniert.

„Sicherlich ist die Beratungsleistung der Autohäuser zurück gegangen. Aber der entscheidende Punkt ist doch, dass man auf einer Webseite keinen Rabatt aushandeln kann.“

Auch wenn ich mich fast dagegen sträube – tatsächlich sehe ich es ähnlich, die meisten Auto-Verkäufer sind „nur noch“ Rabattverhandler. Aus meiner Erfahrung beim Neuwagenkauf vor einem Jahr habe ich aber auch ein paar Eindrücke gewonnen, warum das so ist. Dank des Internet stellen sich immer mehr Menschen ihr Auto online im Konfigurator zusammen – so natürlich auch ich.

BMW i8




Ich bin aber natürlich nicht einfach zu den Händlern gefahren, habe die Konfiguration auf den Tisch geknallt. Ich habe wirklich versucht, einen Dialog entstehen zu lassen und den Verkäufer aus der Reserve zu locken. Meistens lief es aber darauf hinaus, dass viele Verkäufer mit einem gefährlichen Halbwissen um sich geworfen haben oder mir Sonderausstattung aufdrücken wollten, die ich nicht brauche. Versteht mich nicht falsch, sie wollen und müssen verkaufen. Aber wenn ich mich bei einem Autohaus nach einem recht konsequent sportlichen Auto erkundige, davon spreche, dass ich ein Auto suche, an dem ich nichts ändern muss, höchstens Semis drauf und ab damit auf die Rennstrecke, bei dem ich extra ein CUP-Paket mit spezieller Bremsanlage und anderem Fahrwerkssetup wünsche, bei dem ich extra Recaro-Schalensitze dazu ordere, dann kann sich der gute Mann auf der anderen Seite des Tisches ausmalen, dass er seinem möglichen Kunden nicht versuchen muss eine Sitzheizung aufzudrücken.

Aber dann wäre da noch der andere Punkt: in nicht einem einzigen Autohaus wollte mir man meine Konfiguration so bauen können, wie ich sie zusammengestellt hatte. „Geht nicht, nicht kompatibel“ hieß es immer und immer wieder. Mit der Folge, dass ich den guten Verkäufern erst einmal erklären musste, dass sie Paket X abwählen müssen, weil Feature A ja darüber mitkommt, dafür muss Paket Y angewählt werden und dann kann man auch Feature B nehmen.. Es kann doch nicht sein, dass ich als Kunde entweder einen Nachteil daraus ziehe, weil mir fest überzeugt erklärt wird, diese Kombination ist nicht möglich, bzw ich den Verkäufer darin schulen muss, wie er sein Bestellsystem zu bedienen hat?!

Kurzum: mein Vertrauen in Autoverkäufer ist mit dieser Erfahrung auf ein geringstmögliches Maß zusammengeschrumpft. Ein gutes Autohaus gab es letztlich, das zwar auch die „Konfig-Prüfung“ nicht bestand, aber sonst immerhin eine gewisse Vertrauensbasis aufbauen konnte. Um wieder zurückzukommen: ich glaube in heutigen Zeiten und vielleicht auch in jüngeren Generationen wie meiner, zählt die langjährige Bindung zum Autohaus kaum noch, weil man sie selber noch nicht gut kennengelernt hat. Das heißt für die Autohäuser, dass die sich sehr viel Gedanken machen sollten, wie sie in diesen Zeiten ihre Neukunden und junge Menschen wirklich noch gebunden kriegen. Sofern Rabatte bei Auto-Onlinebestellungen noch nicht zu machen sind, wird man wohl oder übel zum Händler rennen müssen.