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Wenn anerkannte Motor-Journalisten hinwerfen – wegen Bloggern?!

August 19, 2012 Aus dem Leben eines Enthusiasten 9 Kommentare

Kennt ihr das Gefühl, wenn eine Person, vor der ihr große Achtung habt, sich einen so groben Schnitzer erlaubt, dass ihr nur noch denkt „was zum…?!“. So ist es mir heute geschehen, als ich die gestern frisch eingetroffene Sport Auto – übrigens das einzige Stück tote Holz, das zu mir im Abo kommt – durchgeblättert habe. Und meine Feststellung ist die folgende: Irgendwie ist es seltsam, dass wir Auto-Blogger in der Wahrnehmung schon so weit gediehen sind, dass angesehene Motorjournalisten uns als Ausrede nutzen, um hinzuwerfen.

Anja Wassertheurer, langjährige Redakteurin der Sport Auto, schließt mit dem Print ab und wechselt in die Industrie. Zum Abschied verfasste sie das Editorial und schreibt dort:

„Wo jeder Blogger publizistisch tätig werden kann und Informationen eine Halbwertszeit von wenigen Stunden oder Tagen haben, sinkt die Qualität und letztlich damit auch das Ansehen gut ausgebildeter Schreiber.“ – Zitat: Anja Wassertheurer, Sport Auto Editorial Ausgabe 09/12

Sie wirft also nach 16 Jahren hin, wegen der bösen Blogger und ihrer schlechten Qualität. Eigentlich sehr schade, habe ich doch auch ihre Arbeit sehr geschätzt und ihre Artikel gerne gelesen. Warum aber sollen wir Blogger daran schuld sein? Hervorragende Uhrmacher werfen doch auch nicht hin, weil andernorts Uhren als Massenware von Maschinen produziert werden. Das von Anja Wassertheurer zum Abschied verfasste Editorial lässt aber noch mehr seltsame Dinge aufkommen.




„Die Medienwelt hat der digitale Trend längst erfasst.“ – Zitat Sport Auto Editorial 09/12

Dieser Satz liest sich, als wäre der digitale Trend eine Seuche, die über die gesamte Medienwelt herfällt – gibt sicher auch Aufschluss über das dort verwurzelte Selbstbild. Würde der Satz aber lauten: „Die Medienwelt hat den digitalen Trend längst erfasst“, müssten Print-Magazine nicht das Internet verteufeln, sondern hätten verstanden, es für sich zu nutzen.

„Print is dead – mit diesem Wahlspruch selbst ernannter Mediengurus beginnt inzwischen so manche Fachtagung. Wie sich Print-Redakteure dabei fühlen, sei einmal dahingestellt.“ – Zitat Sport Auto Editorial 09/12

Hier bezieht sie sich wohl auf Treffen, wie der re:publica und kritisiert, dass ganz allgemein gesprochen und damit „Gefühle verletzt werden“. Nett aber, dass sie direkt davor ganz allgemein alle Blogger als Schreiberlinge schlechter Qualität bezeichnet. Ohne sich Gedanken zu machen, wie sich Blogger dabei wohl fühlen. Vorwurf vs Vorwurf, ohne sich an eigenen Maßstäben zu messen.

Tatsächlich schade, habe ich sie und ihre Schreibe doch sehr geschätzt und ihre Artikel in der Sport Auto liebend gerne gelesen. Gerade die Sport Auto geht meiner Meinung nach den richtigen Weg und hat mit ihrem „Facelift“ Anfang des Jahres erkannt, was Online-Medien wie Blogs ausmacht: persönliche, subjektive Meinungen, Empfindungen, mit den Testfahrzeugen erlebtes und und und. Und genau darauf ging man bei Sport Auto ein und hat einiges davon in die eigenen Artikel übernommen, was mir persönlich sehr gut gefällt. Und ein etabliertes Fachmagazin, wie die Sport Auto, wird meiner Meinung nach niemals um seine Existenz fürchten müssen. Von einem journalistischen Prekariat, wie es Frau Wassertheurer versucht herbeizureden, kann keine Rede sein. Liebe Sport Auto, macht weiter so! Liebe Anja Wassertheurer, viel Erfolg im neuen Job in der Industrie – und das mit der Verteufelung der Online-Schreiberlinge und des Internet im Ganzen üben wir noch einmal – dann vielleicht auch ohne plumpe Verallgemeinerungen. Immerhin: danke für die anerkennende Wahrnehmung.

Bjoern hat unter dem Titel „Schuld sind immer die anderen“ auch etwas zu dem Thema geschrieben: http://mein-auto-blog.de/blogger-print-sport-auto-anja-wassertheurer/