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Routes of Passion: das Hahntennjoch in Österreich

April 17, 2014 Routes of Passion 21 Kommentare

Mit „Routes of Passion“ möchte ich euch eine neue Serie hier im Blog vorstellen. Sie soll genau das sein, was der Name schon verspricht: eine Vorstellung der schönsten Straßen, der leidenschaftlichsten Routen, die mir als Autofahrer so begegnen. Und ich werde euch nicht einfach nur Touren vorstellen, die ich im Internet gefunden habe, sondern ich werde euch ausschließlich Routen vorstellen, welche ich selbst gefahren bin und euch mit den notwendigen Tipps und Informationen versorgen, was ihr zum Befahren wissen müsst. Und soweit möglich, versuche ich zu jeder Routenvorstellung auch ein Video der Strecke beizufügen. Den Start macht heute das Hahntennjoch in Österreich.




Gelegen in Nordtirol, genauer in den Lechtaler Alpen, schmiegt sich das Hahntennjoch eng an die Berge und bildet eine Verbindung zwischen dem Lechtal und dem oberen Inntal. Je nach Angabe liegt die Passhöhe zwischen 1894 und 1909 Metern, ist damit also nur ein Nahe-Zweitausender Pass. Aber genau hier liegt die Besonderheit. Denn für einen Pass unterhalb der 2.000 Meter bietet das Hahntennjoch eine außergewöhnlich schroffe und skurrile Landschaft.

Insbesondere die wenigen Kilometer vor und nach der Passhöhe gehören landschaftlich zu einem höchst außergewöhnlichen Anblick. Insbesondere der Scharnitzsattel und der Maldonkopf sind die beiden Berge, welche die Route prägen. Loses Geröll, steile Felsen, ein schier unendlicher Blick gen Himmel, der sich vor einem auftut, blickt man von der Straße den Berg hinauf.

Auf der anderen Seite der Straße liegt ein langes Tal, welches mit seinen grünen Wiesen und den Bächen einen ungewöhnlichen Kontrast zur schroffen Gegenseite bildet. Die schroffen Felsen und Berge auf der Südseite des Jochs machen auch gleichzeitig eine der großen Gefahren aus: Murgang, Geröll, Steinschlag. Mit all dem muss man beim überfahren des Hahntennjoch stets rechnen. Insbesondere auf der engen Südostseite des Passes, die von alten Holzstämmen als Leitplankenersatz begrenzt wird. Seit 2004 gibt es daher auch ein automatisches Warnsystem, welches beim Abgängen von den Bergen automatisch die Straße sperrt. Sich an diese Sperre zu halten ist im Interesse der eigenen Gesundheit ein mehr als nur gut gemeinter Rat.

Seine Reise ans Hahntennjoch beginnt man am besten in der Ortschaft Elmen. Man könnte ebenso gut auch im auf der Südostseite gelegenen Imst starten (so wie es im Video zu sehen ist), aber meine Erfahrung nach einigen Auf- und Abfahrten in beiden Richtungen ist: von Nordwesten kommend ist das Hahntennjoch einfach besser. Die Landschaft entwickelt sich nach und nach, man hat die deutlich spektakuläreren Aussichten vor sich, welche man sonst nur durch den Rückspiegel betrachten könnte und auch die Kurvenentwicklung der Straße steigert sich so immer und immer mehr.

Von Elmen aus geht es über die L266 hinauf ins Gebirge. Die Straße verbiegt sich bereits hier in wilde Links-Rechts-Kombinationen und 2 kleinen Serpentinen. Der fließende Wechsel zwischen den Kurven und die überwiegend gute Einsicht in den weiteren Streckenverlauf sorgen bereits hier für eine wohlige Mischung aus Adrenalin und Endorphinen. Nach einigen Kilometern, nachdem man die Ortschaft „Bschlabs“ durchfahren hat, erreicht man eine kleine Hütte auf der linken Seite an einer Kreuzung gelegen. Hier steht das verheissungsvolle Schild „Hahntennjoch“.

Hinauf durch saftige Wiesen zieht sich die Straße Kehre um Kehre den Berg hinauf. Die Straße ist nicht sonderlich weit und an Wochenenden kommen einem hier schon mal große Fahrzeuge mit Anhängern entgegen, in entgegengesetzter Richtung kann sich der Verkehr hinter einer nicht einsehbaren Kurve schon mal schlagartig bis zur nächsten Kehre stauen – man sollte also mehr als nur aufmerksam sein. Kurz nach dieser ersten Aufwärmrunde erreicht man die Ortschaft Pfafflar – ab hier beginnt dann der eigentliche Teil des Hahntennjoch.

Hahntennjoch

Recht plötzlich wird die Landschaft immer rauher, schroffer, die Bäume verschwinden aus dem Sichtfeld, während sich die Straße dann am Berg entlangschlängt, immer mit einem flüssig zu fahrenden Streckenverlauf. Oben an der Passhöhe angekommen genießt man nicht die typische freie Rundumsicht anderer Pässe, hat dafür aber einen wunderbaren Blick auf das umliegende Gebierge und das Tal. Eine Wanderung zur Anhalter Hütte auf über 2.000 Metern kann man von hier aus in gut 1 1/2 Stunden machen. Für mich würde das bedeuten, dass bis dahin Motor und Bremsen wieder ausgekühlt sind. Keine Option, also wieder hinein ins Auto.

Die Abfahrt vom Hahntennjoch bedeutet vor allem eines: spektakuläre Landschaft und enge Kurven. Ab hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Vor dem Fahrer tut sich eine teils mondähnliche Landschaft auf, wenige Kilometer kann man eine wunderbare Aussicht genießen, bevor sich die Straße dann wieder eng an die Felswand zur Rechten wirft. Hier wird es eng und tricky. Wer sein Tempo falsch einschätzt, landet schnell in der Felswand, die Aussicht zur Linken hinunter ins tiefe Tal ist aber grandios. Langsam fügt sich die Straße wieder in gewohnte Ansichten, man erreicht wieder den Wald. Mit langgezogenen Kurven und einem seichten Streckenverlauf klingt das Hahntennjoch aus, bevor man dann nach Imst hineinrollt. Unbedingt auf das Tempo achten, hier gibt es viele Kontrollen! In Imst angekommen, lohnt sich ein Besuch im Hotel „Zum Hirschen“ auf eine Portion Kaiserschmarrn oder Käsespätzle, bevor man seine Route dann fortsetzt.

Hotel Hirschen in Imst

Meine Empfehlungen für die Strecken drumherum: die Anfahrt zum Hahntennjoch lässt sich über den Ammersattel und den Namlospass bewerkstelligen. Man umgeht damit den Fernpass und genießt landschaftlich einige der spektakulärsten Aussichten, die sich im grenznahen Gebiet finden lassen. Gleiches gilt, sollte man von Imst aus starten. Von Imst aus empfiehlt sich eine Weiterfahrt in Richtung Kühtai oder ins Ötztal in Richtung Timmelsjoch.

Weiterführende Links

Text: sb
Fotos: flickr/soirsz, Bjoern Habegger

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