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Hyundai stellte kürzlich den neuen Ioniq 5 vor. Ein tolles und äußerst spannendes Elektroauto, das aktuell wohl zu den interessantesten Vertretern seiner Gattung gehören dürfte. Über das Auto selbst möchte ich gar nicht so viele Worte verlieren, der geschätzte Christoph Schwarzer hat bei heise/Autos bereits alles geschrieben, was es über den Ioniq 5 derzeit zu wissen gibt. Ich möchte vor allem auf eine Frage eingehen, die ich in den Forumsdiskussionen sehr häufig angetroffen habe: Lohnt sich das optional von Hyundai angebotene Solarpanel auf dem Dach des Ioniq 5? Zeit für ein paar Rechenspiele.

Solarpanel auf dem Dach des Hyundai Ioniq 5
Solarpanel auf dem Dach des Hyundai Ioniq 5

Vorab sei natürlich erwähnt, dass diese Berechnungen grundsätzlich vereinfacht sind. Wir kennen weder den exakten Wirkungsgrad des Solarpanels, noch dessen Veränderlichkeit abhängig von Temperatur und anderen Faktoren. Was wir aber kennen, sind die Zahlen, die Hyundai dafür nennt: 1.290 Euro kostet das Solardach auf dem Ioniq 5 und es soll eine Leistung von 205 Watt liefern. Hyundai sagt, das reiche für bis zu 2.000 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Jahr. Doch unter welchen Rahmenbedingungen? Bei Herstellerangaben liegt die Vermutung nahe, dass eher marketinglastige Aussagen ein sonnig-kalifornisches Jahr implizieren. Wir wissen es also nicht, werden aber im Zuge unserer rechnerischen Annäherung auch hierfür ein besseres Gefühl bekommen.

Rechenspiel 1: Wie viel Sonne braucht der Ioniq 5 für 2.000 Kilometer Reichweite?

Gehen wir also unsere ersten Schritte, indem wir versuchen herauszufinden, wie lange ein Ioniq 5 für diese 2.000 Kilometer zusätzliche Reichweite in der Sonne stehen (oder fahren) müsste. Wie erwähnt, gibt Hyundai eine Leistung von 205 Watt für das Solarmodul an. Um eine Kilowattstunde zu erzeugen, müsste das Auto also grob 5 Stunden in der Sonne stehen.

Für den nächsten Rechenschritt benötigen wir einen Durchschnittsverbrauch. Da die Homologation des Ioniq 5 noch nicht abgeschlossen ist, macht Hyundai derzeit noch keine Angaben. Die Elektroautos von Hyundai/Kia fielen bisher vor allem durch ihre Effizienz und den niedrigen Verbrauch auf. Ein Schnitt von 14-15 kWh auf 100 Kilometer ist im „alten“ Ioniq problemlos zu schaffen. Da der Ioniq 5 größer, schwerer und technisch aufwändiger ist, darf man von einem höheren Verbrauch ausgehen. Auf der britischen Hyundai-Website werden bis zu 460 km Reichweite angegeben. Mit der angegebenen Batteriekapazität von 72,6 kWh ergäbe sich daraus ein Durchschnittsverbrauch von rund 15,8 kWh / 100 km. Gehen wir einfach mal von 18 kWh auf 100 Kilometer aus, so haben wir noch einen Puffer für Ladeverluste in unserer Rechnung enthalten.

Wenn der Ioniq 5 nun mit seinem 205-Watt-Solarpanel etwa 5 Stunden in der Sonne steht, um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen, so kann ich mit dieser Kilowattstunde bei einem Verbrauch von 18 kWh auf 100 km circa 5,6 Kilometer weit fahren (100 km ÷ 20 kWh = 5,6 km / kWh).

Nun nehmen wir die 2.000 Kilometer Zusatzreichweite laut Hyundai und wissen, dass wir hierfür circa 357 kWh Strom benötigen (2.000 km ÷ 5,6 km/kWh = 357 kWh). Um diese 357 kWh zu erzeugen, benötigen wir bei einer Solarmodulleistung von 205 Watt etwa 1.741 Stunden (357 kWh / 0,205 kW = 1.741,46 h).

Teilen wir diese 1.741 Stunden nun noch durch 365 Tage im Jahr, müsste der Ioniq 5 folglich 4,7 Stunden (gerundet) pro Tag in der Sonne stehen, um 2.000 km Reichweite zu erzeugen. Im Jahr 2020 schien die Sonne in Deutschland durchschnittlich (also über ganz Deutschland betrachtet) 1.900 Stunden, beziehungsweise 5,2 Stunden pro Tag (Quelle: Statista). Klingt gar nicht mal so schlecht.

Betrachten wir allerdings nicht nur 2020, sondern den deutschen Durchschnitt über die Jahre hinweg, sieht es laut Wetter.de so aus, dass die Sonne im Schnitt nur an rund 4 Stunden pro Tag scheint. Das zeigt, dass 2020 ein eher überdurchschnittlich sonniges Jahr war. Mit einem solchen Jahr kann man den Hyundai-Wert erreichen oder sogar übertreffen, es ist aber eben nicht die Regel. Zudem hängt der Wert stark von der Region ab: Der Süden Deutschlands verzeichnet in der Regel mehr Sonnenstunden, als der Norden. Insofern muss man sagen, dass Hyundai zwar optimistisch gerechnet hat, aber auch nicht völlig realitätsfremd.

Faktor Standort und Parkplatz

Diese Rechnung geht bisher davon aus, dass das Auto so geparkt oder bewegt wird, um auch wirklich jede verfügbare Sonnenstunde nutzen zu können. Spätestens hier entfernt sich die Hyundai-Zahl stark von der Realität. Bewohner einer dicht bebauten Stadt werden kaum jede Sonnenstunde voll ausnutzen können, wenn das Auto häufig im Gebäudeschatten steht. Bei mir vor dem Haus hingegen, wäre zumindest ein großer Teil der Sonnenstunden voll nutzbar. Im Gegensatz dazu gilt natürlich, dass ein Solarpanel nicht voll in der Sonne stehen muss, um Strom zu erzeugen. Selbst bei einem bedeckten, hellen Himmel wird Strom erzeugt – wenn vielleicht auch nicht die vollen 205 Watt. In PV-Kreisen wird hierfür neben den Sonnenstunden als Minimum auch die globale Solarstrahlung als maximaler theoretischer Wert gerechnet.

Es spielen also noch viele weitere Faktoren hinein, die kaum pauschal zu berechnen sind. Und auch wenn die Zahlen von Hyundai nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, sind sie doch recht optimistisch. Es gilt auch hier, dass meine Rechnung grundsätzlich nur eine Annäherung sein kann und helfen soll, dass jeder Leser diese Werte für sich selbst in Relation setzen kann. Außerdem habe ich auf die Berechnung der Solarstrahlung verzichtet. Ob es nun aber ein paar Kilometer mehr oder weniger sind, ist – wie wir später noch sehen werden – nicht besonders relevant.

Hyundai Ioniq 5 lädt
Hyundai Ioniq 5 lädt

Rechenspiel 2: Wie viele Kilometer zusätzliche Reichweite sind realistisch?

Vorab auch hier wieder der Disclaimer: Was realistisch erreichbar ist, ist höchst individuell! Wie im vorigen Abschnitt erwähnt, hängt es stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Steht das Auto in der Sonne oder nur im Schatten? Wie tief ist die Häuserschlucht in der es geparkt wird? Wie stark weicht das regionale Wetter vom bundesweiten Schnitt ab? All das kann hier natürlich kaum beantwortet werden.

Deshalb nehmen wir uns einfach die 4 Sonnenstunden pro Tag her, die uns ein durchschnittliches Jahr im bundesweiten Schnitt beschert. Das würde uns an einem optimalen Stellplatz bis zu 299,3 kWh Strom in die Akkus speisen (205 W × 4 h × 365 Tage = 299.300 Wh ÷ 1.000 = 299,3 kWh).

Aus 299,3 kWh würde sich beim angenommenen Durchschnittsverbrauch von 18 kWh / 100 km also eine zusätzliche Reichweite von 1.663 Kilometern ergeben.

Rechenspiel 3: Lohnt sich das Solardach finanziell?

Spannend ist folglich die Frage, ob sich das Solarpanel auf dem Dach des Ioniq 5 denn überhaupt rechnet? Dafür benötigen wir die finanziellen Rahmenbedingungen. Hyundai gibt einen Aufpreis von 1.290 Euro für das Solardach an. Ferner rechnen wir mit dem durchschnittlichen Strompreis von 32,05 Cent je („schmutzige“) kWh im Strommix laut BMWi – also nix Ökostrom und so.

Das bedeutet, dass unser Solardach 4.025 kWh Strom erzeugen müsste, um den Anschaffungspreis zu kompensieren (1.290 Euro ÷ 0,3205 Euro / kWh = 4.025 kWh). Geteilt durch die Solardach-Leistung von 205 Watt sind dafür 19.634 Stunden nötig (4.025 kWh / 0,205 kW = 19.634,15 h). Bei 5,2 Sonnenstunden je Tag (in einem sonnigen Jahr wie 2020) ergeben sich daraus also 3.776 Tage oder auch 10,35 Jahre, bis sich das Solardach amortisiert hat. Gehen wir vom Gesamtdurchschnitt von nur 4 Stunden Sonne pro Tag aus, kommen wir gar auf 4.909 Tage oder 13,45 Jahre.

Und mit Hyundais Zahlen?

Zur Vollständigkeit rechnen wir noch mit Hyundais Zahlen: 2.000 km zusätzliche Reichweite gibt Hyundai als Maximum an. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 18 kWh / 100 km würde das bedeuten, dass Hyundai von 360 kWh ausgeht, die das Solardach jährlich einspeist. Wenn wir die 15,8 kWh / 100 km annehmen, die man seitens der britischen Website vermuten kann, wären es noch 316 kWh. Teilen wir also die zur Kompensation nötigen 4.025 kWh durch 316 bzw 360 kWh, ergeben sich daraus 11,18 bis 12,74 Jahre – mit Hyundais Zahlen!

Ob sich das lohnt und die persönliche Haltedauer des Autos eine mögliche Amortisation überhaupt hergibt, darf nun jeder für sich entscheiden.

Solardach auf dem Hyundai Ioniq 5
Solardach: Doch nur ein Accessoire für E-Auto-Hipster?

Und jetzt? Alles doof?

Die 2.000 Kilometer zusätzliche Reichweite sind ein für deutsche Verhältnisse eher optimistisch gerechneter Wert. Selbst, wenn der eigene Ioniq 5 immer bestens in der Sonne steht, käme man wohl nur auf etwa 1.500 – 1.600 Kilometer zusätzliche Reichweite. Auch unterwegs ist der Zusatznutzen überschaubar: Eine elektrische Heizung im E-Auto zieht, auch trotz Wärmepumpe, in der Regel mindestens 2 Kilowatt. Und dann, wenn Sonne auf das Autodach einstrahlt und das Solarpanel Strom erzeugt, heizt sich ein Auto dank Treibhauseffekt ohnehin mehr auf, sodass die benötigte Heizleistung geringer ausfällt.

Viel entscheidender, als ein paar Kilometer Reichweite im Jahr ist die Frage nach der Amortisation. Diese dürfte mit 10-13 Jahren für die meisten sehr ernüchternd ausfallen und zeigt letztlich, warum der Verzicht auf eine Solarstrahlungsrechnung zwar potenziell zum Nachteil des Ioniq 5 ist, praktisch aber schlicht keinen Unterschied macht. Denn selbst ausgehend von den Werten die Hyundai nennt, wird der Aufpreis für das Solarpanel erst nach frühestens 11 Jahren kompensiert. Ein effektiver Nutzen des Solardachs bleibt eine elektroromantische Fantasie.

Alles doof oder was? Keinesfalls und ich möchte noch einmal auf meine Einleitung eingehen: Für mich ist der Ioniq 5 ist eines der interessantesten und fortschrittlichsten Elektroautos, die momentan auf dem Markt sind oder in den Startlöchern stehen. Zudem ist meine Rechnung natürlich nur eine vereinfachte Rechnung und bildet die Realität nur grob ab. Meine Rechenspiele sollen einfach helfen, die Zahlen, die Hyundai nennt, grob einzuordnen.

Trotzdem lässt sich festhalten: Der echte Nutzen fehlt und in Anbetracht des höheren Ressourcenbedarfs für die Herstellung eines Solarpanels, geht die Rechnung für das Solardach, aus konsequent ökologischer Sicht, vorne und hinten nicht auf. Es mag eher ein Statement sein, das man als Kunde mit der Option setzen kann und genau darauf wird Hyundai abzielen. Wie scharf die Kunden darauf sind, mit diesem Statement auch etwas über die eigene Rechenkompetenz auszusagen, wird – wie immer – der Markt zeigen.

Gibt es dennoch gute Gründe, die dafür sprechen? Diskutiert mit und lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Text: sb
Fotos: Hyundai


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Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

24 Kommentare

  1. Die Investition ins eigene SolarDach dürfte billiger sein für LaternenParker, als das warten auf LadeDosen im LaternenPfahl.
    Bitte noch ein 3. Szenario mit Strom aus öffentlichen LadeSäulen von 0,38€ durchrechnen.
    Die Amortisation beschleunigt sich für jeden, der einmal im Jahr am MittelMeer für 1-3 Wochen Urlaub macht.
    Für Urlauber in Skandinavien wird sich eher ein Sion lohnen, wie im PodCast ‚LadeWeile‘ #12 von chargeX in Englisch zu hören ist.

    • Hyundai nennt mit den 2.000 km ja einen Wert, von dem sie in der internationalen Pressemitteilung – also nicht spezifisch für den deutschen Markt – vom Optimalfall sprechen. Und in diesem Optimalfall , kommen wir ja immer noch auf die 10-12 Jahre.

      Für Laternenparker kommt da eigentlich nicht nennenswert viel Strom bei rum. Aber rechnet man die 38 ct. an öffentlichen Ladesäulen, verkürzt sich die Amortisationszeit zumindest auf 9,4 bis 10,7 Jahre (mit den 360 bzw 316 kWh, wie im Abschnitt „Hyundais Zahlen“).

    • Ach und danke für den Hinweis zum chargeX Podcast. Mit dem Sion bisher noch nicht wirklich beschäftigt, da werde ich reinhören 🙂

    • Erich Lahartinger Antworten

      Ich finde ein solardach sehr interessant da ist zum Beispiel die Klimaanlage im Auto betreiben kann

    • Solarpower wird unterschätzt. Gehen wir vom Kurzstrecken Fahrer aus. Oder von sonnigen Gegenden Südeuropas. Dort gewinnen wir 15Km Sonnenenergie am Tag, 105KM/Woche oder 420KM/Monat. Davon kann so manche Stadtfahrt gemacht werden. Selbst bei uns könnte mancher Rentner oft mit Solarenergie fahren. Schade das nicht auch die Haube als Solarfläche genutzt wird. Kostenlose Energie ist ein Komfortgewinn. Amortisation: Abhängig von den Stromkosten. Wenn ich sehe, das Kosten an Ladesäulen bis zu 79cent kosten, ist die Solar- Idee nicht dumm.

  2. Spätestens, wenn der Strom ausfällt (-> Blackout, Marc Elsberg) und weder Ladepanels noch Tankstellen funktionieren, relativiert es sich, ein Auto zu haben, mit dem nach zwei Tagen an „der frischen Luft“ etwa 10 km Fahrstrecke drin sind.

    • Dann schaffe ich nach zwei Tagen immerhin die halbe Strecke zum nächsten Supermarkt in der Eifel. Yeah! In diesem Katastrophenszenario 2 Tage warten, um 10 km weit zu kommen? Ich denke, da nehme ich lieber das Fahrrad 😉

  3. Na, wenn man alles, was man im Supermarkt klaut (Kaufen wird ja nicht mehr funktionieren) auf den Drahtesel bekommt…:-).
    Nach 4 Wochen Laden kann ich aber meine Kinder zu mir holen – sofern mir bis dahin niemand das Auto geklaut hat ;-).

    20 km bis zum nächsten Supermarkt?! – strategisch schlechter Standort – falls mal wirklich was passieren sollte…

    Aber ohne Katastrophe auch mal bedenkenswert:
    Auf der Arbeit lädt sich das Auto selber auf, womöglich kommt man 14 Tage oder länger hin (und zurück), ohne einmal entgeltpflichtig Strom nachzufassen.
    Einmal Ostsee, Auto abstellen, Fahrrad leihen und zurück. Es gibt einige Szenarien, wo das Sinn macht…

    Ich fahre bei gutem Wetter auch mal mit dem Rad zur Arbeit. Mein Auto lädt in der Zeit die Akkus auf, auch das fänd ich prima.
    Aber das ist wohl – wie vieles – einfach eine Sache der Prioritäten und Ansichten.
    Warum braucht man 305 PS und 605 NM mit 4 Rad Antrieb? Wäre die Alternative nicht grad Heckantrieb…O.o

    • Na ja, es gibt ihn ja auch mit Hinterrad-Antrieb, kleinerer Batterie für 41.990 €
      Da käme dann halt mal der Preis für das Solardach hinzu, wenn gewünscht.

  4. Emanuele Forlì Antworten

    Aufpreis viel zu hoch. Daher auch die ernüchternde Rechnung. Zumal offenbar noch nicht einmal Hochleistungszellen genommen wurden, denn diese brächten auf etwa 1,7 m² Fläche bereits bis zu 410 Watt(peak). Für die Integration eines 200 Watt Panels inkl. MPPT-Laderegler dürften EIGENTLICH nur etwa 250 Euro genommen werden, siehe Endkundenpreise für All-inclusive Balkonkraftwerke!

    Das Problem scheint nicht unbedingt zu sein, dass Hyundai hier die Kunden abzockt, sondern dass es sich um ein Optional handelt und Optionen kosten nunmal in der Regel und nicht nur in der Automobilindustrie einen saftigen Aufpreis, siehe z.B. teils exorbitante Aufpreise für eine andere Lackierung. Und gerechtfertigt ist das eben teilweise auch, weil das Handling von optionalen Ausstattungen für den Hersteller eben auch einen deutlich höheren Aufwand bedeutet, als alle Autos gleich zu fertigen. Wäre das Solarpanel beim Hyundai immer mit integriert, sähe die Rechnung ganz anders aus, denn selbst Hochleistungsmodule kosten nicht annähernd so viel und ob ich nun ein PV-Modul oder ein normales Glasdach integriere, bleibt sich fast gleich. Teilweise ist Fensterglas im Einkauf sogar teurer, als PV-Module (ok, diese haben noch nicht die genau für dieses Automodell benötigte Rundung).

    • Das sehe ich genauso. Mit Hochleistungszellen für ~1000 Euro oder die günstigeren 250 Watt für ~600 Euro Aufpreis, damit wäre rund eine halbierte Amortisierung drin und das Solardach wäre ein no-brainer.
      Und sicherlich würden Hyundai daran auch noch gut verdienen.

      Schade, hier verschenkt Hyundai eine Chance und Alleinstellungsmerkmal wegen ein paar Euro, die von den meisten sicherlich nicht ausgegeben werden.

  5. Ein Argument, das laut Hyundai noch für das Solardach spricht, ist die Einspeisung in die (12V-)Starterbatterie neben der Hochvoltbatterie. Das könnte Ausfälle im Winter bzw. bei Tiefenentladung verhindern.
    Wie oft das bei modernen Fahrzeugen – nicht Standzeugen – überhaupt noch vorkommt und, ob es dafür nicht andere technische Lösungen gäbe, ist eine andere Frage.

    • Ja, Einspeisung in die 12V-Batterie ist tatsächlich durchaus ein Argument. Mein Stand ist allerdings, dass die meisten aktuellen Elektroautos von Zeit zu Zeit etwas Strom aus dem Akku in die 12V-Batterie einspeisen. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel – ich las kürzlich von einem Elektroauto, das nicht mehr zu starten war. Ich weiß leider absolut nicht mehr, wo und welches Modell…

      • Polestar 2 und ID.3 habe ich erst letztens gelesen, bei beiden kommt es immer wieder zum Entladen der 12V-Batterie, wenn man einige Tage nicht gefahren ist. Aber sicherlich auch noch bei anderen Elektroautos.

        • Danke für den Hinweis. Ich werde mal bei den Herstellern nachhaken, was die dazu sagen, wie die Systeme ausgelegt sind.

  6. Hallo Sebastian,

    den letzten Satz verstehe ich nicht:

    „Der echte Nutzen fehlt und in Anbetracht des höheren Ressourcenbedarfs für die Herstellung eines Solarpanels, geht die Rechnung für das Solardach, aus konsequent ökologischer Sicht, vorne und hinten nicht auf.“

    Ein normales Solarpanel auf dem Dach hat auch einen entsprechenden Ressourcenbedarf und eine ähnliche Energieausbeute. Das würde auch bedeuten, dass eine Solaranlage auf dem Haus aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll wäre. Natürlich hat man auf dem Dach des Autos nur ein Solarpanel und natürlich erzeugt es im Vergleich zum Verbrauch des Autos nur wenig Strom. Aber auf dem Hausdach wird da auch nicht wirklich viel mehr Strom erzeugt. Der Strom, welcher auf dem Hausdach erzeugt wird, kann für einen Haushalt ausreichen, für ein Elektroauto würde er aber auch bei weitem nicht ausreichen.
    Dennoch stell dir eine Welt vor, auf der jedes Auto ein Solardach hätte. In Summe würden gigantische Energiemengen erzeugt werden. Natürlich kann man so ein Solardach auf dem Auto nicht monetär als lohnend ansehen, aber zu sagen, dass es ökologisch nicht sinnvoll ist, das wage ich zu bezweifeln. Dann wäre es einfach besser aus ökologischer Sicht gar kein Auto zu fahren und auf den Verbrauch der ganzen Energie zu verzichten.

    • Hi Chris,

      sorry, falls der Satz für Verwirrung gesorgt hat. Was ich damit sagen wollte: erstens lohnt/rechnet sich das Panel selbst schon nicht und ZUSÄTZLICH verbraucht es noch dazu mehr Ressourcen bei der Produktion. Oder anders gesagt, wollte ich gar nicht den ökologischen Nutzen anzweifeln, dafür habe ich zu wenig Zahlen/Hintergrund zum Ressourcenbedarf bei der Solarpanel-Produktion. Durchaus möglich, dass so ein Panel auf dem Autodach den CO2-Rucksack der Produktion wieder reinholt. Worauf ich letztlich nur hinauswollte ist der Umstand, dass ich mehr Ressourcen für etwas investiere, das sich wirtschaftlich nicht wirklich trägt.

      • Dann kann man aber eigentlich nur festhalten, dass der Preis für dieses Extra zu hoch ist. Wer das Solardach wählt, wählt es vor allem aus ideologischer Sicht und das ist ja für viele mitunter auch ein Grund ein Elektroauto zu fahren. Aus Ressourcensicht und dessen Verbrauch und Nutzen dürfte es ungefähr genauso viel bringen wie ein einzelnes Solarpanel auf dem Hausdach.

        • Was ja so die These meines Textes war: „Öko-Statement“. Der Vergleich mit einem einzelnen Solarpanel auf dem Dach finde ich jedenfalls sehr passend 🙂

        • Hallo Chris, du vergleichst hier ein Solarpanel auf einem Dach, welches immer in der Sonne steht mit einem Solarpanel, welches den Ort ständig wechselt. Das Auto steht auch mal im Schatten, in der Garage, unter Bäumen oder sonst wo. Daher kann man das nicht 1zu1 pauschal gegenüberstellen

  7. Ich denke das Solardach ist vor allem für Camping + Festivals interessant. Wenn man oft auf sowas unterwegs ist reicht der Strom um z. B. bissl Licht und Kühlbox zu betreiben ohne Reichweite zu verlieren.
    Ist aber eig. sinnfreier Luxus, da man entsprechende Panels als Einzelstück DEUTLICH günstiger bekommt.
    Aber dann lassen sich diese natürlich nicht mit dem riesigen Akku und V2L kombinieren.

    Ein weiterer Aspekt ist: Man muss sich zwischen Solar- und Glasdach entscheiden.
    Und da mir die grauen/weißen Sitze zu anfällig für Jeansabrieb etc. sind, würde ich den dunklen Innenraum nehmen – der ist ohne Glasdach aber dann wirklich trist.

    Ein weiterer Killer für das Solardach (Listenpreise): Man bekommt es nur mit dem Top-Grundpaket „UNIQ“ welches stolze 11.500 € Aufpreis kostet – und dann kostet das Solardach sogar nochmal 1.500 € extra. Das Glasdach hat einen Aufpreis von „nur“ 1.150 €.

    PS: Ärgerlich bei den Paketen ist, dass man im UNIQ-Paket immer die Bose-Anlage dabei hat, welche einem im Kofferraum Stauraum „klaut“. Und viele Optionen – wie z. B. das Solardach – bekommt man nur im UNIQ-Paket (auch den V2L-Adapeter).

  8. Für mich müsste das Solarpanel genau EINE Funktion zuverlässig erfüllen, damit es für mich relevant ist: Stand-Klimatisierung des Fahrzeugs, wenn es in der prallen Sonne steht! Gibt es diese Funktion und sind die rd. 200W Leistung des Panels dafür ausreichend, bzw. funktioniert das dann über ca. 2h, wenn die Batterie durch das Panel unterstützt wird?

    Ich lasse den Hund im Sommer beim Einkaufen zwar nie alleine im Auto (außer mal in der Tiefgarage), aber auch MIR wird beim Warten auf meine Frau (zusammen mit dem Hund) im Auto warm.

    Darüber hinaus nerven meine PSA-Verbrenner mit dem Energiesparmodus, d.h. nach ca. 20 Minuten gibt’s kein Radio mehr. Wie sieht’s da beim Ioniq aus?

  9. Ich weiß nicht ob es so toll ist, sein Auto z.B. bei 30 Grad im Schatten(!) für 4 Std. in der prallen Sonne zu parken.
    Wenn ich dann bei 50 Grad in mein Auto einsteige und die Klimaanlage voll aufdrehe hab ich meinen Zugewinn an Energie doch gleich wieder verballert oder vielleicht sogar noch mehr…

  10. Was Du nicht betrachtet hast, ist, dass ein Watt Spitzenleistung in Deutschland ca 900Wattstunden im Jahr erzeugen kann, wenn man das Solarpanel im 35°-Winkel auf einem Süddach montiert.
    Dh ein permanent auf einem 35° Südhang geparkter Ioniq 5 (!!) erzeugt 184,5kwh pro Jahr.
    Was dieses natürlich völlig unrealistische Szenario bedeutet, ist nun leicht mit Deinen übrigen Zahlen festzustellen.
    184,5 * 30ct = 55€ Ersparnis pro Jahr bei 1500€ für das Dach… autsch. 27 Jahre.

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