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[UPDATE] Von der Nichtmachbarkeit guter Autokonfiguratoren im Web

Dezember 15, 2011 Allgemein 1 Kommentar

Eben habe ich eine Pressemitteilung gelesen, die stolz verkündete, dass die neue Alfa Romeo Website nun endlich online ist. „Schön!“ dachte ich so für mich und überlegte kurz, ob dann vielleicht ja auch der Konfigurator für den MiTo wieder geht. Ist ja erst 4 Monate so, dass der sich „in Wartungsarbeiten“ befindet. Aber leider wurden meine Erwartungen enttäuscht.




 – Das Update findet sich am Ende des Artikels – 

Ich weiß ja nicht, wie es euch dabei so geht, aber ich, als Kind des Internets, finde es ungemein wichtig, mich im Internet vollumfänglich über mein Traumauto informieren zu können. Dazu gehört auch ein guter Konfigurator. Bei Alfa scheint man sich also gar nicht erst für das Thema zu interessieren, anders kann ich es mir nicht erklären, warum der MiTo Konfigurator bereits seit 4 Monaten offline ist.

Oder schauen wir doch einmal zu BMW: der Konfigurator funktioniert natürlich. Aber er ist eben so trist und „steif“, wie ein englischer Butler beim Empfang der Queen. Noch dazu wird man – typisch deutsch wird man sich im Ausland wohl denken – mit Informationen geradezu erschlagen. Man hat dutzende Pakete zur Auswahl, klickt sich fleißig durch, muss hunderte Beschreibungen studieren und verlässt sich dann auf das Vorschaubild. Aber das einzige, das sich wirklich die ganze Zeit ändert, ist der Preis. Kann es denn so schwer sein, Informationen sinnvoll aufzubereiten und dem Nutzer visuell klar verständlich zu präsentieren?

Aber es geht ja noch weiter: habe ich die Pakete alle einmal durchprobiert und wähle wieder ab, bin ich meistens dennoch deutlich höher im Preis, als vor dem Durchprobieren. Woran liegt’s? Lag es vielleicht an dem – aus welchen Gründen auch immer – für die Rückfahrkamera erforderliche „Klima Package“, dass nach dem Wegfall der Rückfahrkamera trotzdem beständig in der Konfiguration verweilt? Mindestens genauso verwirrend sind mehrfach gleich benannte Ausstattungsfeatures, die sich im Preis unterscheiden, aber alle unterschiedliche andere Pakete voraussetzen. Mir ist schon klar, aus welchem technischen Hintergrund das so gemacht wurde, nämlich um Abhängigkeiten zwischen den Konfigurationen aufzulösen. Aber muss man den Nutzer das wirklich spüren lassen?


Denn seien wir einmal ehrlich: nicht nur der potentielle Käufer ist hier meistens überfordert. Selbst die Verkäufer sind das meistens schon. Ein Beispiel vom Kauf meines Autos: ich wollte für meinen Renault Megane RS den „RS Monitor“ dazubestellen und dazu das bessere Radio inkl. Bluetooth Freisprecheinrichtung, USB Anschluss usw. An Optionen gibt es zu Auswahl einen RS Monitor für 500 € und einen RS Monitor für 300 €. Letzterer ist sehr versteckt und ersterer trägt im Kleingedruckten den Hinweis „Paket“. Als der Verkäufer nun meint Auto konfigurieren wollte, hieß es, der RS Monitor sei nicht mit dem Radio verfügbar. Letztlich lag es daran, dass das Radio eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung mitbringt und der RS Monitor („Paket“) ebenfalls. Also musste man den wieder abwählen und den RS Monitor dazunehmen, der kein Paket ist und auch kein Bluetooth hat.

Aber dieser Artikel geht leider schon wieder viel zu lange… worauf ich unterm Strich hinaus möchte: liebe Hersteller! Bitte kümmert euch doch nicht nur um kräftige Etats, die ihr in euren Marketingagenturen für einen „hübschen“ Internetauftritt verbrennt, sondern macht euch auch mal mit Menschen aus dem Usability und User Interface Design Umfeld Gedanken darüber, wie das ganze zu bedienen ist. Und schenkt dem Werkzeug, mit dem der Kunde eure Produkte kennenlernen möchte, die Aufmerksamkeit und den Respekt, den sich auch der Kunde von euch wünscht! Ich möchte SEHEN, wie sich mein Auto nach meinen Wünschen verändert, ich möchte WISSEN, was sich hinter kryptischen Paketbezeichnungen versteckt und ich möchte VERSTEHEN, was sich alles am Auto verändert, wenn ich beheizbare Außenspiegel haben möchte. Dankeschön!

[UPDATE]

Ob das Schicksal ist? Gerade heute kam von Renault eine Pressemitteilung rein, in der sie ihren nagelneuen Konfigurator bewerben. Unter dem Aspekt habe ich mir das natürlich gleich mal angeschaut und muss zugeben: ich bin positiv überrascht! Zum Beginn der Auswahl kann man erst einmal die verschiedenen Editionen eines Autos gegeneinander vergleichen, um sich ein Bild über das Ausstattungsniveau zu verschaffen. Das ganze ist grafisch dazu auch hübsch aufbereitet. Bei jedem Paket, über das man seinen Mauszeiger bewegt, sieht man, was darin enthalten ist. Alle gesammelten Pakete und Ausstattungsoptionen werden unten zentral in einer Leiste „gesammelt“. Bei jeder Option, die einen „Konflikt“ bedeutet, werde ich vorher mit einem Ausrufezeichen vorgewarnt. Wenn ich diese Option auswähle, wird die andere entsprechend entfernt und dank angenehmer Animationen sehe ich in der unteren Leiste sofort, was herausgeflogen und was dazugekommen ist und wie sich der Preis verändert. Das würde ich als einen passablen bis guten Konfigurator bezeichnen. Schade nur, dass er etwas hardwarehungrig ist und sich tendenziell etwas träge anfühlt.

[Artikelbild: flickr/Sybren A. Stüvel]