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Mit dem Honda Insight über 8 Alpenpässe – und der Verbrauch?

Juni 18, 2012 Testwagen, Unterwegs, Videos 10 Kommentare

Hybridfahrzeuge gelten als äußerst bieder. Selbst South Park hatte sich dem Thema bereits angenommen und hat in einer Folge die durch Hybridfahrzeug-Besitzer verursachten „Snob-Wolke“ (ähnlich wie Smog, nur schlimmer) über South Park hereinbrechen lassen. Als von YouTube User Orkjaeger1 dann die Frage kam, welchen Verbrauch der Honda Insight bei „forscher“ Fahrweise hat, habe ich mir gedacht, den Hybrid entgegen aller Spielregeln zweckzuentfremden: ich will Spaß damit, ich will Kurven räubern, ich will Benzin verbrennen! Schaut euch dazu doch den Videoblog Nr. 2 zum Insight an, alles weitere lest ihr dann weiter unten.




Spaß mit Hybrid? Ach Quatsch! Oder doch?….

Gesagt getan: von München 90km geradewegs Richtung Garmisch-Partenkirchen und von dort aus insgesamt 8 Alpenpässe anvisiert: von den harmlosen Pässen, wie dem Fernpass oder dem Achenpass, ging es über die etwas anspruchsvolleren, wie dem Ammersattel, bis hin zum recht knackigen Arlbergpass und dem Kühtaisattel, der mit bis zu 18% Steigung bei 2.000m Höhe dann auch das Power-Tandem aus Verbrennungs- und Elektromotor allmählich in die Knie zwang. Und trotzdem hat sich der Insight wacker geschlagen, fühlte sich nie völlig untermotorisiert an und beim Abstieg ins Oetztal hat sich auch die Bremse keinen Aussetzer geleistet.

Der Insight hat übrigens, wie die meisten Hybriden, eine Gewichtsverteilung, die das Heck sehr „lose“ wirken lässt. Für den Durchschnittsfahrer sicher nicht immer das beste, daher werden Autos Zwecks einfacher Beherrschbarkeit eher untersteuernd ausgerichtet. Beim Insight aber vermutlich kein Problem, da der durchschnittliche Käufer den Insight eher selten zum Kurvenräubern in die Alpen ausführen wird. Liebes Honda Deutschland Team: falls ich damit gerade Murks erzählt habe und der Insight als reinrassiger Kurvensportler gedacht war, bitte ich um Rückmeldung und weitere 2 Wochen Testzeit – dann will ich auf die Nordschleife! Aber ich verliere meinen Faden.. ich finde das hecklastige Fahrverhalten äußerst spaßig 😉 Den Insight so ein wenig sportlich über’s Heck in die Kurven stellen macht Laune, vor allem, weil der Insight rundum so schön gutmütig bleibt. Lediglich die starke Karosserieneigung und das dann erst träge reagierende stufenlose CVT Getriebe bereiten dem Fahrspaß einen leichten Dämpfer: beim plötzlichen Herausbeschleunigen dauert es eine gefühlte Gedenksekunde, bevor das Getriebe Drehzahlniveau aufbaut und die Kraftentfaltung spürbar wird.

Honda Insight auf dem Kühtaisattel

Der Spaß fängt beim Fahren an und geht an der Tankstelle weiter

Wie dem auch sei: der Insight ist kein Sportler, aber ich fahre Autos nun mal eben gerne sportlich und trotzdem: ich hatte meinen Spaß! Und damit kommen wir wieder zur Ausgangsfrage vom Orkjaeger1 zurück: zwar habe ich „da oben“ kein Orks gejagt, sondern nur 2-3 schöne Begegnungen mit frei laufenden Pferden gehabt (was es nicht alles gibt), aber ein Urteil über den Verbrauch kann man schon fällen: 6,9 Liter standen Freitag Nacht nach der ersten Tour an. Und darin enthalten waren 4 Alpenpässe, 20 Minuten Dauervollgas auf der Autobahn (übrigens: bei Tacho 196 km/h geht er in den Drehzahlbegrenzer, ansonsten fährt er die angegebenen 182 km/h, was echte 176 etwa sind) und noch ein gutes Stück Münchner Stadtverkehr. Das kann sich doch echt sehen lassen. Bei der 2. Pässe-Tour mit heftigen Aufstiegen etc. kamen wir dann auf 5,4 Liter (sic!) – ohne Autobahndauervollgas. Denn ernsthaft: in München starten, 4 Alpenpässe mitnehmen, 6 Stunden im Auto sitzen, 500km betont sportlich unterwegs sein und dann wieder in München landen und gerade einmal die Hälfte seines 40 Liter Tankes wieder auffüllen müssen? Meinen Respekt hat sich der Insight damit schon verdient.

Außergewöhnliche Begegnung der dritten Art

Aber das Navi.. es könnte ja sonst alles so schön sein!

Keinen Respekt hat sich ansonsten übrigens das Navigationssystem verdient: nicht nur lockt die unschöne Pixelgrafik selbst auf der 2.000m Alm keine Kuh hinterm Baum vor, sondern das Navi hat auch 2-3 mal jegliche Ansagen komplett ausgelassen und uns damit in Straßen fahren lassen, in denen das Wenden nicht immer ganz so einfach ist. Auch die Stauumfahrung ist sehr optimistisch gestimmt und geht beim kleinsten Hinderniss einen 20 Minuten Umweg ein. Das schmälert das Vertrauen in die Technik und so fährt man dann doch mal in einen „echten“ Stau, weil man dachte, es sei eh wieder nichts besonderes. Ansonsten ist die Sprachführung eigentlich sehr angenehm und klappt ganz gut – wenn lange Zeit stille war, wird man durch ein „Bing“ erst wieder auf das Navi aufmerksam gemacht, bevor die Dame mit dem nächsten Reisetipp um die Ecke kommt. Unter’m Strich bleiben aber die Aussetzer im Gedächtnis hängen und die Pixelgrafik wirkt irgendwie störend und passt nicht ins Bild.

Etwas mehr als eine Woche habe ich den Insight noch, wenn ihr also Fragen habt, her damit und ich werde mein bestes geben, sie zu beantworten.