passion:driving

Praktischer Familien-Mini-Van – Ford B-MAX Ersteindruck

November 1, 2012 Fahrerlebnis 2 Kommentare

Von allen wird sie prognostiziert: die Urbanisierung der Menschen. Immer mehr Menschen werden in immer größeren Städten leben. Das bedeutet natürlich auch, dass sich Mobilität verändern wird. Autos müssen kompakter und wendiger werden, um im Stadtverkehr zu bestehen. Für Familienautos, die üblicherweise Platz benötigen, ist das eine Herausforderung. Neue Konzepte müssen her und ein solches Konzept stellt der Ford B-MAX dar, den ich vergangenen Freitag kurz fahren konnte.

Ford B-MAX

Um der Urbanisierung ein passendes Automobil entgegenzustellen, hat sich Ford mit dem B-MAX gleich eine ganze Latte an Besonderheiten überlegt. Das auffälligste Merkmal ist – allerdings nur zu sehen, wenn die Türen offen sind – die außergewöhnliche B-Säule. Was bisher quasi Platz verschlungen hat, verschwindet beim B-MAX ganz einfach beim Öffnen der Türen. Die B-Säule wurde nämlich kurzerhand in den Türrahmen der Türen integriert. Öffnet man etwa die Fahrertür und die dahinter liegende Schiebetür, zieht man die B-Säule im Grunde genommen auseinander. Sind beide Türen geschlossen, ist volle Stabilität gewährleistet. Das Konzept hat einige Vorteile, brachte für mich aber auch einen spürbaren Nachteil mit sich: auf Grund der nicht permanenten B-Säule geht der Gurt der Vordersitze direkt von der Rückenlehne über die Schulter und kommt eben nicht von „oben“ aus der B-Säule. Auf Grund der relativ kurzen Rückenlehne hat das ab einer gewissen Körpergröße den Effekt, dass einem der Gurt auf die Schulter drückt und sich diese entsprechend verspannt. Ich hoffe hier leistet Ford in einem Facelift in irgendeiner Form Abhilfe.

Ford B-MAX Innenraum

Eine weitere wichtige Säule für das Konzept des B-MAX sind die Abmessungen: der B-MAX ist gerade 13 Zentimeter länger, als ein Ford Fiesta und bietet dennoch ein Raumangebot wie ein kleiner Van. Bei meinem Probelauf ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, auch hinter dem auf mich eingestellten Fahrersitz Platz zu nehmen. Ohne Probleme! Ich hatte noch angenehm viel Platz nach vorne. Die Kehrseite der Medaille ist ein relativ eingeschränkter Kofferraum, der zwar vielseitig und variabel ist, in die Tiefe aber nicht all zuviel Platz bietet. Schade, dass man die Sitzbank im Fond nicht verschieben kann, wie etwa beim Nissan Note. So könnte man dann nämlich den entsprechenden Kompromiss zwischen Beinfreiheit und Ladevolumen je nach Bedarf wählen. Dafür bietet der B-MAX die Möglichkeit, die Rückbank zweigeteilt umzuklappen und lässt sich dann bequem von den Seitentüren aus beladen. 2,35m ist das Kofferraumabteil dann lang.

Ford B-MAX Fond

Darüber hinaus bietet der B-MAX eine Menge sinnvoller Komfortfeatures, als auch einige interessante Gimmicks. Ein schönes solches Gimmick beispielsweise finde ich den konvex geformten „Innenraumspiegel“ oberhalb des normalen Innenspiegels. Der versteckt sich unter einer Klappe, ähnlich eines Brillenhalters und bietet einen Blick auf das Geschehen im Innenraum. Perfekt also, um die Kinder im Blick zu behalten. Von den sonstigen tollen Features ist natürlich ist so gut wie nichts im Basismodell für 15.950€ enthalten. Aber Beispielsweise das Ford SYNC System ist ein sehr gut gelungenes Multimedia-Infotainment-System mit Bluetooth Konnektivität usw. Darin enthalten sind bereits 8 Lautsprecher, welche sich klanglich absolut hören lassen können. Ansonsten komme ich weiter unten aber noch einmal zu den Preisen.

Ford B-MAX Innenraumspiegel

Die letzte entscheidende Säule für das Konzept eines günstigen Familienautos der Zukunft für die Stadt ist die Motorisierung: zügig will man vorankommen bei vergleichsweise geringem Verbrauch. Dafür bietet Ford unter anderem die ausgezeichneten EcoBOOST Dreizylindermotoren an. Diese haben jeweils 1 Liter Hubraum und sind in den zwei Leistungsstufen 74 kW (100 PS) und 88 kW (120 PS) zu haben. Gefahren bin ich den stärkeren der beiden. Zugegeben, ich bin schon akustisch angenehmere Dreizylinder gefahren, der EcoBOOST Motor rasselt und brummt ganz gut, aber das ist ihm zu verzeihen. Denn auf der Landstraße macht er eine gute Figur und auch beim normalen Fahren im Stadtverkehr hält er sich zurück. Die Fahrleistungen hingegen sind ansprechend, der Motor hängt gut am Gas, ein Turboloch ist kaum zu spüren und der Verbrauch war auf meiner Testrunde mit rund 6,5 Litern Super auch nicht verkehrt. Der offizielle Verbrauch liegt übrigens bei 4,9 Litern (kombiniert) und ein B-MAX mit EcoBoost Motor kostet in jedem Fall mindestens 17.350 €.

Ford B-MAX Kofferraum

Im Endeffekt ist der Ford B-MAX also ein sehr praktisches Auto für junge Familien in der Stadt – aber sicher auch auf dem Land. Das Raumangebot ist großzügig, der Motor sparsam (sofern man in den EcoBoost Dreizylinder investiert) und das Verhältnis aus gebotenem Auto, Qualitätsanspruch und Preis passt auch. Kommen wir noch einmal zu den Preisen: ab 15.950€ geht es beim B-MAX los, dafür erhält man allerdings nur den weniger effizienten 1,4 Liter Duratec Vierzylinder mit 66 kW (90 PS). Mindestens 17.350€ muss man für den Dreizylinder in der 100-PS-Leistungsstufe hinblättern, bekommt dafür aber auch ein Plus an Ausstattung – ein Radio ist aber auch hier noch nicht serienmäßig.

Ford B-MAX

Der gefahrene Testwagen mit 120 PS in der Ausstattungslinie TITANIUM (z.B. Ambientbeleuchtung im Fußraum, schlüssellosem System, Klimaanlage, LED Tagfahrlicht, Tempomat) hatte einen Grundpreis von 20.350€. Darauf kamen dann noch das Cool & Sound Paket für Klimaautomatik und Ford SYNC Audiosystem, sowie das Komfort-Paket und und und, was sich dann alles zusammen auf 24.145€ summiert. Das sind zwar gute 9.000 € mehr als der Grundpreis aber immer noch ein verhältnismäßig fairer Preis für dieses Auto, wie ich finde.


Sebastian
Über den Autor -

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen.Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die autorevue.at und andere Publikationen.