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„Wat ne Strecke!“ – Meine Eindrücke vom Bilster Berg – mit Video!

Juni 20, 2013 Aus dem Leben eines Enthusiasten, Nürburgring Nordschleife, Unterwegs 5 Kommentare

Vergangenes Wochenende hatte ich ja das Vergnügen, den Mercedes-Benz CLA 45 AMG und die A-Klasse, A 45 AMG auf dem Bilster Berg erfahren zu dürfen. Und natürlich war ich auf die Strecke an sich bereits gespannt wie Bolle. Wie ist sie, die „kleine Nordschleife“, wie fühlt sich die Mausefalle an? Ein paar Eindrücke und auch ein Video von einer Taxifahrt im Mercedes-Benz SLS AMG möchte ich gerne mit euch teilen.




Bilster Berg Einfahrt

Interessant ist die Strecke alleine durch ihre Konzeption: sie wurde vor allem als Präsentations- und Teststrecke für die Automobilindustrie geplant. Darüberhinaus wird es dort vor allem auch Trackdays, aber keine offenen Rennveranstaltungen geben. Die Strecke folgt dem „White Label“-Prinzip, ist also völlig neutral ohne Bandenwerbung oder ähnliches und lässt sich damit zu 100% an die CI des jeweiligen Kunden anpassen. Aber genug mit den Randdaten, schließlich will ich ja fahren, nicht veranstalten 😉

Was den Bilster Berg auszeichnet, ist seine besondere Lage: während für viele Rennstrecken die Natur eingeebnet wurde und so topographisch kaum etwas anspruchsvolles mehr übrig bleibt, folgt das 4,2 Kilometer lange Asphaltband des Bilster Berges dem Lauf der Natur. Das macht sich an einer Anzahl von 44 Kuppen, Senken und Wannen bemerkbar. Gut.. seien wir ehrlich, so viele konnte ich auf die Schnelle selbst nicht zählen. Eines aber ist klar: der Bilster Berg lässt dich teilweise Kompressionen erleben, die dir durch Mark und Bein gehen werden. Dann wären da noch all die blinden Kuppen. Du kommst an und vermutest, es wird wohl nach rechts weitergehen, der Kerb, der den Scheitelpunkt darstellt liegt rechts, genau auf dem höchsten Punkt der Kuppe. Aber in welchem Kurvenradius geht es danach weiter? Ausprobieren und blind losfliegen!

Bilster Berg, Start/Ziel-Gerade Panorama

Dann wäre da alleine die erste Kurve nach Start und Ziel: eine gerade Anbremszone? Für Weicheier! Mitten in der Anbremszone wird aus der Start/Ziel-Geraden nämlich ein Linksknick. Und das Tempo gilt es ebenfalls für die folgende sich öffnende Spitzkehre nach rechts drastisch zu reduzieren. Mit einem nervösen Heck kann einem alleine diese Ecke schon die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Oder wie wäre es mit der Mutkurve? Eine sehr, sehr lang gezogene Linkskurve. Sie liegt genau gegenüber der fiesen Spitzkehre nach Start/Ziel. Ein hohes Tempo, ein wenig konstanter Kurvenradius und zu aller Gemeinheit noch eine kleine Senke im langen Kurvenverlauf machen die eigentlich so simple Mutkurve höchst interessant. Denn, fährst du bereits an der Haftungsgrenze, hast du bereits mit dem enger werdenden Radius zu kämpfen. Dann kommt da noch die Senke. Lenkung weiter zumachen? Vergiss es, du bist bereits an der Haftungsgrenze der Vorderräder, durch weiteres Lenken lässt sich auch der Kamm’sche Kreis nicht verbiegen. Also bleibt nur, das Auto mit seichtem Lupfen oder gar dem Einsatz der Bremse in einen leicht instabilen Zustand zu bringen – ein echter Balanceakt.

Bilster Berg, Luftaufnahme (C) Bilster Berg

Bilster Berg, Luftaufnahme (C) Bilster Berg

Und dann ist da noch die Mausefalle. Eine Kurve die jetzt schon berüchtigt und in aller Munde ist. Zahlen gefällig? 26 Prozent Gefälle herrschen an dieser allzu tückischen Linkskurve. Hier werden Fahrer zu Helden und schon jetzt ist absehbar, dass hier, an genau dieser Stelle, Legenden entstehen werden. Was auf der Nordschleife in Sachen Besucher-Spektakel das Brünnchen ist, dürfte auf dem Bilster Berg die Mausefalle sein. Das Gefühl, dort einzufahren ist schlicht Gänsehaut pur! Man kommt zuvor über eine abfallende Linkskurve angefahren, macht einen Rechtsknick ganz eng am Kerb vorbei, bereits hier über eine Kuppe, gefolgt von einer Senke, es geht wieder leicht Bergauf und schon steht man am höchsten Punkt der Mausefalle. Der Blick schweift aus dem Seitenfenster nach unten auf der Suche nach dem Scheitelpunkt, auf der Suche nach dem Punkt, den man für die immer wieder gepredigte Blicktechnik fixieren muss. Das Auto entlastet schlagartig, treibt nach Außen und schon kommt man am tiefsten Punkt an. Unter heftiger Querbeschleunigung federt das Auto hart bis zum Anschlag ein, vorne rechts ist die Belastung am stärksten, bevor es dann wieder auf eine Gerade, das Steilstück, mit 21% Steigung den Berg hinauf geht, gespickt mit zwei satten Kompressionen, welche wiederum das Fahrwerk bis zum Anschlag fordern.

Bilster Berg, Mausefalle (C) Bilster Berg

Bilster Berg, Mausefalle (C) Bilster Berg

Nach der Mausefalle folgt wenig später noch eine traumhaft zu fahrende Kombination: eine gezogene Linkskurve unmittelbar gefolgt von einer scharfen rechts/links-Kombination, welche sich gut schneiden lässt, eng an den Kerbs. Macht man hier aber nur einen kleinen Fehler, ist die Linie verloren und der ganze Abschnitt nicht mehr zu retten.

Ja, die neue Rennstrecke des Bilster Bergs ist höchst anspruchsvoll und höchst unterhaltsam. Wie die Nordschleife, eine Strecke, die man kennen und kennenlernen muss, jede Menge blinde Kuppen, dennoch hohe Tempi und fahrerisch höchst anspruchsvolle Passagen. Das konnte man bereits daran feststellen, dass es durchaus Teilnehmer der Fahrveranstaltung gab, welche mit der Strecke überfordert waren, ins nichts fuhren, auf Grund der falscher Blickführung bei unübersichtlicher Streckenführung schwere Fahrfehler begingen oder in den nicht allzugroß bemessenen Auslaufzonen landeten und das Gras und den Kies umgepflügt haben. Ich bin jedenfalls drauf und dran, mir gleich noch einen Trackday-Termin für den Bilster Berg zu buchen und hoffe inständig, dass mich irgendeine Fahrveranstaltung dieses Jahr wieder in den Landkreis Höxter führt.. Sorry, dass ich selbst nur so wenige Bilder habe, dafür ,hoffe ich, gefällt euch mein kurzes Video von der Mitfahrt im SLS AMG 😉