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Le Mans 2014 – Mein Tipp auf den Sieger

Juni 10, 2014 Motorsport 15 Kommentare

Le Mans ist DER Langstreckenklassiker schlechthin. Dieses Jahr dürfte es wohl auch fraglos eine der spannendsten Ausgaben dieses Klassikers überhaupt werden. Und das nicht nur, weil nach 16 Jahren Abwesenheit Porsche wieder auf’s Parkett tritt. Dank Umfangreicher Änderungen am Reglement werden wir nämlich vor allem ein Rennen sehen, bei dem höchst unterschiedliche Antriebskonzepte gegeneinander antreten werden.  Und ich bin dieses Jahr auch das erste Mal live vor Ort!




Porsche 919 Technische Abnahme

Das neue Reglement für das Jahr 2014 sieht in Le Mans erstmals eine „Equivalence of Technology“ vor, also eine „Gleichwertigkeit der Technologien“. Konkret geht es dabei insbesondere um Antriebstechnologien. Ein Diesel beispielsweise arbeitet prinzipbedingt effizienter, als ein Ottomotor, wiegt aber konstruktionsbedingt auch meist mehr. Solche Unterschiede versucht das neue Reglement auszugleichen und stellt jedem Fahrzeug abhängig vom Antrieb eine gewisse Menge Energie (angegeben in Megajoule) zur Verfügung, die pro Runde verbraucht werden darf. Hierfür ist dann natürlich auch wieder der Energiegehalt des verwendeten Kraftstoffes relevant. Daraus ergibt sich eine maximale Durchflussmenge an Kraftstoff und eine maximale Tankgröße.

Audi's Siegmannschaft?

Das schöne hieran ist: in Bezug auf den Motor gibt es quasi keine Vorgaben. Weder Hubraum, noch Anzahl der Zylinder, Otto oder Diesel oder die Drehzahl – den Teams steht es frei, wie sie ihren Antrieb gestalten möchten. Lediglich der Ladedruck für aufgeladene Motoren wird auf maximal 4 bar festgelegt. Beim Speichersystem für Hybridmotoren hingegen besteht ebenfalls völlig freie Wahl: Akkus, Supercabs (Hochleistungskondensatoren) oder Schwungspeicher – ganz egal. Lediglich auch die maximale Energie, welche von den Hybridsystemen pro Runde eingespeist werden kann, wird reglementiert. Die Hybridfahrzeuge teilen sich dabei in Sub-Klassen mit max. 2 Megajoule, 6 Megajoule und 8 Megajoule pro Runde auf. Zum Verhältnis: 138,7 Megajoule Kraftstoffenergie stehen beispielsweise dem Audi R18 e-tron pro Runde insgesamt zur Verfügung.

Man kann sich also vorstellen, dass sich daraus einige spannende Konzepte ergeben haben. 3 Teams sind es im Grunde genommen, auf welche alle Augen gerichtet sein werden. Und jedes dieser 3 Teams fährt mit einem anderen Antriebskonzept. Die möchte ich euch hier kurz vorstellen und auch meinen Tipp für den Sieger bei den 24h von Le Mans abgeben. Wer es etwas detaillierter zu den Technologien und dem Reglement mag, der darf gerne meinen Countdown auf die 24h Le Mans 2014 lesen, den ich für die autorevue.at geschrieben habe.

Audi R18 e-tron quattro: V6-TDI mit Hybridantrieb

Seit dem Jahr 2000 stand nur 3 mal ein anderes Fahrzeug, als ein Audi auf dem Siegerplatz. Seit 2006 dominieren die Ingolstädter Le Mans mit ihren besonders effizienten TDI-Dieselmotoren. Kam damals noch ein 5,5-Liter-V10 zum Einsatz, ist es 2014 ein 4-Liter-V6 mit Hybridantrieb. Laut Audi verbraucht der neue Renn-TDI 40% weniger Kraftstoff, als der erste aus dem Jahr 2006 – bei ähnlich schnellen Rundenzeiten.

Audi R18 e-tron quattro

Audi tritt mit dem Dieselhybrid in der 2-Megajoule-Klasse an. Technisch gesehen gibt es keinen Grund, warum Audi dieses Jahr schlechter unterwegs sein sollte, als die Konkurrenz. Praktisch gesehen sollten sich allerdings die Effizienzvorteile des Dieselmotors durch die Equivalence of Technology aufheben. Audi hat gute Chancen auf den Sieg – ohne Frage. Der Überzeugung ist auch Lisa von hyyperlic.com. Wenn es nach ihr geht, macht der Audi R18 e-tron quattro mit der Startnummer #3 das Rennen.

Toyota TS040: V8-Hybrid-Saugmotor – belächelt, aber schnell

Toyota setzt wieder auf einen V8-Saugmotor in Zusammenspiel mit einem Hybridsystem. 3,7 L Hubraum, Hochdrehzahlkonzept. Dafür wurde Toyota im Vorfeld kräftig belächelt, die Entscheidung beim Saugmotor zu bleiben wurde von Experten kritisiert, gerade weil dieses Jahr zugunsten stark aufgeladener Turbomotoren auch eigens der Kraftstoff angepasst wurde. Bisher geht die Rechnung Toyotas allerdings auf: in den ersten 2 Läufen der WEC konnte man auch gleich 2 Siege für sich verbuchen, der 2. Toyota landete jeweils mit auf dem Podium. Neu zum Vorjahr ist der zusätzliche Elektromotor für die Vorderachse, der Toyota ist also damit auch temporär als Allradler unterwegs.

Toyota TS040 Hybrid

Wie auch im Vorjahr verwendet man Supercaps als Energiespeicher für den Hybrid der 6-Megajoule-Klasse. Die Performance scheint zu passen und die Technologie ist eher simpel ausgelegt – das könnte ein klarer Vorteil in einem Langstreckenrennen sein. Daher ist das in Köln bei Toyota Motorsport entwickelte Fahrzeug (der Motor kommt allerdings aus Japan) auch mein Siegfavorit für das diesjährige 24 Stunden Rennen! Ich tippe, der Toyota TS040 mit der Startnummer #8 (Anthony Davidson / Sebastien Buemi / Nicolas Lapierre) wird das Rennen machen. Und zumindest beim Siegerfahrzeug sind Tom von 1300ccm.de, Thomas von autokarma.de und ich uns einig: auch die beiden tippen darauf, dass ein Toyota das Rennen machen wird, allerdings gehen beide davon aus, dass die #7 den Sieg einfahren wird. Warum lest ihr aber besser bei Tom nach. Alex Wurz war letztes Jahr jedenfalls bereits 2. und hat schon zwei mal an der Sarthe gesiegt – Grund genug, dass Thomas daher vom Sieg der #7 überzeugt ist.

Porsche 919 Hybrid: V4-Turbomotor mit Hybridantrieb – und komplexer Technologie

Nach 16 Jahren kehrt Porsche mit einem technisch fulminanten Comeback zurück an die Sarthe. Der 919 Hybrid baut auf einem Vierzylinder-V-Motor auf, welcher 2 Liter Hubraum hat und mittels Turbolader unter Druck gesetzt wird. Das ganze Kombiniert mit einem Elektroantrieb für die Vorderachse. Die Energie hierfür wird in Lithium-Ionen Akkus gespeichert und einerseits aus der Bremsenergie, andererseits – und das ist das wirklich spannende an diesem Antrieb – aus der thermodynamischen Energie der Abgase zurückgewonnen.

Porsche 919 Hybrid - Skizze Antriebsstrang

Statt eines Wastegate, welches überschüssige Abgase am Turbolader vorbeileitet, werden die Abgase in eine zusätzliche Turbine mit angeschlossenem Generator geleitet und so in elektrische Energie umgewandelt. Technisch gesehen ein hochkomplexer Antrieb, den ich aber noch nicht für siegfähig halte. Der Leiter des Porsche-LMP1-Projektes, Alexander Hitzinger, sagt selbst, dass der Wagen zwar schnell, aber noch nicht in allen Potenzialen ausgereift sei. Für Bernd vom AWR Magazin ist das vor allem eine Herzensangelegenheit. An den Sieg glaubt er auch nicht wirklich, aber er hofft, dass die Zuffenhausener Mannschaft mit der Startnummer #20 das Rennen macht.

Und jetzt: her mit eurem Tipp!

Ihr seht, es wird ein spannendes Rennen. Dieses Jahr darf ich das erste Mal selbst live mit vor Ort das Geschehen verfolgen – und das direkt eine Woche vor den 24h vom Nürburgring… 😉

Aber auch ihr habt die Möglichkeit, das Rennen mitzuverfolgen. Auf der Website des Veranstalters gibt es eine umfangreiche Live-Berichterstattung inkl. Livestream, Ticker usw. Aber jetzt interessiert mich vor allem aber noch eines: was ist euer Tipp? Wer wird die 24h von Le Mans dieses Jahr für sich entscheiden? Ich bin gespannt, wie ihr die Situation einschätzt und freue mich auf eure Kommentare.

Text: sb
Bilder: Werk





15 Kommentare

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  2. Jens hat am gesagt:

    Tippe auch auf Toyota, auch wenn Audi natürlich der Favorit ist und Porsche als Underdog auch trumpfen könnte glaube ich, dass Toyota Motorsport den Titel heimfährt.

    • Porsche wäre wohl schon eine kleine Sensation. Wie du sagst.. Underdog 😉 Technisch und mit den Fahrern sollte alles stimmen, aber ich schätze, der 919 ist noch nicht weit genug…

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