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„Bloody Hell, was für ein Spaß!“ – Mit der „Elli“ auf der Nordschleife

Juni 28, 2013 Aus dem Leben eines Enthusiasten, Nürburgring Nordschleife 3 Kommentare

Das Wetter diesen „Sommer“ lässt ja mehr als zu wünschen übrig. Und ich wurde jetzt schon oft auf meinen Autokauf, die Erfüllung meines Kindheitstraumes, der Lotus Elise angesprochen. „So richtig Spaß hast du mit der ja noch nicht, oder?“. Und in der Tat – so richtig ausfahren konnte ich die kleine noch nicht. Aber bereuen? Nichts! Kein bisschen!




Lotus Elise Reifenwechsel

Und dann war ja auch noch der Umstand, dass die kleine erst einmal neue Gummis brauchte. Kein Problem. Dachte ich. Aber das recht exotische Reifenmaß, machte die Suche nicht unbedingt einfach. 195/50/15 vorne, 225/45/16 hinten. Ganz so einfach ist es nicht, in diesen beiden (!) Formaten passende und sportliche Reifen zu finden. Semis ja oder nein? Ich entschied mich gegen Semis. Klar, auf der Landstraße kein Ding, wenn es mal regnet, fährt man eben (sehr) langsam. Aber auf der Autobahn, Stichwort „Anreise Nordschleife“, sieht das dank Spurrinnen, Senken usw. etwas anders aus. Aber UHP, ein ausgewiesener Sportreifen, sollte es schon sein.

Die Toyo Proxes T1-R waren mir bereits von meinem Roadster bekannt. Funktionieren gut auf leichten Fahrzeugen, im Sommer, bei hohen Temperaturen, fangen sie aber auch extrem schnell das Schmieren an. Dann fielen mir die Toyo Proxes R1-R auf. Sportlicher ausgelegt, weniger Profil, höhere Belastbarkeit – wird gekauft! Ein wenig einweihen konnte ich die Gummis dann bereits auf einem Ausflug über die Tatzelwurmstraße hinunter nach Bayrisch Zell. Was für ein schönes Sträßchen! Aber die Nordschleife – die stand auf dem Programm.

Lotus Elise - Anreise zur Nordschleife

Und so zog es mich am 15. Juni – ich war gerade eine Stunde vom Bilster Berg wieder zu Hause – in die Eifel. Meine Freundin und ich packten schnell das nötigste, reservierten Fix ein Zimmer in Adenau und fuhren los. 550 km in der Elise. Nicht gerade in irgendeiner Form als „vernünftig“ zu bezeichnen, aber egal. Muss gehen. Spät am Abend kamen wir an. Morgens hat erst einmal noch der Jan-Wellem-Pokal die Strecke „blockiert“, um rund 14 Uhr ging es dann endlich los. Das Wetter? Bombig! Sonne pur (hat sogar schon wieder für Sonnenbrand gereicht).

Lotus Elise im Brünnchen

Schnell noch 4 Tickets gekauft und ab auf die Strecke. Die erste Runde: vorsichtiges Herantasten. Zu Groß ist der Respekt vor dem Mittelmotor und der damit einhergehenden hohen Massekonzentration um den Fahrzeugmittelpunkt – bei Haftungsverlust kann so etwas schon mal zickig sein. Und auch das Fehlen jeglicher Assistenzsysteme – vom Bremskraftverstärker über ABS, ESP und Airbags – lässt im Kopf immer noch einen Funken Selbstschutz aktiv. So fuhr ich insbesondere an schnellen Passagen, etwa an der Links zwischen Fuchsröhre und Adenauer Forst, noch sehr behutsam, bremste früh und tastete mich an die Haftungsgrenze heran. Wie ruhig bleibt die Elise wohl am Schwedenkreuz? Welchen Speed fahre ich das Kesselchen hoch?

Lotus Elise S1 Nordschleife by Martin Stollenwerk

So tastete ich mich Runde für Runde weiter nach vorne – leider im extrem dichten Sonntags-Verkehr der Nordschleife. Ab Runde 3 wurde das Vertrauen immer größer, hier und da habe ich die Elli auch schonmal etwas angestellt, die Einfahrt bergab ins Brünnchen auch schon mal ganz leicht quer genommen – Elli und ich, ja das passt, das wird ein eingespieltes Team! Untersteuern? Völlig fremd! Die Lenkung kann man problemlos immer weiter und weiter zuziehen, irgendwann kündigt sich über die Hinterachse der Grenzbereich an, das ganze aber weich und progressiv, gut zu kontrollieren. Der Unterschied zwischen warmen und kalten Reifen ist zudem auch drastisch in der Lenkung zu spüren. Je mehr Grip, desto mehr Kraft braucht man gerade in den langsamen, engen Ecken, wie Wehrseifen.

Lotus Elise S1 Nordschleife by Martin Stollenwerk

Aber, es war eine Riesengaudi! Zwischen Elli und mir ist das Bündnis hiermit besiegelt und sie hat ihre Feuertaufe hinter sich – ganz ohne Blessuren. Gut, an der Hinterachse muss ich die Höheneinstellung des Gewindefahrwerkes wohl noch einmal anschauen, denn (vermutlich) in der Ex-Mühle gab es hier leichten Kontakt zwischen Radhaus und Gummi. Die Reifen selbst leisteten gute Arbeit und hielten auch stand. Allerdings wurden sie, zumindest lässt die abschließende Profilanalyse diesen Schluss zu, doch etwas sehr warm. Das nächste Mal werde ich also auch noch ein wenig mit dem Reifendruck spielen.

Toyo Proxes R1-R - durfte hart arbeiten

Und die Zeit? Laut Video wohl irgendwas um die 9:12 – 9:14 bei dichtem Verkehr, einiger Unfallstellen und ein paar Mal langsam machen. Das geht doch für den ersten Tag in Ordnung und ich schätze, die 9 Minuten-Marke dürfte das nächste Mal fallen. Sorry übrigens für die miese Videoqualität, aber die Kamera war wohl mit den starken Schwingungen überfordert (daher dieser schwimmende Rolling-Shutter-Effekt) und das Mikrofon konnte sich mit dem Lärmpegel wohl nicht so ganz anfreunden. Das nächste Video gibt es mit Audiorecorder 😉

Lotus Elise Abend

Nach getaner „Arbeit“ ging es jedenfalls tiefenentspannt und zutiefst befriedigt auf den Heimweg. Und für mich ist eines sicher: die Nordschleife wird Elli und mich wiedersehen. Das Bündnis ist immerhin nun auch offiziell besiegelt:

Lotus Elise - Nordschleife

 

Und zu guter Letzt gibt es hier noch das Video in der schlechten Qualität 😉

© Fotos der Elise in Fahrt auf der Nordschleife von Martin Stollenwerk / tourifotos.de