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Elektromobilität ist im kommen – schleppend, aber spürbar. Letzten Monat kam Renault dafür ins Bloglight und immer mehr Hersteller bemühen sich, mehr und mehr Elektromodelle auf den Markt zu bringen. Bisher fehlt allerdings noch die Akzeptanz – über die Gründe mag man streiten.

Smart ForTwo electric drive

Auch Mercedes Benz ist fleißig daran, vollwertige Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen und ich durfte zwei davon fahren: die A-Klasse E-Cell und den Smart ForTwo electric drive.

So einfach kann Elektromobilität sein – Smart Fortwo electric drive

Angetrieben wird der Smart von einem 55 kW Elektromotor angetrieben, der 130 NM Drehmoment erzeugt. Einmal eingestiegen ist im elektrischen Smart nicht viel anders, als in einem gewöhnlichen Smart. Die einzigen Unterschiede: die Zusatzinstrumente auf dem Armaturenbrett beherbergen jetzt eine Anzeige, die den Fahrer darüber Informiert, wie stark gerade Energie verbraucht oder zurückgewonnen wird. Zudem gibt es am Schalthebel natürlich keine manuelle Gangwahl mehr, sondern nur: Stand, Vorwärts, Rückwärts – auch nicht schlecht, so kann man sich nicht am automatisierten Getriebe stören 😉

Smart ForTwo electric drive

Da ich ja – munkelt man – schon ab und an mal Smart gefahren bin, gibt es also nichts ungewöhnliches. Also: Zündschlüssel rein, umdrehen und… nichts. Ja, dieses Nichts bei Elektroautos ist noch ungewohnt. Rollt man dann erst einmal – nahezu geräuschlos – an, kann man sich gleich irgendwie für diese Art der Fortbewegung begeistert. Das liegt einerseits an der direkten und gleichmäßigen Leistungsentfaltung, andererseits fühlt sich im Stadtverkehr plötzlich alles viel entspannter an. Keine Ahnung wieso, aber es macht Spaß! Kennt man Smarts, merkt man, dass die ganze Elektrotechnik allerdings auch ein wenig Gewicht mit sich bringt: der Smart fühlt sich minimal schwerfälliger an, ist aber trotzdem noch flink, wie ein kleiner Stadtwiesel. Für den Stadtverkehr ist der Grad der Beschleunigung auch völlig ausreichend.

Smart ForTwo electric drive GangwahlschalterDie Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h – für gelegentliche Überlandfahrten in Ordnung, wenn man aber öfter außerhalb der Stadt unterwegs ist, dann doch ein wenig hinderlich. Da spielt vor allem aber auch die Reichweite mit ein: 140km, die angegeben werden, unterstreichen die Stadt als Einsatzgebiet des ForTwo electric drive. Für Überlandfahrten ist die Reichweite dann doch recht knapp bemessen. Dafür ist die Ladezeit angenehm kurz: regulär hat den Akku in 7 Stunden voll aufgeladen – hat man einen Schnelllader, ist der Akku in gerade einmal 2 Stunden aufgeladen. Das reicht also auch, um das Auto „mal schnell“ während dem Einkaufen anzuklemmen – sofern es da denn einen Schnelllader gibt. Apropos Einkaufen: Die Kofferraumgröße verringert sich beim Smart leicht  auf Grund des Akkus: der Kofferraumboden ist ein paar Zentimeter höher – nicht unbedingt nennenswert.

Smart ForTwo electric drive Instrumente

Mehr Power, mehr Platz, mehr Reichweite – A-Klasse E-Cell

Wenn man dann doch ab und an mal 4 Leute mitnehmen möchte oder auch mal etwas weiter fahren möchtet, bietet sich doch direkt die A-Klasse E-Cell an. Ausgestattet mit 70 kW (95 PS) Elektromotor und 290 NM (sic!) Drehmoment macht die A-Klasse ungeahnt viel Spaß. Um ehrlich zu sein: mit dem Ding in der Stadt von Ampeln lossprinten oder beim Spurwechsel mal fix auf’s Gas zu gehen macht sogar richtig Spaß! Zudem hört man in der A-Klasse auch im Unterschied zum Smart keinen Elektromotor. Regulär liegen übrigens nur 50 kW (68 PS) an. Am Gaspedal gibt es dann einen Kickdown-Schalter, der die volle Leistung freigibt – sofern Ladezustand, Batterietemperatur etc. das zulassen. Die ganze Technik für den Elektroantrieb wurde im Sandwich-Boden verstaut. Das hat den Vorteil, dass der Schwerpunkt schön niedrig ausfällt und vor allem Kofferraumvolumen und der Platz im Innenraum davon unberührt bleiben.

Mercedes Benz A-Klasse E-Cell

Zum Fahren – naja, es ist eben eine A-Klasse. Irgendwie hatte ich es mir im Elektroauto anders vorgestellt. Aber das heißt nicht, dass die Fahrt unter meinen Erwartungen blieb. Im Gegenteil – das Fahren mit der A-Klasse E-Cell hat sich so normal angefühlt, dass man sich tatsächlich vorstellen könnte, mit so einem Auto oft unterwegs zu sein. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auch die Reichweite von 200 km – das kann sich sehen lassen, soviel schafft selbst ein Nissan Leaf (in dem z.B. Marco oder Alex gerade unterwegs sind) nur ganz schwer. Und zu diesem wunderbar angenehm „normalen“ Fahrgefühl gesellt sich dann eben noch das tolle Ansprechverhalten und der kräftige Vortrieb des Elektromotors – das macht echt Spaß. Der Vortrieb endet übrigens bei begrenzten 150 km/h das reicht dann auch schon mal eher für die ein oder andere Autobahnetappe. Geladen wird die A-Klasse übrigens in 8 Stunden, bzw. 3 Stunden mit dem Schnelllader. Nettes Gimmick: der Ladezustand lässt sich per Handy bzw Internet kontrollieren und hängt das Auto an der Steckdose, kann man es vor Fahrtantritt vorklimatisieren lassen. Nette Sache, aber meiner Ansicht nach wieder ein wenig Kontraproduktiv, wenn man den ausschweifenden Energiekonsum der Menschheit betrachtet.

Schade, dass die A-Klasse bisher noch nicht in richtiger Serie gebaut wurde. Der Smart ForTwo electric drive hingegen soll ab diesem Jahr flächendeckend bestellbar sein. Seit ich inzwischen in München wohne, könnte ich mir jedenfalls wirklich gut vorstellen, mit so einem Elektroauto unterwegs zu sein. Achso, eine wichtige Sache sollte noch erwähnt sein:  mit der A-Klasse kam ich auf einen Testverbrauch von ca 18 kWh / 100 km. Dabei natürlich mit dem ein oder anderem Kräftigeren Beschleunigen dazwischen. Angegeben ist die A-Klasse mit 36 kWh Kapazität. Das würde also tatsächlich für 200 Kilometer reichen.

Smart ForTwo electric drive

E-Autos und die Kosten – eine Beispielrechnung

Jetzt packen wir mal noch eine kleine Beispielrechnung obendrauf: gehen wir von einem Strompreis von 25 Cent pro kWh aus, wir wollen ja immerhin auch grünen Strom tanken. Das macht also 4,50 Euro pro 100 Kilometer. Beim Laden muss man gute 30-40 % Ladungsverlust kalkulieren. Gehen wir mal von 40% aus (eine Angabe konnte ich leider keine finden), sind wir also bei ca. 25 kWh / 100km oder auch 6,25 Euro auf 100 Kilometern. Bei einem aktuellen kleinen Dieselfahrzeug mit rund 5 Litern Verbrauch käme man auf rund 7,50 Euro – je nachdem auch weniger. Rein vom Verbrauch ist mal elektrisch also auch jetzt schon etwas günstiger unterwegs. Zwar kommen weitere Kosten, wie Akkumiete (üblicherweise rund 80 Euro pro Monat) etc. hinzu, hat dafür aber wohl auch weniger mit verschleißbedingten Kosten zu kämpfen – vermute ich jetzt mal. Insofern fallen die Wartungskosten geringer aus, die deutlich niedrigere steuerliche Belastung nicht zu vergessen.

Egal – Elektromobilität wird kommen und kommen müssen. Und mir hat es Spaß gemacht, einen Nachmittag schon mal hier rein zu schnuppern, wie die Zukunft sich anfühlen könnte. Danke an die Mercedes Benz Niederlassung in München, für die Möglichkeit!


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Sebastian
Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

9 Kommentare

  1. Also der E-Smart ist als reines Stadtauto schon so recht sparsam. Als Elektrofahrzeug lässt sich da sicher noch mehr sparen. Interessant wäre hier ein direkter Vergleich über einen Zeitraum z.B. von einer Woche mit den tatsächlichen Ausgaben wie Sprit / Strom usw.

    Über den Kofferraum brauch man eigentlich wirklich nicht sprechen, immerhin ist der so schon recht klein und nach einer Kiste Bier ist da auch schon Schluss.

    • Sebastian
      Sebastian Antworten

      Durchaus, wäre mal ein interessanter Vergleich 😉 Mal sehen, ob sich da irgendwann in nächster Zeit auch mal etwas organisieren lässt 😉

      Klar, Kofferraum ist so oder so nicht der größter. Als größerer Einkaufswagen reichts 🙂

  2. Die Rechnung ist doch schon ganz gut. Jeder weiß selber was sein wagen an Sprit frist. Elektrofahrzeuge haben deutlich weniger schwankung also werden die 18kwh schon stimmen. Abweichungen entstehen hier nur durch extra Verbraucher wie Heizung oder Klima (oder 500Watt Soundanlage)

    Wartungskosten sollten übrigends günstiger ausfallen. Abgesehen vom Akku jedenfalls. Öl, Zündkerzen, Luftfilter, Zahnriemen wechseln entfällt. Keine Abgasanlage die verrosten kann vorhanden. Verschleiß von Bremsen gibt es natürlich weiter aber weniger da man die volle Motorleistung zur Rekuperation nutzen kann und damit die Bremsen kaum noch gebraucht werden.

    • Sebastian
      Sebastian Antworten

      Wer sich im E-Auto eine Mords-Audioanlage einbaut ist eh doof 😉

      Richtig, Wartungskosten sollten deutlich niedriger sein. Tesla Deutschland hat mir angeboten, in München mal bei einem Akku-Wechsel dabei zu sein, haut zeitlich aber leider nicht hin..

      Was vor allem ein spannender Faktor wird: bei einem E-Auto ist’s „egal“, wie der Vorbesitzer damit umgegangen ist. Im Kaltzustand treten, immer in den Begrenzer, Getriebe quälen… all das gibt’s nicht. Ich denke, die Motoren sollten ohnehin recht langlebig sein.

      Insofern… ich bin vor allem auf den Renault Zoe gespannt. Sieht super aus und verspricht ein echt gutes E-Auto zu werden für den Alltagsgebrauch.

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  7. Elektroautos können nicht die Zukunft sein!
    Die Batterien sind und bleiben ein Problem, denn die Herstellung, die Wiederaufbereitung und die Entsorgung belaten Natur und Umwelt zu sehr. Alternativen wie die Wasserstofftechnik sollten weiter ausgebaut werden! Überschüsse aus PV-Anlagen würden sich bestens dazu eignen, Wasserstoff umweltfreundlich zu produzieren!

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