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Der Relaxinator – Testfazit nach 2 Wochen Honda Insight

Juni 29, 2012 Fahrerlebnis 13 Kommentare

„Honda Insight – Relaxinator? Ja, ist der Bauer denn völlig bescheuert?“ denkt ihr euch jetzt vermutlich, oder? Ich habe echt ganz, ganz lange überlegt, welche Begriffe außer „Entschleuniger“ oder „pure Entschleunigung“ ich für die Überschrift verwenden kann, die trotzdem meine Intention treffen. Aber ich wollte das Wort „Entschleunigung“ einfach nicht benutzen – auch wenn es mir seit den ersten Kilometern im Insight durch den Kopf ging. Warum? Weil es auch Bjoern schon hinreichend benutzt hat für den Insight – da musste also was anderes her…

Honda Insight

Nun denn, etwas über 2 Wochen hatte ich den Insight nun in den Händen. Dabei gab es viel positives zu berichten, aber an der ein oder anderen Stelle musste der Insight auch Kritik einstecken. Er hat mir sehr gute Seiten an sich (und an mir) gezeigt und war ein tapferer Begeleiter – selbst dann, wenn man es mit ihm trieb, wie man es eigentlich nicht tun sollte. 2.256 Kilometer haben der Insight und ich zusammen zurückgelegt und dabei auch allerlei schönes gesehen, daher empfehle ich auch noch einmal einen Blick in die bisherigen Artikel.


Honda
Eine Übersicht aller bisherigen Insight Artikel habt ihr hier:

Innenraum und Verarbeitung

Dass der Insight ein stets angenehmer Reisebegleiter war, liegt wohl vor allem auch an der sehr wertigen Verarbeitung. Die aufpreispflichtigen Ledersitze sind sehr bequem – wenn ich das Gestühl für meine Körpergröße auch als ein wenig zu klein empfand. Aber auch sonst war im Innenraum alles sehr sauber und wertig verarbeitet – da blieb kein Wunsch offen. Bei längeren Fahrten gab es vor allem eine Sache, die ich als störend empfand: das relativ laute Abrollgeräusch der Dunlop-Pneus. Gerade ab 120 km/h war das sehr gut im Innenraum zu hören. Etwas mehr Dämmung der Radkästen wäre da wohl nicht verkehrt gewesen.

Schön Bunte Instrumente – nicht jedermanns Geschmack

Ansonsten habe ich mich im Insight pudelwohl gefühlt. Die Instrumente sind sehr gut abzulesen, alles lässt sich gut bedienen. Lediglich der Materialmix stieß bei manchen Mitfahrern auf wenig Gegenliebe und manchen waren auch die Anzeige-Instrumente zu bunt und zu verspielt. Mir dagegen gefiel das sehr gut. Und die Beschleunigungs- und Verzögerungsabhängige Tachobeleuchtung hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Verbräuche stets erfreulich niedrig ausfielen.

Honda Insight Cockpit

Das, Navi – argh, dieses Navi!

Die Audioanlage war okay – nichts besonderes, aber auch weit entfernt von dem Urteil „schlecht“. Sehr gut gefiel mir, dass die Wiedergabe von jedweden Quellen reibungslos funktioniert hat. Allerdings gab es auch hier einen Dämpfer: Bluetooth für die Freisprecheinrichtung ist vorhanden, zur Musikwiedergabe kann die Bluetooth-Verbindung dann aber leider nicht genutzt werden. Das Navi an sich habe ich ja in den vorigen Artikeln hinreichend kritisiert, was die Darstellung und auch die sehr optimistische Stauumfahrung angeht. Dafür, dass der Insight dieses Jahr erst ein Facelift bekam, hätte ich mir im Navi etwas mehr „Moderne“ gewünscht.

Und die Übersichtlichkeit?

Die Sicht nach hinten empfindet man tatsächlich als ein wenig eingeschränkt. Wenn man dann aber doch mal am Rangieren ist, fällt einem schnell auf, dass man mit dem Insight in jede Parklücke rein kommt – auch ohne die aufpreispflichtigen Rückfahrsensoren oder der Rückfahrkamera. Über die Spiegel ist der Insight nämlich extrem gut einzusehen, da er eine sehr geradlinige und kantige Form hat.

Fahrwerk und Antrieb

Der Antrieb ist ja der Punkt, um den sich beim Insight alles dreht – daher fange ich erst mal mit dem Fahrwerk an 😉 Der Insight ist – klar – kein Sportwagen. Er ist doch sehr komfortorientiert, das merkt man an dem ziemlich weich abgestimmten Fahrwerk. Schnelle Lastwechsel lassen das Auto zum Teil aufschaukeln und in Kurven knickt er spürbar in die Federn. Aber – das sei noch einmal betont – er ist eben auch kein Sportwagen. Ganz im Gegenteil lässt sich der Insight sehr ruhig, entspannt fahren – man kann mit ihm regelrecht dahingleiten bzw. „Segeln“. Denn für diesen Zweck empfand ich das Fahrwerk als sehr harmonisch abgestimmt. Auch bei höherem Autobahntempo – wenn man die Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h ausreizt – fährt sich der Insight völlig entspannt, gleitet über Unebenheiten und Bodenwellen sanft daher und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Das ihm anderweitig unterstellte „nervöse Heck“ bei starken Bremsungen konnte ich nicht nachvollziehen – da bin ich von meinem Megane RS ganz anderes gewohnt.

Honda Insight Heckansicht

Kein wilder Kurvensportler, aber auch keine behäbige Sänfte

Wenn man es dann mal etwas sportlicher mit ihm treibt, nimmt er einem das auch nicht völlig übel. Tendenziell mit einer Neigung zum Untersteuern lässt sich das Heck – dank der schweren Akkus im Heck und dem weichen Fahrwerk – problemlos zum Tanz auffordern. Eine sportliche Fahrweise wird daraus freilich nicht, das verhindert alleine schon das für diesen Zweck zu träge CVT. Für einen gelegentlichen Alpenausflug reicht es aber trotzdem. Und für den alltäglichen Einsatz ist es gerade diese Mischung aus angenehm weichem Fahrwerk, dem stufenlosen Getriebe und dem Hybridantrieb, die den Insight so fantastisch zu fahren macht.

Harmonische Antriebseinheit für (fast) alle Lebenslagen

Die Antriebseinheit – eine Kombination aus einem 1.3 Liter Benziner mit 65 kW (88 PS) und maximal 121 Newtonmeter Drehmoment und einem Elektromotor mit 10 kW (14 PS), der 92 Newtonmeter Drehmoment beisteuert – funktioniert im Alltag kurzum sehr gut. Im Stadtverkehr und auf der Landstraße kann man wunderbar mit- und auch vorbeischwimmen und man fühlt sich im Insight nicht untermotorisiert. An das stufenlose CVT Getriebe hingegen muss man sich erst einmal gewöhnen. Wer schon mal ein bisschen mehr an der Leistungsschraube seines Autos gedreht hat, fühlt sich anfangs an eine durchrutschende Kupplung erinnert. In der Kombination funktioniert das Zusammenspiel aber sehr gut und die Drehzahlen sind in der Stadt schön niedrig, so dass selbst der Stadtverkehr dem Verbrauch nicht viel anhaben kann.

Spritsparendes Segeln – kein Problem

Hat man dann nach ein paar Kilometern auch mal das richtige Gefühl raus, kann man den Insight in der Stadt sogar problemlos rein elektrisch bewegen – allerdings nur, solange man nicht beschleunigen will. Das Dahinrollen – Honda nennt das „Segeln“ – lässt sich nämlich wunderbar nutzen, um nach dem Anfahren bis zur nächsten Ampel mehr oder weniger gar keinen Sprit zu verbrauchen. Klar, komplett elektrisches Fahren in der Stadt wäre natürlich noch besser. Dafür baut der gesamte Hybrid im Insight aber auch sehr kompakt und vermeidet dadurch zu große Einbußen z.B. im Kofferraum.

Honda Insight Grass

Nervig wurde die Antriebseinheit lediglich beim sportlichen Fahren oder auf der Autobahn bei höherem Tempo. Wenn die Drehzahl, gefühlt zumindest, kontinuierlich auf der 6.000er Marke hängt und der Motor dann doch recht unangenehm zu den Ohren der Insassen durchdringt und sich mit aller Gewalt in deren Köpfe einzupochen versucht, kehrt man doch automatisch wieder zu ruhigerer Fahrt zurück.

Der Insight ist übrigens auch mit Schaltwippen ausgestattet, mit denen man im Zweifelsfall eigene „Fahrstufen“ in der stufenlosen Übersetzung wählen kann. Ganz ehrlich – für mich so nutzlos, wie ein Formel 1 Rennen in der Wüste. Einzig bei bergab Fahrt kann man in die „S“-Stufe wechseln, welche eine kürzere Übersetzung nutzt, um besser das Bremsmoment des Motors nutzen zu können. Da kann man dann auch mal per Schaltwippen eine möglichst niedrige Stufe wählen, um die Bremswirkung zu verstärken. Aber sonst habe ich die in den 2 Wochen nie genutzt – auch nicht beim Kurven räubern.

Verbrauch

Der Verbrauch des Insight lag bei mir nun über den gesamten Test hinweg bei bei erfreulich niedrigen 5,5 Litern auf 2.256 Testkilometer. Jeder, der mich kennt, weiß, dass das ein ziemlich guter Wert ist 😉 Aber dazu hat auch der „ECON“-Mode sicher einiges beigetragen. Der sorgt nämlich durch verschiedene Kniffe auch für eine Verbrauchssenkung: die Klimaanlage läuft weniger stark, wird mehr im Umluftmodus betrieben, ruppige Gaspedalbewegungen des Fahrers werden „geglättet“ und und und. Eine besonders tolle Sache fand ich aber, dass auch der Tempomat in diesem Modus völlig anders reagiert. Ist im normalen Modus die Gasannahme beim Tempomat recht „scharf“, wird im ECON-Modus nur sehr seicht beschleunigt. Und auch wenn es mal bergauf geht, wird die Geschwindigkeit nicht mit aller Gewalt ausgeglichen, sondern es gehen auch mal 3-4 km/h verloren, um nicht zu viel Gas geben zu müssen. Dieses Feature würde ich mir für mein Auto auch manchmal wünschen.

Honda Insight Rückleuchten

Fazit

Was bleibt also zum Schluss zu sagen? Mir ging während der Fahrt mit dem Insight immer wieder der eine Begriff durch den Kopf. Ich wollte ich auf Teufel komm raus vermeiden, weil er in diesem Kontext schon so oft benutzt wurde, aber ich kann einfach nicht anders: der Insight ist die reinste Form der Entschleunigung – auch Bjoern hat das so schon erkannt. Und das ist kein Blödsinn – in kaum einem Auto habe ich mich so wohl dabei gefühlt, einfach nur entspannt und vor allem gemütlich von A nach B zu kommen. Der Insight macht es einem einfach, beim Fahren zu entspannen und entspannt zu fahren. Und ja, der Insight hat auch mir echt Lust auf Hybriden gemacht. Würde ich ihn kaufen? Nein, das liegt aber auch ganz einfach daran, dass ich viel zu gerne sportlich unterwegs bin – zumindest jetzt noch. Würde die Sitzposition noch etwas mehr meiner Statur entsprechen, wäre der Insight ein Auto, dass ich durchaus gerne und oft fahren würde. Dem BMW 116i in unserem Firmenwagen-Fuhrpark würde ich ihn auf jeden Fall vorziehen und genau für solche Zwecke könnte ich mir den Insight „für mich“ sehr gut vorstellen.

Aber auch als entspannter Familien-Cruiser für den Alltag macht er eine sehr gute Figur. Der Insight war darüber hinaus übrigens auch meine erste Begegnung mit der Marke Honda und hat dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich freue mich schon auf die nächste!

Dass der Testwagen mit seiner umfangreichen Ausstattung und einem daraus resultierenden Preis von knapp 29.000 € natürlich weit von der magischen 20.000 € Grenze für Hybridfahrzeuge in der Klasse entfernt ist – sei’s drum. Ein faires Preis-/Leistungsverhältnis bietet er aber dennoch, zumal er einen sehr wertigen Eindruck hinterlässt. Mach’s also gut, lieber Insight, es war herrlich entspannend mit dir!

Technische Daten

Honda Insight Exclusive

Testwagenpreis:
28.720,00 €
Motor Bauart:
Reihenvierzylinder, Ottomotorm SOHC, sequentielle Doppelzündung (i-DSI), variable Ventilsteuerung (i-VTEC) + Elektromotor an CVT-Automatikgetriebe
Hubraum:
1.339 cm³
Leistung:
Ottomotor: 65 kW / 88 PS bei 5.800 U/Min
Elektromotor: 10 kW / 14 PS 
Drehmoment:
121 NM ab 4.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
182 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h):
12,4 Sekunden
Verbrauch städtisch / außerstädtisch / kombiniert:
4,5l / 4,2l / 4,3l Benzin
Testverbrauch:
5,5l / 100km bei 2.251 km
Leergewicht:
1.276 kg
Max. Zuladung:
374 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4,395m / 1,695m / 1,545m