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Zwischen zwei Welten: Jaguar XF-R kurz angetestet

August 14, 2012 Fahrerlebnis 11 Kommentare

Es gab eine Zeit, da hatte die britische Traditionsmarke Jaguar einen schweren Stand. Über die Ursachen kann man streiten. Meiner Meinung nach trugen aber gerade Modelle, wie der Jaguar S-Type dazu bei, dass die Marke Jaguar viel ihres besonderen Mythos einbüßen musste. Als Jaguar vor einigen Jahren den XF vorstellte, sollte alles anders werden. Erst behutsam wollte man die Kunden an das gewöhnen, was in den nächsten Jahren kommen wird und verfeinerte nach und nach die Konturen des XF, bis er diese bildhübsche Mittelkatzelimousine wurde, die in Gefilden von BMW 5er und Audi A6 auf Beutezug geht. Wenn sich auch viele Jaguar-Enthusiasten damit vor den Kopf gestoßen fühlten – der XF war eine der besten Dinge, die Jaguar passieren konnten.

Im Rahmen der Einladung an den Nürburgring bekamen wir die Gelegenheit den Jaguar XF zu fahren. Ich hatte mein Auge aber auf ein besonderes Modell gerichtet, das eigentlich nicht zur Fahrt zur Verfügung stand – und doch gewährte mir das Jaguar-Team eine Ausfahrt mit dem sportlichen Topmodell der XF Limousine: dem Jaguar XF-R.

Jaguar XF-R

Jaguar XF-R Heck

Ist die XF Limousine bereits ohnehin ein besonderer Ausdruck klassischen Designs, gepaart mit sportlich muskulösen Zügeln, ist der XF-R die reinste Kraftpackung. Nicht nur unter der Haube, wo der mit einem Kompressor zwangsbeatmete Fünfliter V8 darauf wartet, M5 und Konsorten zu zeigen, was britische Entschlossenheit bedeutet. Auch äußerlich besteht kein Zweifel daran, dass der XF-R, aller vornehmen Zurückhaltung zum Trotz, mächtig Kraft zum Marschieren besitzt. Innen wird das Auge von feinstem Gestühl in zweifarbigem Leder geschmeichelt, die Zierblenden auf dem Armaturenbrett geben eine sportliche Note wieder, edle Kontrastnähte in dezentem Braun zieren jegliche Kanten und der komplett mit Alcantara bezogene Dachhimmel sorgt für wohliges Ambiente, wie es bei der Queen im Wohnzimmer nicht besser sein könnte.

Jaguar XF-R Innenraum / Sitze

Mit einem Druck auf den rot-pulsierenden Startknopf wird das Kraftwerk unter der von Lufteinlässen mit der Aufschrift „Supercharged“ gespickten Motorhaube zum Leben erweckt, während sich Gangwahl-Drehschalter und die Lüftungsdüsen in einem herzerwärmenden Schauspiel in Betriebsposition fahren. Der mir nun bereits aus dem XKR bekannte Motor, welcher mit Leichtigkeit das dortige Treiben dominierte, übt sich im XF-R zuerst in Zurückhaltung. Ein seidenweicher, ruhiger Leerlauf lässt kaum erahnen, dass die acht Kolben bereits ihren Dienst verrichten. Ein Druck aufs Gaspedal macht allerdings sofort klar: diese Raubkatze ist auf dem Sprung und giert nach Beute. Auf geht die Jagd!

Jaguar XF-R Cockpit

Auf den kurven Landstraßen rund um die Nürburgring Nordschleife sind die Unterschiede zum XKR klar zu spüren: die zusätzliche Masse treibt den XF-R eher mal nach außen – trotzdem lenkt die Limousine flink und wendig ein und folgt jedem Richtungswunsch unverzüglich. Aber auch das Gripniveau an der Hinterachse ist deutlich höher und die Hinterräder ächzen erst vernehmbar später unter dem Übergang der Haft- in die Gleitreibung. Im Innenraum tut sich eine betörende Symphonie aus acht Zylindern auf: dieser Motor ist ein Meisterwerk. Welcher begnadete Ingenieur auch immer für die Klangkulisse dieses Triebwerkes verantwortlich ist, ihm gehört meine ganze Dankbarkeit. Der Motor dominiert mit seiner ausgeprägten Stimmfertigkeit nicht nur das Wesen des XKR. Auch der XF-R und seine gesamte Aura werden von diesem Getöse beherrscht. Der Vortrieb ist ebenso mächtig, denn wie auch im XKR verrichten 385 kW (510 PS) ihren Dienst und preschen mit einem Drehmoment von 625 Newtonmetern nach vorne. Trotz Aufladung ist keine Verzögerung im Ansprechverhalten zu spüren.

Jaguar XF-R

Leider aber ist das wilde Gefecht mit der bösen Raubkatze aus England schnell wieder vorbei – schließlich habe ich versprochen, mit diesem eigentlich nicht für Testzwecke vorgesehenen Fahrzeug, nicht zu lange weg zu bleiben. Aber es war eine fantastische Begegnung mit dieser besonderen Limousine, welche eine hervorragenden Spagat beherrscht zwischen dezent zurückhaltendem Business-Liner und sportlich aggressiver Raubkatze. Insbesondere das einmalige Klangbild, das wilde Fauchen – all das würde man einer solchen Limousine kaum zutrauen. Erst recht nicht einer, welche solch klassischen Linien aufweist. Und die Konkurrenz? BMW M5 oder Mercedes-Benz E63 AMG? Sicher fantastische Fahrzeuge, von denen ich mir gerne selbst ein Bild mache! Eines aber ist klar: diese Brücke zwischen zwei Welten, dem klassischen Auftreten und der sportlichen Raffinesse – das gelingt in der Form wohl nur dem Jaguar XF-R.

Jaguar XF-R

Disclosure: ich wurde von Jaguar ins Jaguar Test Center am Nürburgring eingeladen. Reisekosten und Verpflegung vor Ort wurden von Jaguar übernommen. Ich wurde für diesen Beitrag nicht bezahlt und gebe mit diesem Beitrag meine persönliche Meinung wieder.

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Natürlich waren auch andere Blogger vor Ort und sind den XF oder den XJ gefahren: