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Frischzellenkur für Klappdach-Bajuwaren: BMW Z4 Facelift getestet

April 25, 2013 Fahrerlebnis, Unterwegs 3 Kommentare

Die Baureihe der BMW Roadster mit dem „Z“ im Namen zeichnet eine spannende Historie aus. Namen wie Z1 oder Z8 sind für Roadster-Fans wohl Namen, welche bei vielen das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Mit dem Z3 gewann BMW auch puristisch veranlagte Fans für sich. Mit dem ersten Z4 folgte die Abkehr vom Purismus: mehr Komfort, mehr Gewicht. Der neue Z4 E89 stellte dann die Spitze des Eisbergs dar: ein Klappdach-Cabrio mit einem Gewicht jenseits der 1,5 Tonnen Marke. Ist das noch ein Roadster im Sinne des Erfinders? Das habe ich mir mit dem 2013er Facelift des BMW Z4 einmal genauer angeschaut.




BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Das Z4 Facelift ist bereits seit ein paar Tagen auf den Markt. Im März diesen Jahres erfolgte die Markteinführung des aufgefrischten Roadsters, dessen Neuerungen eher überschaubar geblieben sind: leicht abgeänderte Scheinwerfer mit integriertem LED-Lichtband und überarbeitete Kiemen an der Seite. Zudem wurde mit dem sDrive18i ein neuer Einstiegsmotor eingeführt – den gab es aber leider nicht zu fahren. Dafür – auch nicht schlecht – den sDrive35is mit einer Leistung von 250 kW (340 PS).

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In Sachen Form und Proportionen ist beim Z4 E89 alles gleich geblieben – warum auch ändern, was nach wie vor wunderschön aussieht? Ich war beim Z4 ohnehin schon immer ein großer Fan der besonders lang gezogenen Motorhaube, dazu die kraftvolle Seitenlinie. Der Z4 ist einfach ein optisches Highlight. Und das obwohl ich mich zuerst nicht ganz mit der Außenfarbe namens „Valencia Orange“, insbesondere bekannt vom BMW 1er M Coupé anfreunden konnte. Sieht man den Z4 damit aber erst einmal richtig in der Sonne stehen, gibt es kaum etwas schöneres. Auch der Innenraum kann in Sachen Style überzeugen. BMW-typisch darf man sich auf eine tiefe Sitzposition in sehr schön konturierten Sitzen freuen. Man fühlt sich sofort pudelwohl. Zeit für die Landstraße!

BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Auf dem Weg dorthin spielt der alt-bekannte Biturbo-Reihensechser schon jetzt sein volles Begeisterungspotential aus. Der Motor ist ein Traum. Punkt. Mit seinem heiseren Gebrüll, dem schier unbändigen Drehmoment, immerhin bis zu 500 NM im Overboost, dem wunderschönen Geknatter beim Wechsel vom Last- in den Schubbetrieb. Was soll man zu diesem Triebwerk noch weiter an Worten verlieren? Er geht fantastisch, er klingt traumhaft, er schluckt meisterlich – wenn man es denn will. Ein famoser Sportmotor.

BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Nicht ganz so famos ist der Z4 hingegen auf der Landstraße unterwegs. Gelassen mit ihm die Sonne genießen? Jederzeit gerne. Doch für die ganz harte Gangart weiß er sich nicht so recht zu begeistern. Man spürt die Masse und das hohe Gewicht. Erst nach einem kurzen Moment des Zögerns scheint er wirklich gewillt dem Richtungsbefehl des Fahrers zu folgen. Irgendwie seltsam, denn das am gleichen Tag gefahrene und deutlich schwerere BMW M6 Gran Coupé schien williger den Richtungswünschen des Fahrers zu folgen, von Übergewicht war kaum etwas zu spüren.

BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Das soll nun aber natürlich nicht heißen, dass der Z4 behäbig und schwerfällig um die Kurven geht. Im Gegenteil natürlich ist er auf der Landstraße zu Hause und das Fahrwerk arbeitet sich hervorragend souverän über Fahrbahnunebenheiten. Aber es ist alle eine Spur weniger direkt, als man es sich von einem Roadster wünschen würde – gerade wenn man Roadster mit Purismus verbindet. Dass BMW in der Ausrichtung aber auch bewusst zwischen „sportlich“ und „renn-sportlich“ unterscheidet, sieht man alleine beim Getriebe: während der M6 im Sportmodus die Gänge am Begrenzer hält, schaltet der Z4 nach einem kurzen Augenblick selbstständig hoch. Diese klare Trennung muss man nicht mögen, unterstreicht den Charakter aber sehr gut.

BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Aber sei’s drum, denn der BMW Z4 Roadster macht trotzdem viel Spaß. Das Facelift ist vielleicht mehr ein Alibi, um die Baureihe ins Gespräch zu bringen. Das macht aber nichts, denn was bereits wunderschön dasteht, muss man nicht auf Teufel komm ‚raus verändern. Und was schön fährt, fährt schön. Dass dem Z4 ein wenig des Purismus seiner Ahnen abhanden gekommen ist, ist schade, aber das liegt wohl einfach in der Ausrichtung des Z4 zu seiner Kundschaft. Er kann zügig, aber man führt ihn eher nicht auf der Rennstrecke aus. Macht nichts, denn sitzt man einmal drin und lauscht bei offenem Verdeck der Musik des Biturbo-Reihensechser, während man den ersten Sonnenstrahlen des Jahres entgegenfährt, kann man sich ohnehin kaum ein besseres Auto für den Sommer vorstellen.

BMW Z4 Roadster Facelift 2013

Technische Daten

BMW Z4 sDrive35is

Motor-Bauart:
BMW TwinPower Turbo mit zwei Turboladern und Direkteinspritzung (High Precision Injection)
Hubraum:
2.979 cm³
Leistung:
250 kW / 340 PS bei 5.900 U/Min
Drehmoment:
500 Nm bei 1.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
250 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
4.8 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
12.6 L / 6.9 L / 9 L SuperPlus (ROZ 98)
Grundpreis BMW Z4 sDrive35is:
57.600 €
Testwagenpreis:
68.620 €
Leergewicht:
1.600 kg
Max. Zuladung:
330 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.244 m / 1.790 m / 1.284 m