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Gewalt und Stil: Kurze Testfahrt im 2014 Jeep Grand Cherokee SRT

Juli 28, 2013 Fahrerlebnis, Unterwegs 9 Kommentare

Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, der nationalen Präsentation des Jeep Grand Cherokee für das Modelljahr 2014 beizuwohnen. Und natürlich gab es dort auch den kräftigsten Spross der Luxus-SUV Familie zu fahren: den SRT.




Jeep Grand Cherokee SRT

Mit dem neuen Jeep Grand Cherokee will man kräftig Gas geben und dem bisherigen Aufwärtstrend der Marke noch mehr Schwung mitgeben. In den letzten drei Jahren hat die Marke für hochwertige SUV ein sattes Plus von 100% weltweit und ganze 300% alleine in Deutschland hingelegt. Das, was man bisher im Portfolio hatte, konnte so schlecht also gar nicht sein – einen Eindruck davon bekommt ihr auch bei veight, wo Fabian und Stefan den „alten“ Grand Cherokee SRT8 gefahren sind. Die Zutaten, welche das Modelljahr 2014 des Grand Cherokee bestens für weiteres Wachstum wappnen sollen, lesen sich nicht schlecht: eine neue 8-Gang-Automatik von ZF, ein runderneuertes Infotainment-System, ein stylisches 7″-Display als zentrales Element des Kombiinstrumentes und eine große Auswahl hochwertiger Materialen, sowie eine Armada moderner Assistenzsysteme.

Und auch optisch hat der Grand Cherokee, zumindest meiner Meinung nach, das Zeug, diesen Aufwärtstrend fortzusetzen: in der Front findet sich der typische, siebenteilige Jeep-Grill, welcher nun etwas flacher ausgelegt wurde. Umrahmt wird er von zwei sehr schön gestylten Frontscheinwerfern mit einer Lichtsignatur in Form eines liegenden U, sowie einem darunterliegenden zusätzlichen Tagfahrlicht. Die Front sieht wirklich sehr gelungen aus – man bleibt seiner Linie treu, ohne auf moderne Elemente zu verzichten.

Jeep Grand Cherokee SRT

Auch Innen eine solide Vorstellung: Materialien und Verarbeitung gefallen auf Anhieb – ob das optionale offenporige Holz, welches sich in manchen Ausstattungen findet, das lackierte Carbon der SRT-Variante oder auch das optional den gesamten Innenraum bedeckende Nappa-Leder mit fein gearbeiteten Kontrastnähten. Hut ab, so mag ich das! Und auch hier kann man ruhigen Gewissens attestieren: „Do scheppert nix!“

Jeep Grand Cherokee SRT

Optional gibt es im Jeep übrigens sogar Rear-Seat-Entertainment, HDMI-Eingang und ein hochwertiges Harman-Kardon Soundsystem. HDMI Eingang? Richtig, das Ding, das man bei allen deutschen Premiummarken bisher schmerzlich vermisst. Zentrales Element im Innenraum ist das UConnect-getaufte Infotainment-System, welches über einen großen 8,4″-Bildschirm auch einen großen Teil der Steuerung des Fahrzeuges übernimmt, wie z.B. Klimaanlage, Sitzklimatisierung. Das hat den Vorteil, dass die Zahl der Schalter auf der Mittelkonsole angenehm gering gehalten ist. Genau dieses System habe ich schon im Konzern-Bruder, dem Lancia Thema sehr gelobt. Die Bedienung geht gut von der Hand, hat aber nach wie vor mit einigen übersetzungsbedingten Hürden zu kämpfen.

Jeep Grand Cherokee SRT

Genug aber der Nebensächlichkeiten, schließlich will der 6,4-Liter HEMI V8 auch gefahren und nicht nur im Stand bewundert werden. Downsizing? Aufladung? Pah, alles Spielereien, die man der Konkurrenz überlässt. Der FIAT-Konzern ist groß und mit Zweizylindermotoren bei Fiat 500 & Co., gibt es schon genug Sparfüchse, welche die CO2-Konzernbilanz ausbaden müssen und damit genug Luft lassen für einen dicken, fetten V8, der noch ganz aus eigener Kraft Ansaugluft in die Brennräume atmen darf. Und dass er das mit großem Eifer und Begeisterung macht, tut er auch akustisch dem ganzen Umfeld kund. 344 kW (468 PS) und ein Drehmoment von 624 NM entfesselt der Smallblock, sobald der Pilot das Pedal ans Bodenblech nagelt. Das fast 2,5 Tonnen schwere Dickschiff beschleunigt dann in 5 Sekunden auf Landstraßentempo. Die neue ZF-8-Gang-Automatik spielt dabei den optimalen Sparringpartner. Die Gangwechsel erfolgen souverän, präzise und ohne jegliche Verzögerung. Mit einem lauten und kräftigen Schnauben wird dieses Schauspiel zusätzlich akustisch untermalt. Nur die Schaltwippen stören hierbei: sie sind schlicht zu kurz und haben nur einen kleinen „Zipfel“ nach oben vorzuweisen.

Jeep Grand Cherokee SRT

Bei sportlicher Fahrt, wechselt man im 7″-Display des Kombiinstrumentes am besten in den SRT-Modus, so kann man stets daran erinnern lassen, dass man gerade 2,5 Tonnen Masse mit einem Schwerpunkt, welcher wohl höher Liegen dürfte, als die Dachkante eines Elfers, mit einem G um die letzte Kurve geworfen hat. Der Jeep Grand Cherokee SRT gript erstaunlich und auch das adaptive Fahrwerk Quadra-Tec Fahrwerk sorgt dafür, dass diese Masse mit weniger Wankneigung bei gleichbleibend hohem Grip um Kurven wieselt, als es physikalisch eigentlich möglich sein sollte. Der permanente Allradantrieb mit variabler Drehmomentverteilung und elektronisch geregelter Differenzialsperre an der Hinterachse lässt zudem kaum Schlupf beim Beschleunigen aufkommen – auch nicht auf feuchter Fahrbahn.

Jeep Grand Cherokee SRT

Bei konsequenter Fahrweise ist das Vergnügen dann aber auch schon recht bald wieder vorbei. 25 Liter fließen durch die Brennräume, da kann die Zylinderabschaltung Brennräume stilllegen wie sie will. Aber nein, das ist gar nicht die Ursache für ein kurzes Fahrvergnügen, im Gegenteil: der Grand Cherokee kommt sogar mit einem 93 Liter Tank an den Start. Das sorgt für hohe Reichweiten, dafür aber umso mehr Schmerz an der Tankstelle. Nein, der SRT hat trotz des prestigeträchtigen Namens „Brembo“ ein gewisses Problem mit dem Verzögerungswillen. Gehen die ersten 4-5 Kurven noch gut klar, wird spätestens ab hier Fading und ein deutlich nachlassender Pedaldruck spürbar. Der ohnehin schon nicht besonders klar definierte Druckpunkt im Pedal weicht immer mehr einem teigigen Etwas, die Bremsscheiben erscheinen in kunterbunten Farben und machen mit ihrer Rauchentwicklung klar „jetzt ist auch mal wieder Schluss“.

Jeep Grand Cherokee SRT

Fazit

Und das holt uns wieder knallhart auf den Boden der Realität zurück: 2,5 Tonnen sind eben 2,5 Tonnen. Die können zwar forsch und engagiert bewegt werden, allzu konsequent wollen sie aber nicht verzögert werden, zumindest nicht hintereinander. Offen gesprochen ist das aber wohl auch nicht zu dramatisch, Ottonormalfahrer dürfte alleine die Vorstellung der nächsten Kurve in Verbindung mit der bewegten Masse einen gedanklichen Klotz unters Gaspedal legen und die abzubauende Geschwindigkeit im erträglichen Rahmen halten. Davon ab bekommt man mit dem Jeep Grand Cherokee SRT ein beeindruckendes Fahrzeug, das alleine mit seiner Präsenz für Respekt sorgt und sich in Sachen Ausstattung und Materialien keinen Patzer erlaubt, zumal der SRT ohnehin nahezu mit Vollausstattung daherkommt. Setzt man das jetzt noch ins Verhältnis mit den gerade einmal 76.900€, die hierfür fällig sind, bleibt einem eigentlich nur ein respektvolles Staunen. Und wer auch mit etwas weniger zufrieden ist, der kann sich ja auch noch einen kleineren HEMI-V8 oder einen der V6-Motoren gönnen. Den Benziner kennen wir bereits aus dem Thema, der Diesel wurde noch einmal runderneuert und leistet nun 190 bzw. 250 PS. Los geht es dann bereits ab 45.000€ – ein beeindruckendes Price-Tag für ein erstaunliches Auto. Da ich mich auf mangels Zeit vor allem dem SRT gewidmet habe, lest ihr am besten bei meinen Kollegen über die „normalen“ Modelle, wie etwa Bjoern, der auch über den Grand Cherokee mit 3.0 Liter Diesel geschrieben hat.

Jeep Grand Cherokee SRT

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Technische Daten

Jeep Grand Cherokee SRT 6.4L HEMI V8

Motor-Bauart:
6,4L V8 HEMI mit elektronisch, sequentieller Multipoint-Einspritzung und variabler Ventilsteuerung mit Zylinderabschaltung
Hubraum:
6.417 cm³
Leistung:
344 kW / 468 PS bei 6.250 U/Min
Drehmoment:
624 Nm bei 4.100 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
257 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
5 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
20.7 L / 10.1 L / 14.0 L Benzin (ROZ 91)
Grundpreis Jeep Grand Cherokee SRT 6.4L HEMI V8:
76.900 €
Testwagenpreis:
77.500 €
Leergewicht:
2.458 kg
Max. Zuladung:
491 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.846 m / 1.954 m / 1.749 m

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von der Fiat Group Deutschland nach Wörth am Main eingeladen. Reisekosten und Verpflegung wurden von der Fiat Group Deutschland übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.