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Wer sich auf die Suche begibt, für um die 10.000 Euro einen Neuwagen zu erstehen, hat einerseits eine sehr überschaubare Auswahl und andererseits kaum eine Möglichkeit, große Sprünge zu machen, sprich: derart viele Hakerln im Konfigurator zu setzen, dass sich der Kaufpreis schnell verdoppelt, will man in diesem Segment eher verkneifen. Also braucht’s ein rundes Gesamtpaket, dass auch bereits den Namen verdient, ohne es mit einem Haufen Geldscheine erst zu einem solchen machen zu müssen. Genau das will der frisch aufgelegte Mitsubishi Space Star sein, mit dem ich loszog, um Kibbeling zu essen.

Neuer Mitsubishi Space Star, Citrin-Gelb Metallic, Atoll-Blau Perleffekt, Titan-Weiß Premium-Metallic und Amarena-Rot Metallic
Neuer Mitsubishi Space Star in Amarena-Rot Metallic, Citrin-Gelb Metallic, Titan-Weiß Premium-Metallic und Atoll-Blau Perleffekt (v.l.r.)

Basisarbeit für 10.000 Euro

9.790 Euro. Soviel kostet die Basisversion des Mitsubishi Space Star. Nicht viel Geld, für welches es eine faire Menge Auto geben soll. Der Testwagen kommt freilich nicht ganz nackt daher, sondern ist in der zum Marktstart verfügbaren Intro Edition für 11.790 Euro vorkonfiguriert. Dazu findet sich noch das ein oder andere Extra, wie die Metallic-Lackierung in Citrin-Gelb (490 Euro und jeden Cent wert!) und das 7-Zoll-Infotainmentsystem mit TomTom-Navigation, AndroidAuto- und Apple CarPlay-Unterstützung. Serienmäßig wird die Intro Edition durch Klimatisierung, Regen- und Lichtsensor, MP3-Radio, 4 Lautsprecher und Funkfernbedienung zu einem überschaubaren, aber sehr sinnvollen Paket geschnürt, das für das reine Mobilitätsbedürfnis mehr als ausreicht. Für den Testwagen sind in Summe 14.364 Euro fällig. Das sind immerhin stolze 50% Aufpreis. Wenn man den Preis auf relevante Extras reduziert und nur noch Navi und Lackierung im Paket lässt, sind es nur noch 13.339 Euro, was durchaus fair erscheint. Ob es das auch ist, wird sich aber auf der Straße zeigen müssen.

Der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum darf nun das erste Mal erwachen. Das heutige Ziel: die Nordseeinsel Texel, denn dort gibt es den wohl besten Kibbeling in den ganzen Niederlande. Vorher will aber erst einmal die Stadt verlassen werden. In Amsterdam mit einem Auto unterwegs zu sein, kann man sich in etwa so vorstellen, wie die Fahrt durch einen dichten Schneesturm, mit dem Unterschied, dass Rad- und Rollerfahrer statt Schneeflöckchen auf Dich zuschießen. Während ich mich freue, dass der Space Star mit seinen kompakten Abmessungen (1,67 Meter breit und 3,85 Meter lang) eine erhebliche Erleichterung für das enge Getummel in den Amsterdamer Grachten ist, schießt an einer Kreuzung rechts auf der Innenseite ein Rollerfahrer mit erschreckender Schräglage und vollem Einsatz an mir vorbei. Gut, dass der Space Star so kompakt ist, schade, dass die C-Säule dennoch einen recht großen Teil der Sicht in die hinteren Ecken bedeckt, denke ich mir hier bei all den Zweirädern, die rund um einen herum schwirrend unmissverständlich als die Hauptnutzer des Verkehrsraumes erkennbar sind.

Immerhin hat Amsterdam den Vorteil, dass Du schnell auf der Autobahn bist und mit der Fahrt gen Norden, bleibt das erste Mal Zeit, sich auch mit dem Inneren des Space Star zu beschäftigen. Platz wird hier reichlich geboten, nicht nur in Form zahlreicher Ablagemöglichkeiten (beispielsweise sei das praktische Ablagefach im Beifahrerarmaturenbrett erwähnt), sondern auch für den Fahrer. Denn obwohl das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist und der Sitz nur längs und in der Rückenlehne verstellt werden kann, finde ich eine recht angenehme Sitzposition. Sicher, mit meinen 1,89 Metern kratze in der Grenze dessen, was sich im Space Star bequem auf dem Fahrersitz platzieren lässt. Doch die bequemen Sitze und das gerade noch gut passende Ergonomiedreieck aus Pedalen, Lenkrad und Sitz passen gut zusammen und selbst hinter dem Fahrersitz finde ich in dieser Sitzeinstellung noch angenehm Platz.

In Sachen Verarbeitung fallen kaum Schwächen auf. Weder klappert im Testwagen irgendwas, noch muss man sich vor nicht entgrateten Kunststoffen fürchten, die beim Griff in die Falsche Ecke die halbe Hand zerschneiden. Natürlich ist das Kunststofflenkrad nicht allerfeinst und die Oberflächen sind nicht aufgeschäumt, es schaut trotzdem alles solide aus und fasst sich angenehm an. Den Preis merkt man höchstens daran, dass neben den schlicht gestalteten aber gut ablesbaren Rundinstrumenten eine Blende darauf hinweist, dass an dieser Stelle auch ein Motor-Startknopf sitzen könnte und dass die Freisprecheinrichtung eher zweckmäßig im Dachhimmel integriert wurde.

Drosselklappen auf Durchzug

Auf der Autobahn gibt sich der Space Star erstaunlich angenehm im Geräuschkomfort. Der Dreizylindermotor knurrt angenehm von vorn, Wind- und Fahrtgeräusche bleiben für die Fahrzeugklasse aber auf angenehm niedrigen Niveau – und das trotz eines kräftigen Sturmtiefs, welches den kleinen 71-PS-Motor kräftig schwitzen lässt. Überhaupt ist der an ein Fünfganggetriebe gekoppelte Benziner nicht gerade der fahraktivste Motor, den man sich so wünschen kann. Selbst im Stadtverkehr steht die Drosselklappe gefühlt 90% der Zeit auf Durchzug, Teillastphasen sind eher die Seltenheit. Auf der Autobahn stemmt sich das kleine Triebwerk mit voller Kraft gegen den Wind, nur, um mit voll durchgedrücktem Gaspedal die 130 km/h Marke halten zu können. Sicher, dieser starke Gegenwind ist wenig repräsentativ und er kann auch flotter, verlangt dann aber nach niedrigeren Gängen und vor allem nach Drehzahl. Umso erfreulicher, dass der ganz klassisch frei saugende Saugrohreinspritzer auch bei hoher Last kaum mehr als 5,5 Liter anzeigt. Wer häufiger auch mal außerhalb der Stadt unterwegs ist, dem sei unbedingt der 1,2-Liter-Benziner mit 80 PS ans Herz gelegt, der sich deutlich spritziger und lebendiger anfühlt. Die Ironie: in Kombination mit dem stufenlosen Getriebe (CVT), wirkt er im Stadtverkehr noch um ein vielfaches entspannter. Das CVT macht einen wirklich guten Job und trägt zum angenehmen Gefühl in der Stadt erheblich bei, kostet allerdings auch 1.100 Euro Aufpreis.

Trotzdem: Mit dem Motor hat der Space Star schon fast ein Alleinstellungsmerkmal für sich. Denn immer mehr Hersteller streichen die Kleinstwagen mit konventionellem Verbrenner zusammen. Während der VW up! und der Skoda Citigo nur noch als Elektroautos zu bekommen sind, hält Mitsubishi zumindest bei ihrem Micro am Verbrenner fest und bieten damit eine gute Alternative für die Menschen, die ein günstiges Auto auch eher mal auf längeren Strecken bewegen müssen.

Meine Autobahnetappe neigt sich dem Ende zu und die letzten 30 Kilometer geht es über Landstraßen – in Holland also: schnurstracks geradeaus – weiter nach Den Helder, wo sich der Verbrauch inzwischen im Bereich von 4,5 Litern eingependelt hat. Von Den Helder bringt einen die Fähre rüber nach Texel und im Bauch ebendieser Fähre fällt mir wieder auf, wie gut dem Space Star diese auffällige Farbe steht. Überhaupt schaut der Space Star innerhalb der Klasse der eher pragmatisch gezeichneten Kleinstwagen alles andere als langweilig aus. Dass er das „Dynamic Shield“-Markengesicht verpasst bekam, sorgt zwar für etwas mehr Länge, steht dem Kleinen aber sehr gut, ebenso wie die dynamische Heckansicht mit weit herausgezogenem Dachspoiler, markantem Stoßfängerdesign und einem angedeuteten Diffusor, der so manchen Sportwagen vor Neid erblassen ließe.

Auf Texel angekommen darf der Space Star das erste Mal das durchfahren, was man hier oben im Norden Kurven nennen dürfte. Dort beugt er sich zwar auch kräftig zur Kurvenaußenseite, dank des etwas weicheren Fahrwerks mit ausreichend Negativfederweg, ist aber stets voller Kontakt zur Straße gegeben. Der kleine Japaner fährt hier sogar recht lebendig und flott um die Kurven und lässt sich sicher und stabil bewegen. Die etwas seltsam ansprechende elektromechanische Servolenkung ist in den Kurven schnell vergessen. Auf den Geraden machte sie sich noch mit einer etwas verzögerten Lenkunterstützung bemerkbar, die erst dann anspricht, wenn eine gewisse Lenkkraft überschritten wird, in Wechselkurven ist diese Eigenart aber kaum wahrnehmbar.

Fazit

Nachdem ich mit dem Space Star noch ein paar Fotostopps auf Texel einlege, kommen wir schließlich in Oudeschild am Ende dieser Reise an. Inzwischen ist der Verbrauch auf Grund der etwas sportlicheren Kurvenfahrerei zwar wieder auf 4,8 Liter angestiegen, kann sich aber dennoch sehen lassen. Auch nach über 2 Stunden zwickt nichts und Kritik gibt es nur wenig: da wäre vielleicht die Anbringung des Mikrofons für die Freisprecheinrichtung, der etwas müde Motor (hier gibt es mit dem 1.2er Abhilfe) und dass der USB-Anschluss recht wenig Saft liefert, um mein P30 Pro mit Android Auto zu betreiben UND zu laden. Trotzdem: Ich steige entspannt aus dem gelben Japaner aus, der – farblich passend – vor dem ebenfalls gelben „Oude Vismarkt van Texel“ geparkt steht und ich komme ins Grübeln: Rund 12.000 Euro für einen Kleinwagen, welcher Jungen und Alten Menschen problemlose Mobilität erschwinglich zugänglich macht.

Urlaub? Klar, geht damit ganz offensichtlich auch und sowohl im Stadt-, wie auch im Landverkehr lässt es sich damit angenehm fahren. Eigentlich braucht’s mehr zum Mobilsein nicht, alles weitere ist dann halt doch auch irgendwie: Spielerei. Luxus. Jetzt, hier auf Texel, wo es allerlei fischigen Leckereien aus der Nordsee gibt, bleibt’s für mich zwar nur bei einer Portion Kibbeling und einer Cola. Aber Luxus? Naja, das kann auch bedeuten, dass man sich im Urlaub mehr der schönen Dinge gönnen kann, weil Dir weder die Anschaffung Deines Fortbewegungsmittels, noch die Kraftstoffkosten den letzten Cent aus der Tasche gezogen haben. Genau das macht er möglich, der Space Star – und das ganz ohne das Gefühl zu haben, „billig“ unterwegs zu sein. Denn billig ist bekanntermaßen nicht das selbe, wie günstig. Und erst recht nicht gut und günstig.

Mitsubishi Space Star Citrin-Gelb

Mehr zum Mitsubishi Space Star:

Fotos: sb
Text: sb

Technische Daten

Mitsubishi Space Star Intro Edition 1.0

Motor-Bauart:
Dreizylinder DOHC mit MIVEC Technologie und ECI-MULTI Saugrohreinspritzung
Hubraum:
999 cm³
Leistung:
52 kW / 71 PS bei 6.000 U/Min
Drehmoment:
88 Nm bei 5.000 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
172 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
15.7 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
5.2 L / 4.0 L / 4.5 L E10 (ROZ 95)
Grundpreis Mitsubishi Space Star Intro Edition 1.0:
9.990
Testfahrzeugpreis:
14.364
Testverbrauch:
4.8 Liter / 100 km über 289 km
Leergewicht:
990 kg
Max. Zuladung:
430 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
3.845 mm / 1.665 mm / 1.505 mm

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Mitsubishi nach Amsterdam eingeladen. Reisekosten, Verpflegung und Übernachtung wurden von Mitsubishi übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

Mehr Sachen mit Kleinstwagen drin



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Sebastian
Autor

Gründer und überwiegender Texter hinter passion:driving. Leidenschaftlicher Car-Nerd, immer auf der Suche nach dem Rande des Kammschen Kreises und viel zu häufig auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs. Anglophil veranlagt, liebt britische Sportwagen und fährt eine Lotus Elise S1, um das eigene, eher nachteilige, Leistungsgewicht wieder auszugleichen. Neben passion:driving schreibt er als freier Autojournalist (Mitglied im Verband der Motorjournalisten) auch für die heise autos und andere Publikationen.

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