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Drehzahlfest: Ausritt im Renault Clio RS Cup

März 27, 2012 Fahrerlebnis 9 Kommentare

Renault Clio RS FrontansichtDer Ausritt mit dem Clio RS ist bereits einige Zeit her, ich kam jetzt erst dazu das ganze in Worte zu fassen. Leider hatte ich nur noch Bilder vom Showroom-Fahrzeug über, aber sei’s drum. Das Wortspiel im Titel hingegen ist durchaus beabsichtigt: der Motor des Clio RS ist nicht nur drehzahlfest, nein! Es ist ein Drehzahlfest, dem wilden Clio seine knapp 8.000 Umdrehungen pro Minute abzuverlangen!

Dass Renault Sport weiß, wie man wilde Klein- und Kompaktwagen baut, ist nichts neues. Daher – und weil sich die Baureihe des aktuellen Clio auf der Zielgerade befindet und der aktuelle RS der letzte Sauger gewesen sein wird – war die Ausfahrt mit dem kleinen Franzosen ein echtes Highlight.




Viel Spaß für wenig Geld… wirklich?

Es gibt wenige Autos, die für verhältnismäßig kleines Geld, ganz großen Spaß machen. Bei vielen dieser seltenen Vertreter kommt es durchaus auf den Einsatzzweck an. Ein Smart macht in der Stadt durchaus Spaß, ich finde die kleinen Dinger spaßig und in der Stadt einfach unglaublich praktisch. Aber wie sieht es aus, wenn es um Sportlichkeit geht? Schaut man sich die Modellpalette von VW, Opel und Ford etwa an, muss man für Sportlichkeit im Kleinwagenformat eine ganze Stange Geld auf den Tisch blättern. Der Clio RS kann da ganz klar punkten, sind doch 201 PS (148 kW) bei 20.000 Euro geboten – oder ist das doch nur eine Mogelpackung?

Genug Fragen gestellt, lassen wir Taten sprechen! Da steht er also vor mir, dieser kleine giftige Zwerg in einem Gelb-Metallic, ja fast schon Gold-Metallic, das einem regelrecht die Sprache verschlägt, selbst wenn man keine gelben Autos mag – wer hört sich schon gerne irgendwelche Postauto-Witze von den Kumpels an? Aber nicht nur die Lackierung, sondern auch die imposante Statur mit welcher der Clio um Aufmerksamkeit ringt, weiß zu begeistern: weit ausgestellte Radhäuser, titangraue Alufelgen hinter denen sich die roten Bremssättel der Brembo-Bremsanlage des Cup-Paketes verstecken, ein schwarzer Diffusor unter dem Heck und ein Spoiler im Frontgrill. Schön steht er da und ich freue mich schon mit dem klobigen Schlüssel ins Fahrzeuginnere zu gelangen, um es mir auf den wohl geformten gelb-schwarzen Recaro-Schalensitzen bequem zu machen.

Aussen hui, innen – naja!


Der sportlichen Eindruck, den der Clio von außen macht, setzt sich auch im Innenraum fort. Allerdings würde man sich ausgerechnet hier durchaus etwas mehr Liebe zum Detail wünschen, die ein Auto von innen gemütlich macht. Dafür passt die Funktionalität und dank der umfangreichen Einstellmöglichkeiten von Lenkrad und Sitz, finden sich für mich und meine Freundin (ich 1,90m, sie 1,58m) beiderseits gute Sitzpositionen. Trotzdem sieht man hier natürlich die Auswirkungen des niedrigen Preises. Während es bei der Konkurrenz Premium-Soundsysteme, Klimaautomatik, zum Teil schon Fernlichtassistent und sonstige Extras gibt, beschränkt sich der Clio RS auf eine einfache Klimatisierung, ein Radio und.. ähm – ja, das war’s auch schon. Man muss ihm aber auch zu Gute halten, dass er wohl eher ein anderes Konzept verfolgt, er orientiert sich an Puristen: wer das Cup-Paket wählt, zahlt weniger für den Clio, trotz sportlicher abgestimmten Fahrwerk. Warum? Klima und Radio fallen dann aus der Ausstattung heraus. Wer ein pures Auto will, ist damit glücklich. Wer ein wenig Komfort wünscht, kann sich die beiden Features wieder per Paket dazubuchen.

Aber apropos Puristen: wie fährt er denn nun? Als ich den Schlüssel umdrehe, verhält sich der kleine erst einmal sehr unauffällig. Also, ab geht’s, brav den Motor warmfahren. Und doch, ich freue mich schon wie ein Kind auf den Moment, da die Öltemperatur ein für beste Schmierfähigkeit ausreichendes Maß erreicht hat, zu groß ist die Vorfreude auf das Drehzahl-Konzert des 2L Saugmotors. Sofort fällt mir aber schon das tolle Fahrwerk auf: der kleine geht zackig wendig um alle Kurven, die Lenkung ist herrlich direkt, könnte etwas mehr Feedback liefern, macht aber einen super Job. Zumal die Antriebseinflüsse auch überraschend gering ausfallen und die Leistung nur auf ganz schlechten Straßen um eine feste Hand am Volant ringt.

In die Kurve reinbremsen oder ein wenig am Lenkrad künsteln und schon zeigt der kleine bereitwillig sein leichtfüßiges Heck – sofern man am Knopf für das zweistufig abschaltbare ESP herumgespielt hat. Er wird dabei aber nie hektisch. Völlig berechenbar und nur wenn man es von ihm verlangt geht der Clio mit dem Heck einen Tanz ein. Das Fahrwerk ist erste Sahne! Würde Lotus einen Kleinwagen bauen – genau so wäre sein Fahrwerk wohl abgestimmt.

Dieser Motor, diese Musik!

Endlich haben alle Flüssigkeiten Betriebstemperatur erreicht, ich schalte mit einem Zwischengasstoß in den zweiten Gang herunter – der Klang dieser Zwischengassalve lässt mich in einem Sportwagen fühlen. Ich gebe Gas. „Hmn, ganz nett“, denke ich mir, während der Drehzahlmesser sich auf die 5.000 Umdrehungen zubewegt. „Wow! Was für ein Auto!“, rufe ich plötzlich, nachdem die 6.000er Marke überschritten ist, der Saugmotor richtig zubeißt und das Heck ein Trompetenkonzert jubelt, das die Mauern von Jericho hätte zum Einsturz bringen können. Erst bei rund 8.000 Umdrehungen wird durch einen ruppigen, Motorsport-typisch knackigen Begrenzer das Ende des Drehzahlfestes bekundet, nächster Gang rein, weiter geht’s! Der Motor hängt klasse am Gas und seine Akkustik beherrscht alles, vom sonorig-tiefen Gebrumme bis hin zum heiseren Brüllen und Trompeten. Geht man vom Gas, wird das Rollen durch ein feines Geblubber untermalt. Einfach große Klasse, was hier geboten wird, zumal der Clio RS weitab vom langweiligen 4-Zylinder-Gedröhne seiner Kollegen unterwegs ist.

Clio RS Heckansicht

Freudenspender: die Trompeten am Heck

Dieses Antriebspaket hat aber natürlich seinen Preis. Von vornehmer Zurückhaltung oder einem gemäßigtem Trinkverhalten will der Clio RS freilich nichts wissen. Wer es krachen lässt, muss im Schnitt auch deutlich mehr als 15 Liter kalkulieren, wer es ruhig angehen lässt, kann auch mit 9 Litern auskommen. Spaß macht das mit dem Auto aber nicht. Alleine weil der Motor nun nicht unbedingt auf niedrige Drehzahlen ausgelegt ist. Klar, Durchzug hat man von unten keinen zu erwarten, bei einem Hochdrehzahl-Saugmotor. Aber immerhin, er dröhnt und vibriert auch nicht unwillig bei tiefen Drehzahlen.

Mach’s gut, du wirst mir fehlen!

Letzten Endes bleibt mir wohl nur zu sagen, dass ich wohl nie gedacht hätte, so leidenschaftlich über einen Kleinwagen zu schreiben. Aber ja, er ist tatsächlich so gut! Man muss ihn natürlich mögen, man muss sein Drehmoment-armes Hochdrehzahl-Saugmotorkonzept – 215 NM Drehmoment hat er – mögen, man muss mögen, dass er ein kleiner Purist sein will, auf Schnickschnack und Luxus verzichtet. Mit einem Grundpreis von 20.000 Euro und einer minimalen Aufpreisliste, macht er es einem damit aber auch sehr einfach. Ich danke für diese Begegnung und bin mir sicher, dass ich diesen letzten Sauger-Clio in Erinnerung behalten werde, wenn ich meine ersten Runden im künftig aufgeladenen Clio RS drehen werde.

Technische Daten

Renault Clio R.S. Cup

Motor Bauart:
Reihenvierzylinder, DOHC
Hubraum:
1.998 cm³
Leistung:
148 / 201 bei 7.100 U/Min
Drehmoment:
215 bei 5.400 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
225 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h):
6,9 Sekunden
Verbrauch städtisch / außerstädtisch / kombiniert:
11,2l / 6,5l / 8,2l Super (95 Octan)
Leergewicht:
1.279 kg
Max. Zuladung:
411 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.017m / 1.769m / 1.484m