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Fahrbericht Alfa Romeo MiTo QV – Kleiner Flitzer mit Herz

Mai 23, 2013 Fahrerlebnis, Testwagen 4 Kommentare
Der Alfa Romeo MiTo ist ja ein wirklich interessantes Auto. Mich konnte der kleine Italiener von Verkaufsstart ab begeistern und vor einigen Jahren konnte ich bereits auch einen MiTo probefahren. Ich war angefixt und musste irgendwann mal den QV, den Quadrifoglio Verde, also das Topmodell, fahren. Und genau das konnte ich vor wenigen Wochen.




Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Auf meiner Seite konnte der MiTo damals jede Menge Aufmerksamkeit erzeuge. Er war der erste für normalsterbliche Menschen erschwingliche Alfa (also nach dem 8C), welcher das neue Markengesicht trug. Zudem hatte man mit den MultiJet Motoren gleichzeitig eine technisch höchst interessante Innovation auf den Weg gebracht.
Um aber zu verstehen, was den MiTo so cool macht, muss man Alfa verstehen. Denn bei Alfa Romeo stand immer schon eines im Vordergrund: Sportlichkeit! Das heißt nicht, dass ein Alfa Romeo immer ein radikaler Racer sein muss. Setzt man sich aber erst einmal in den MiTo, merkt man sofort, was Sache ist. Denn das Cockpit, die Sitze, die Instrumente, all das wirkt, als hätte man sich gerade in einem klassischen italienischen Sportwagen gesetzt.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Gut, die Variante wie im Testwagen, rundum schwarz, macht nicht ganz so viel daher, wie die optionale rot-schwarze Farbkombination des Armaturenbrettes, im Stil finde ich es alles dennoch sehr gelungen. Zudem gefielen die grün-weißen Nähte an den Sitzen, am Lenkrad und am Schaltknauf – eine Hommage an die Quadrifoglio Verde Modelle aus Alfas glorreichen Zeiten. Die Verarbeitung ist rundum “in Ordnung”. Keine groben Schnitzer, aber auch keine Top-Qualität, die das Bild bestimmen.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde) Innenraum

Von allen Mitfahrern wurde auch die interessante “faserartige” Struktur der Verkleidung gelobt – es ist eben mal was anderes und es lässt das Hartplastik im oberen Bereich der Verkleidungen eher verschmerzen. Das Infotainment-System hingegen lässt nach wie vor nur schmerzen. Wie schon in der Giulietta ist die Darstellung und Sprachführung nicht auf der Höhe der Zeit und wie auch schon in der Giulietta macht das “Blue&Me” Zusatssystem Probleme bei der störungsfreien Wiedergabe von MP3-Dateien.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Das alles stört aber verhältnismäßig wenig, wenn man den MiTo erst einmal in Bewegung setzt: der Motor startet, knattert und rasselt erst einmal wie ein kleiner Diesel – die Direkteinspritzung lässt sich nicht verschweigen. Dafür klingt der kleine 1,4 Liter “MultiAir” nach oben hinaus schön kernig, leicht röchelnd und zeugt auch akustisch von seinem Vorwärtsdrang. Den hat er nämlich und setzt den auch mit Vehemenz um: 125 kW (170 PS) ziehen den MiTo QV im Nu nach Vorne. In Sachen Elastizität kann das Triebwerk erst recht begeistern: bereits im unteren bis mittleren Drehzahlband packt der Turbolader gut zu, wenn auch mit leichter Verzögerung. So richtig Spaß macht der MiTo trotzdem erst bei hohen Drehzahlen – und sei es nur der Akustik wegen. Die Gänge lassen sich dabei schön präzise und flott sortieren, die Schaltwege hätten aber kürzer sein dürfen.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Was wäre nun aber mein Fahrzeugtest ohne intensiver Landstraßen-Besuche? Ich weiß: nichts! Und auf der Landstraße.. hach, da sind der MiTo QV und ich wirklich gute Freunde geworden. Nicht nur, dass er mich mit seinen gut konturierten Sitzen immer gut im Griff hatte, auch ich hatte ihn gut im Griff: das Lenkrad liegt toll in der Hand, ist schön direkt übersetzt und vermittelt ein recht gutes Gefühl der Vorderachse. Um enge Ecken zirkeln – alles wunderbar mit dem MiTo. Aus einem ganz seichten Einlenk-Übersteuern wird dann aber schnell ein seichtes Untersteuern. Kein stoisches Geradeausschieben, aber nun ja: er folgt eben nicht ganz der Linie, die ihm der Kerl zwischen Lenkrad und Rückenlehne vorgegeben hat. Wirklich arbeiten lässt sich auch mit der Hinterachse leider nicht.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Da der MiTo QV aber trotzdem schön flott und direkt auf Richtungsbefehle anspringt und dank seines niedrigen Gewichts – sagte ich schon, dass niedriges Gewicht IMMER Trumpf ist? – vermittelt er eine Direktheit, die das Fahrerherz sofort höher schlägen lässt.

Schnell wieder einen Gang runter, rauf auf den Pinsel, LINKS, RECHTS – ok, die Karosserie lässt noch einiges an Wankbewegungen zu – Anbremsen – der MiTo bleibt schön neutral auf der Hinterachse – einlenken, leichtes Untersteuern und mit nur minimalem Traktionsverlust raus aus der Kurve! Der kleine 1,4 Liter Vierzylinder röchelt sein Lied, die nächste Kurve im Blick und – oh… schon wieder Tanken.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Ja, der MiTo QV steht oft an der Zapfsäule. Turbo läuft, Turbo säuft. Oder so. Wir kennen das Spielchen. Wobei der Verbrauch mit 8,2 Litern im Schnitt immer noch bei dem lag, was ich für einen kleinen Sportflitzer als “angemessen” bezeichnen würde. Trotzdem reicht es natürlich, um den 45 Liter Tank (inklusive Reserve!) verhältnismäßig schnell leerzusaugen. Insbesondere dann, wenn man auf einer schönen Kurventour eher mit einem knappen 10er-Schnitt unterwegs ist.

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Fazit

“Muss ich den wirklich schon hergeben?” Es ist ja einfach so, dass ich nun mal auf kleine, wendige und flinke Autos stehe. Und genau so eines ist der Alfa Romeo MiTo QV. Er ist sicher nicht der sportlichste und radikalste, aber in diesem Segment mit Sicherheit einer der unterhaltsamsten. Und das wichtigste: er hat einfach Stil! Der MiTo hat Charakter, er hat einen Look, der aus der Masse hervorsticht und er wirkt damit zeitlos: obwohl bereits ein paar Jahre auf dem Markt, wirkt er immer noch frisch und eigenständig. Er empfängt den Fahrer mit einem einfachen, aber doch charmanten Innenraum – weil er eben anders ist. Für diese Andersartigkeit ruft Alfa mindestens 21.450 € ab. Wie ich finde, ein fairer Preis. Fahrspaß hat man mit ihm jede Menge, die Alltagstauglichkeit passt auch. Und seit der Renault Clio RS eben nicht mehr der 8.000 U/Min-Marke entgegenjubeln darf, ist meine klare Kaufempfehlung in diesem Segment: MiTo QV. Er macht Spaß und er hat eine Seele – danke, Alfa! Und wer vielleicht auch mit weniger Leistung zufrieden ist, sollte bei Matthias und Tom einen Blick auf die sparsameren Versionen des MiTo riskieren!

Alfa Romeo MiTo QV (Quadrifoglio Verde)

Wertung

8.0/10
  • Fahrdynamik: 7
  • Fahrspaß: 8
  • Sound: 7
  • Verarbeitung: 5
  • Komfort: 4
  • Ausstattung: 6
  • Verbrauch: 3
  • Preis/Leistung: 6
  • Persönliche Anziehungskraft: 8
Mein passion:driving Wertungsschlüssel spiegelt meine subjektive Einschätzung des Testwagens in verschiedenen Kategorien wieder. Die fahrdynamischen Qualitäten spielen dabei eine große Rolle. Trotzdem wird ein Auto nur durch Performance keine 10er-Wertung erhalten können. Hier gibt es mehr Informationen zum Wertungssystem.

Technische Daten

Alfa Romeo MiTo Quadrifoglio Verde

Motor-Bauart:
1.4 TB 16V MultiAir, eine obenliegende Nockenwelle, Multipoint-Direkteinspritzung
Hubraum:
1.368 cm³
Leistung:
125 kW / 170 PS bei 5.500 U/Min
Drehmoment:
250 Nm bei 2.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
219 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
7.5 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
8.1 L / 4.8 L / 6.0 L E10 (ROZ 95)
Grundpreis Alfa Romeo MiTo Quadrifoglio Verde:
21.450 €
Testwagenpreis:
27.580 €
Testverbrauch:
8.2 Liter / 100 km über 1.821 km
Leergewicht:
1.220 kg
Max. Zuladung:
405 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.063 m / 1.720 m / 1.453 m

Disclosure zur Transparenz

Das Fahrzeug wurde mir freundlicherweise von Alfa Romeo Deutschland für den Test zur Verfügung gestellt. Der Test erfolgte unabhängig. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.