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Laut fühlt sich’s mehr schnell – so tönte #radical14

September 25, 2014 Aus dem Leben eines Enthusiasten, slider-feature, Unterwegs 16 Kommentare

Sportwagen dürfen ja eh alle nicht mehr so, wie sie sollten. Die bösen Turbos machen alles kaputt, Klangfarbe hat eh niemand mehr, laut mag die Rennleitung auch nicht und überhaupt: warum sollten Autos Geräusche machen, ohne welche sie mindestens genau so schnell sind? Nun, weil’s halt geil ist.

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Das haben sich auch die Damen und Herren bei Jaguar gedacht. Im Lastenheft muss der Punkt „Rappatatta-Klatsch-Rämpengpeng“ ganz dick unterstrichen worden sein. Auch wenn da gleich wieder die Schreie derer ertönen, die noch nie einen richtigen Engländer gefahren sind: „Englisches Auto, Understatement! Jehova, Jehova!“. Lass‘ sie nur schreien, denn dann steigst du in den Dschäg ein, den eleganten im #radical14-Starterfeld. Drückst den seltsam gummierten Startknopf – soll ja schließlich niemand abrutschen. Und dann genießt du, wie das F-Type R Coupé ganz unflätig einen kräftig, schleimigen Klumpen aus den tiefsten Untiefen seines Innern heraufzieht, um ihn dem Understatement mit einer lässigen Seitwärtsbewegung des Kopfes vor die Füße zu rotzen und ein genuscheltes „’s’los?“ hinterherzuwerfen.

Wer bei #radical14 alles dabei war:
radical-mag.com | V12media | asphaltfrage.de | mein-auto-blog.de | Chromjuwelen | motorkultur.com

 

Der Dschääääg, erst Recht mit gedrückter Auspufftaste, ist die Antithese zum Understatement. Will kein braver Engländer sein. Brüllt seine Verachtung des Status Quo mit allem was er hat – und noch mehr – heraus. Und wenn er dabei, wie der Peter sagt, noch den ein oder anderen Liter SuperPlus hinterher spuckt. Peitschendes Knattern beim Ausdrehen, wüstes Gekrache beim Lupfen. Dem einen Petrolhead geht das Herz, dem andern das Messer im Sack auf. Es ist halt nicht jedermanns Ding. Prollig und so, eines Jaguars nicht würdig. Ich sage: Würdig ist, was gut ist. Aber stimmt schon: irgendwann ist eben auch mal gut und spätestens ab Tag 2 leuchtet das kleine Lämpchen am Auspuffknopf schon nur noch deutlich seltener auf.

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Anders im Alfa-Romeo 4C. Der ist einfach immer laut, ob du willst oder nicht. Da rumpelt’s und knattert’s, heiser brüllt der Vierzylinder unter Last und hinterm Lenkrad tut sich im Nacken ein Ladedruckinferno auf, das jegliche anderen Geräusche überdeckt. Da gibt’s auch keine halben Sachen, denn das Ladedruckkennfeld kennt nur die beiden Zustände „voll auf“ oder „kein Druck“. Gas Lupfen, das Wastegate schnattert nervös, der Auspuff knattert, dazu das Dauergerassel der Steine, die gegen das nackte Carbon-Monocoque klatschen. Motorsport-Akustik in ihrer reinsten Form. Da ist auch egal, dass du nach 10 Minuten auf der Schweizer Landstraße eher mit 4.000 im dritten Gang fährst, weil’s dir bei niedrigeren Drehzahlen durch Mark und Bein brummt. War eben auch komplett leergeräumt, der Testwagen der Schweizer Presseabteilung. Schön.

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Das mit dem „leer“ kann aber auch ein anderer Italiener im Feld gut, der Ferrari 458 Speciale (sprich: Sbedschiahle. Oder so.). Und laut. Das kann er auch. Denn sobald der Flatplane-V8 durch die auf Durchzug gestellten Auspuffklappen tönen darf, wird jeder andere im Starterfeld zum grauen Mäuschen. Pilotiert man den 458, begeistert vor allem die mechanische Akustik. Der Genuss, einen Motor in seiner mechanischen Arbeitsweise den Dienst verrichten zu hören, ist etwas, das man heute kaum noch so erleben kann. Sitzt du in einem Auto hinter ihm, während der Tobi wild die Gänge auf und ab schnalzend an den Felswänden entlang tänzelt, klingt es in etwa so, als würde man eine Kreissäge Typ Extrakrass auf einem Manowar-Konzert an die Verstärker anschließen. Im Gegensatz zu Manowar klingt der Ferrari allerdings alles andere als peinlich. Er ist einfach nur laut. Bis zu 104,5 dB – zumindest in der letzten Runde, bevor man dann auf dem auf 95 dB limitierten Rundkurs einen Platzverweis kassiert.

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Der Tesla macht das alles freilich ein wenig anders. Das einzige Geräusch, welches sich von seinem 310 kW Elektromotor vernehmen lässt, ist ein Surren, das unter voller Beschleunigung ein wenig an eine anfahrende Straßenbahn erinnert. Zumindest, sofern der Speciale, der Dschääg oder der Elfer nicht in Sichtweite sind. Ja, diese Akustik hat auch etwas für sich, wird allerdings etwas durch das laute Abrollgeräusch der Reifen getrübt. Wo allerdings nichts ist, brauchen wir uns auch nicht lange aufhalten, also gehen wir schnell zum nächsten Brüllknecht über.

Der rasselt im Leerlauf dank Einmassenschwungrad noch unbeholfen vor sich her. Doch brüllen, das kann er richtig gut. Mit bis zu 9.000 Umdrehungen fräsen sich die Pleuel durch den Block, ab 6.000 gewohnt heiser und stimmgewaltig, ab 8.000 ein wenig blechern. Aber jederzeit gut vernehmbar: ein Boxermotor. Genauer, der 3.8 Liter Sauger im Porsche 911 GT3. Es ist halt ein Porsche. Und ein Porsche klingt irgendwie immer – ja, geil.

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Dann wäre da noch der eigentlich so schöne Reihensechser-Biturbo, der a bisserl zu oft versucht, die 2 fehlenden Zylinder zum E92 akustisch wettzumachen, obwohl ein M3 zuvor nie mehr als 6 Töpfe hatte. Beim BMW M4 (den ich hier auch schon gefahren bin) wird’s innen dank Sound-Symposerhassenichgesehn auch ganz schnell monoton, fad, fast schon nervig. Außen aber, da klingt er rau, gemein, bissig, anders. Hat seine ganz eigene Note bekommen, klingt nicht – im Gegensatz zum Volvo V60 Polestar – typisch nach Straight-Six. Überhaupt der Volvo, großes Kino. Bassig, brummig und auch schön heiser trampelt er seine in Reihe geschaltete Stimmgewalt nach außen. Understatement hin oder her, Klangfarbe, das kann er – auch wenn er nicht der lauteste ist.

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Ach und fast hätten wir ja noch den McLaren vergessen. Der 650S nämlich. Und dass man ihn fast vergessen hätte, sagt eigentlich schon genug über seine Stimmbänder aus. Denn er ist eigentlich ein gutes Beispiel, warum sie alle über Turbomotoren am jammern sind. Da hast Du schon diesen so unfassbar kräftigen, wild nach vorne gehenden 3.8 Liter V8 im Nacken und denkst mit offenem Verdeck im Tunnel, dass selbst der Tesla mehr Lärm macht. Gut, er klingt schon schön, wie so ein V8 halt so klingt. Und von innen lauscht sich’s ja auch ganz nett. Aber wehe Du hast eines dieser Elferspedschialedschäägdinger neben Dir.

Und die Corvette so? Die klingt von innen halt nach viel mehr, als sie eigentlich ist. Klingt massig, klingt wuchtig, klingt nach dickem V8 (gut, letzteres stimmt ja auch). Aber nach außen ist sie halt dann doch ein wenig zurückhaltender. Gleiches beim Subi. Der WRX STi macht’s aber auch hinterm Lenkrad eher dezenter. Klar, der Boxer-Vierzylinder grummelt schön vor sich her, aber für den richtigen Kick fehlt’s dann doch ein wenig an Schalldruck.

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Bleibt nun also die Frage, mit wem man sich am meisten schnell, weil laut, fühlt? Für den Peter eh klar: Ferrari. Der Speciale macht schon eine gewaltig gute Musik. Natürlich sieht das der Mechthild ganz anders: der Herrenfahrer will eher wissen, wie’s mit dem iPhone im Auto schallt – oder halt auch nicht. Und ich? Ich sehe das naturgemäß natürlich auch ganz anders, denn … gut, vergesst das mit dem anders. Weil: der Ferrari. Punkt.

Einen kleinen Teaser zum Rennstreckenbesuch gibt’s hier, mehr Videos folgen dann in den kommenden Beiträgen zu #radical14.

Text: sb
Bilder: Tobias Hiel, Patrick Corminboeuf, Walter Pfäffli

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