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Mehr GTI geht nicht! Erste Testfahrt im neuen VW Golf GTI Performance

Mai 10, 2013 Fahrerlebnis, Unterwegs 10 Kommentare

Das ist ja wieder typisch für mich. Eine Einladung, es geht in den Süden, mal wieder Côte d’Azur. Und was ist? Regen! Natürlich, was auch sonst?! Insofern waren es mal wieder nicht die besten Vorzeichen, damit sich der VW Golf GTI der siebten Generation bei mir ins rechte Licht rücken kann. Andererseits waren damit beste Bedingungen geboten, um die vollvariable Sperre an der Vorderachse zu testen.

VW Golf 7 GTI Performance

Denn mit dem neuen VW Golf GTI hat man sich bei Volkswagen erstmals für eine andere Strategie entschieden: da gibt es den GTI, der eben ein GTI ist: schnell, gut, alltagstauglich – GTI eben. Und dann gibt es die Performance Edition. Die kommt mit kräftigerer Bremsanlage, 7 kW (10 PS) mehr Leistung und allem voran einem elektronisch geregelten Sperrdifferential an der Vorderachse. Moment mal – „elektronisch“ oder „elektronisch geregelt“? Genau das ist der Clou: es ist ein elektronisch geregeltes, mechanisches Sperrdifferential. Genauer gesagt von Haldex, das über durch eine Pumpe geregelten Druck jeden beliebige Sperrwirkung zwischen 0 und 100 Prozent erreichen kann. Fabian von asphaltfrage.de geht auch noch sehr schön und detailliert auf die Sperre ein, die er auch auf der Rennstrecke „Paul Ricard“ testen konnte.

VW Golf GTI "Performance"

Klingt beeindruckend und fährt sich auch so. Da ich zwei Tage ganz ohne Programm das Auto für mich hatte, fuhr ich an Tag zwei an den Col de Turini. Ein sagenhaftes Stückchen Straße in den französischen Seealpen. Nicht umsonst auch eine Etappe der Rallye Monte Carlo. Die Straßen sind feucht, der GTI im „Dynamic Mode“ und ich gewillt, den GTI auf die 1.607m hohe Passhöhe zu scheuchen. Erstaunlich: die dynamische Dämpferregelung DCC ist zwar im Dynamic-Modus schön straff, bietet aber immer noch viel Komfort. Noch erstaunlicher: selbst im „Normal“-Modus kann man nicht über eine fehlende sportliche Attitüde meckern.

Col de Turini

Ein echtes Schmankerl auf diesen Straßen ist die Progressivlenkung, mit der alle GTI serienmäßig vom Band rollen: diese sorgt für eine kurze Übersetzung auf den ersten Grad Lenkwinkel, womit man sehr einfach und lässig um die Serpentinen zirkeln kann. Dazu ist die Lenkung im Dynamic-Mode schön straff abgestimmt. Und die Sperre? Die macht einen ganz vorzüglichen Job! Untersteuern ist dem Golf GTI sozusagen komplett fremd, sofern man es nicht völlig übertreibt. Man bremst spät an lenkt in Richtung Scheitelpunkt, geht aufs Gas. Binnen 50 Millisekunden verteilt die Sperre das Drehmoment abhängig von Gripniveau und Richtungswunsch (ausgedrückt in Form des Lenkwinkels) zwischen den Vorderrädern und der GTI fräst sich regelrecht in den Kurvenradius.

VW Golf GTI "Performance"

Lediglich wenn man im Kurvenscheitelpunkt völlig gefühllos voll auf’s Gas trampelt, hat man Haftungsabriss, bevor die Sperre vernünftig reagieren kann. Das macht aber nichts, denn kein normaler Mensch würde so fahren. Und das ESP? Gut, das ist auch nach wie vor nicht vollständig abschaltbar. Dafür kommt selbiges nun mit einem Modus, der bewusst für’s sportliche Fahren ausgelegt ist. Und soviel kann ich sagen: es ist den Wolfsburger Ingenieuren gut gelungen! Stellt sich einmal Untersteuern ein, macht nichts, das ESP hält sich zurück. Übersteuern? Auch alles kein Problem, lediglich wenn es einmal ganz heftig wird, greift der elektronische Rettungsanker und holt den GTI mit äußerst feinfühligen Regeleingriffen zurück in die Spur. Klar, ganz aus, kann man wollen, wenn ein ESP aber mit einer solchen Regelgüte aufweisen kann, dann kann ich auch mit „nur“ einem solchen Sportmodus leben.

VW Golf GTI "Performance"

Auch die Bremse leistete sich zu keiner Zeit einen Aussetzer. Gut, die Temperaturen waren nicht sommerlich hoch, aber dennoch machte der GTI auch hier einen sauberen Eindruck. Darüberhinaus ist der GTI eben das, was man von einem Golf erwartet: er ist angenehm, er stört einen nicht und er macht einem den Alltag so unaufgeregt und angenehm wie möglich. Die bequemen und mit gutem Seitenhalt aufwartenden Sitze helfen da ebenso viel, wie die Umfangreiche Komfortausstattung, die den GTI freilich noch einmal weit über den Einstiegspreis von 29.470 €.

VW Golf GTI "Performance"

Fazit

Würde ICH nun den neuen VW Golf GTI kaufen? Die einfache, aber ehrliche Antwort lautet nein. Woran liegt das? Ist der GTI ein schlechtes Auto? Überhaupt nicht! Eigentlich ist er sogar ein ganz hervorragendes Auto. Aber ihr wisst ja, wie das ist: kranke Petrolheads stehen auf kranke Autos. Ein Auto, das mich die ganze Zeit versucht umzubringen und genau das ist der GTI eben nicht. Mit ihm irgendetwas falsch zu machen, ist schlicht unmöglich. Untersteuern kennt er nahezu gar nicht, übersteuern ist ihm fremd. Er ist einfach zu 100% der Neutralität verpflichtet. Beim Fahren, beim Styling und beim Image. Dafür ist aber auch einfach wohl DAS Auto, das wie kein zweites den Spagat beherrscht zwischen Sportlichkeit und Alltag. Mehr noch: der neue GTI ist ENDLICH wieder ein GTI, mit dem man auch mal ernsthaft und ambitioniert auf die Strecke kann. Nur aufregend im Sinne von „wahnsinnig“, das ist er eben nicht.

VW Golf GTI "Performance" InnenraumVW Golf GTI "Performance" Cockpit

Technische Daten

VW Golf GTI „Performance“

Motor-Bauart:
4-Zylinder-Ottomotor, Direkteinspritzung/Turbocharger
Hubraum:
1.984 cm³
Leistung:
169 kW / 230 PS bei 6.200 U/Min
Drehmoment:
350 Nm bei 1.500 – 4.600 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
250 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
6.4 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
8.1 L / 5.4 L / 6.4 L E10 (ROZ 95)
Grundpreis VW Golf GTI „Performance“:
29.475 €
Testwagenpreis:
43.980 €
Leergewicht:
1.402 kg
Max. Zuladung:
543 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.268 m / 1.799 m / 1.442 m

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Volkswagen Deutschland nach Nizza, Frankreich eingeladen. Reisekosten, Verpflegung und Übernachtung wurden von Volkswagen Deutschland übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.