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Das Timmelsjoch, zwei Audis und ein Moment für die Ewigkeit – #thepluses Teil 2

Juli 30, 2013 Aus dem Leben eines Enthusiasten, Passion, Unterwegs 19 Kommentare

In meinem ersten Teil zum #thepluses Road-Trip, bei dem Can und ich mit einem Audi TT RS plus und einem Audi R8 V10 plus über 10 Alpenpässe getourt sind, habe ich euch bereits von einem einschneidenden Erlebnis und dem Timmelsjoch erzählt. Was dort passiert ist und wie die Geschichte weitergeht – das könnt ihr heute nun nachlesen…




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Alles zum „#thepluses“ Audi Alpentrip:

Erinnern wir uns zurück: es ist Samstag-Abend, irgendwann nach 19 Uhr. Zwei Audi stehen auf der Passhöhe des Timmelsjoch, italienisch auch „Passo Rombo“, auf 2.509 m. Die Motoren durften kräftig arbeiten, die Auffahrt – es war ein unbeschreiblicher Genuss. Das Timmelsjoch ist bei einer Auffahrt über die Ostrampe fahrerisch ein Traum. Serpentine folgt auf Serpentine, alles aber nicht so eng, wie es etwa am Stilfser Joch zugeht. Zwischen den Serpentinen finden sich immer wieder einige Geraden, hier und da auch ein wenig „klassisches“ Kurvengeschlängel. Eine wunderbare Mischung einfach. So ist es kein Wunder, dass wir dort oben an der Passhöhe standen, die Aussicht genossen, über die traumhaften Straßen sinnierten, welche uns hier hochführten und darüber fachsimpelten, wie schön sich die beiden Audis in der Straße verzahnt  den Berg hinaufgekämpft haben.

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Aber irgendwann muss man ja mal weiter, und da wir schließlich noch einen Campingplatz zu erreichen hatten, dessen Pforten um 22 Uhr schließen, musste auch dieser Moment einmal enden. Also ab in die Autos und weiter gehts. Das nächste Ziel, mit dem ich die Route des Navis im TT gefüttert hatte, war die Mautstelle auf der österreichischen Westseite des Timmelsjoch. Kaum fahren wir los, schießt es mir durch den Kopf: „Moment mal. Mautstelle. Die macht doch um 20 Uhr zu?“. Die Uhrzeit hatte sich eingebrannt: schon letztes Jahr stand ich hier um kurz nach 20 Uhr mit einem Suzuki Swift Sport an der Schranke. Ein kurzer Blick auf’s Navi. Die einzigen Zahlen, die ich gerade wahrnehme sind „19:56“ und eine 6, gefolgt von der Einheit „km“. 4 Minuten. 6 Kilometer. Auf einer Passstraße. Ich greife sofort nach dem Funkgerät: „Can, mir fällt gerade ein: die Mautstelle schließt um acht. Laut Navi sind das jetzt noch 6 Kilometer“. Keine Zeit für weitere Ausführungen. Umdrehen ist keine Option. Schließlich müssten wir das ganze Timmelsjoch wieder hinunter, über den Jaufenpass und den Brenner – ein riesiger Umweg.

Die einzigen Zahlen, die ich gerade wahrnehme sind eine „19:56“ und eine 6, gefolgt von der Einheit „km“. 4 Minuten. 6 Kilometer. Auf einer Passstraße.

Ich schalte herunter und gebe Gas. Von dort oben peile ich die ersten Serpentinen an. Unser Vorteil: das Timmelsjoch ist – hat man die Passhöhe erst einmal überwunden – sehr weitflächig und schlängelt sich in einem seichten Tal zwischen den Berghängen hindurch – freie Sicht, freie Strecke. Bis zur ersten Serpentine: Schafe säumen den Weg. Für Abwarten ist aber keine Zeit, also versuche ich mich irgendwie hindurchzuschlängeln. Kaum durchgekommen, trete ich wieder voll auf’s Gas, der Fünfzylinder-Turbo brüllt heiser auf. Damit haben die Schafe wohl nicht gerechnet und schrecken auf – beinahe wären sie damit noch für Can im R8 hinter mir eine Gefahr geworden.

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Und so manövrieren wir die beiden Sportwagen über die Passstraße, das gutturale Bollern des Fünfzylinder und das heisere Geschrei des Zehnzylinder werden von den Berghängen reflektiert, während wir dank der weiten Sicht die vollen Straßenbreite nutzen können. So in etwa würde es wohl auch klingen, würde man die beiden Boliden durch das Motodrom in Hockenheim scheuchen. Die tiefstehende Abendsonne hat das Gebirge bereits in ein romantisches Rot gehüllt. Ich werfe einen Blick auf den Tacho – ich zucke leicht, es bleibt aber keine Zeit, über die Zahl nachzudenken. Dann wird die Strecke wieder unübersichtlicher, Tempo herausnehmen, strikt auf dem eigenen Fahrstreifen bleiben ist jetzt angesagt. Der Abstand zum R8 hinter mir wird größer und ich denke mir: „Egal, Hauptsache einer von uns ist vor Schließung an der Mautstelle“. Nach einer scharfen Rechtskurve und einer seichteren Links ist die Mautstelle endlich in Sicht. Ich sehe, dass sich dort in dem Häuschen noch etwas bewegt. Erleichterung. Während ich an die Schranke heranrolle und das Fenster öffne, schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass der gute Mann an der Mautstelle uns schon seit einigen Sekunden vor der Ankunft eigentlich mehr als deutlich gehört haben muss. Und unmittelbar darauf rollen zwei heiser-knisternde Boliden ein, deren Lüfter auf Hochtouren laufen – vermutlich hat er sich seinen Teil gedacht. Sein verschmitztes Grinsen, während ich das Fenster öffne, sprach jedenfalls Bände. „Viel später hätten wir nicht kommen dürfen, oder?“, frage ich. Er lacht. Ich blicke auf den Mautbeleg, den er mir herüberreicht. Die dort vermerkte Uhrzeit: „20:00“.

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Direkt nach der Mautstelle fahre ich rechts ran. Can fährt neben mich und ich gehe sofort zum R8 hinüber. Ich starre ins Leere und muss meine Worte suchen, sie genau wählen. Dann spreche ich aus, was mir gerade erst klar wird: „Das war gerade eigentlich ein echter Top Gear-Moment. Das Licht, die Stimmung, zwei solche Boliden, welche sich über die gesamte Straßenbreite über den Berg schlängeln, die Berge anbrüllen. Wow. Hättest du dort einen Helikopter mit Kamera drübergeschickt – es wäre das perfekte Setting.“ Nicht nur bei mir blieb dieser Moment besonders emotional hängen – lest am besten selbst, wie Can die Situation im R8 empfand.

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Ein solches Erlebnis – unbezahlbar. Ein Moment, der sich tief einbrennt und den wohl niemand von uns so schnell wieder vergessen wird. Wir machen noch ein paar Fotos und fahren sofort weiter, der Campingplatz bei Innsbruck will geentert werden und man wartet dort schließlich nicht „einfach so“ auf „irgendwelche“ Kunden, um die Tore zu schließen. Nachdem wir uns noch schnell in einer Pizzaria im Nachbarort eine Stärkung mitnehmen, rollen wir artig, mit geschlossenen Auspuffklappen auf den Campingplatz ein. Die Autos sind leise und halten sich zurück, unauffällig sind wir aber nicht unterwegs. Noch über Stunden, nachdem wir die Autos nebeneinander geparkt und dazwischen die Zelte aufgebaut haben, hören wir immer wieder aus den umliegenden Zelten Gespräche über die „Typen mit dem R8 und so“. Nach viel Kämpfen und Mühen steht schließlich das Zelt und wir können es uns bequem machen. Ich bin so erledigt, dass ich gar kaum darüber nachdenken kann, am nächsten Tag endlich am Steuer des R8 zu sitzen. Zu sehr hat mich auch schon der TT RS beeindruckt.

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Am nächsten Morgen folgt auf ein eher unappetitliches Frühstücksbuffet das Kühtai: ein Pass, eher ein Sattel, welches ich schon unzählige Male gefahren bin. Fahrerisch nun nicht gerade das spektakulärste, aber landschaftlich ein Genuß. Zusammen mit dem eher geringen Verkehrsaufkommen der perfekte Ort, um noch einige Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Der Audi R8 und ich werden sofort Freunde: wo der TT RS plus noch das scharfe und präzise Samurai-Schwert war, das sich durch das Asphaltband schneidet, ist der R8 das milimetergenaue Skalpell, das sich mit chirurgischer Exaktheit die Straße filetiert. Beeindruckend – einen so immensen Unterschied hätte ich nicht erwartet. Sofort wird klar: es ist ein Unterschied, ob ein Auto sportlich gebaut ist, oder ob es von Anfang an mit jeder Faser als reiner Sportwagen konzipiert ist.

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Es geht weiter, durch das Inntal in Richtung Imst. Ein alter Bekannter: das Hahntennjoch. Letztes Jahr beim Porsche Road Trip sind wir auf Grund einer Empfehlung des Gastwirtes über das Hahntennjoch gefahren, seit dem steht es auf dem Plan jeder Tour, die ich in die Alpen mache. Direkt oberhalb von Imst geht es los. Die Auffahrt vom Osten her ist fies: ein wunderschöner und offener Wald wird bald schon abgelöst durch rauhe Felsvorsprünge und morsche Holz-Leitplanken. Die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Perfekter Spielort, für die beiden Audis. Der Vorteil: die Felswand ist zur Linken – in der Nähe des Fahrerfensters, ich bekomme also die volle Ladung der zehn Zylinder auf die Ohren – schöner bin ich hier bisher noch nicht hochgefahren.

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Nach dem Hahntennjoch biegen wir schließlich noch auf eine Straße ein, welche ich bisher noch nicht kannte: der Namlos-Pass. Eine alternative Verbindung, um den viel befahrenen Fernpass zu umgehen. Für mich war das kein Highlight. Eigentlich. Doch die Straße konnte mich mit ihrem Charme voll und ganz überzeugen: es ist keine wilde, typische Passstraßen. Kehren gibt es hier kaum. Dafür ein wunderschönes Kurvengeschlängel. Weiche, seichte und wunderbar aufeinanderfolgende Links-Rechts-Wechsel geben sich die Hand, hier und da eine Kuppe. Und das ganze ohne Unterbrechung über 20 Kilometer. Der R8 V10 plus klebt mit einem sagenhaften mechanischen Grip beeindruckend auf der Straße, die Vorderachse setzt Lenkbewegungen um, noch bevor ich das Gefühl habe, sie ganz ausgeführt zu haben. Wie sich der Bolide aus Ingolstadt hier über den Asphalt zerrt und selbst auf Kuppen dank Allrad nicht aus der Ruhe bringen lässt – unbeschreiblich. Nach einigen Minuten wird es selbst mir, als Fahrer, zu viel, mir wird selbst etwas schummrig – seltsam, kenne ich so etwas doch selbst als Beifahrer eigentlich nicht. Aber der R8 mit seinem hohen Gripniveau und den plötzlichen Richtungswechseln fordert alle Kräfte und Sinne.

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Doch das Ende des Namlospass ist in Sicht und damit auch das Ende eines Trips, der vielleicht nicht in die Geschichtsbücher eingehen wird, wohl aber eine unsersetzbare Erinnerung in den vier Köpfen aller Reisenden hinterlassen wird. Ein Fest, welches dazu diente, Genuss zu erleben, automobile Leidenschaft auszuleben und technische Sensation zu spüren. Eine Reise, die so vielleicht nie wieder kommen wird. Die vielleicht in 10 Jahren undenkbar sein wird, wenn Ölvorräte knapp, Verbrennungsmotoren geächtet, und großvolumige Sauger nur noch im Museum zu bestaunen sind. Ein Trip der viel von uns forderte uns aber reich beschenkte. Eben etwas, was man einfach nie vergessen wird.