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Heavy Metal Festival: Audi R8 Spyder V10 im Fahrbericht

November 17, 2016 Fahrerlebnis, Unterwegs 27 Kommentare

Eigentlich wären wir, diese völlig spinnerten Petrolheads, Audi schon vorher ein großes „Dankeschön!“ schuldig gewesen. Dafür, dass ihr Spitzensportler ganz ohne Beatmungsgerät auskommt, tief einatmen darf und umso lauter kundtun darf, was er von Downsizing hält. So schön kleine, geschlossene Club-Konzerte auch sind, das wahre Drama kommt erst auf der großen Bühne. Und die ist im Audi R8 Spyder eben so groß, wie es die Landschaft hergibt.




Audi R8 V10 Spyder Vegasgelb

Türsteher gibt’s für dieses Konzert nicht – zum Glück. Die Türe durchschreitet man mit einem Schalterchen auf der Mittelkonsole, welcher in 20 Sekunden und bei bis zu 50 km/h aus dem Club- ein Open-Air-Konzert macht. Und wer mehr auf Manowar statt Blümchen steht, schaltet am Lenkrad noch den Verstärker ein und fährt die Auspuffklappen auf Durchzug. Eine Vorband braucht’s bei diesem Konzert nicht. Stretching für die Trommelfelle, so wie das Aufwärmen im Sport, das gibt’s nicht. Die Vorband fällt aus und der zehnköpfige Hauptact bläst sofort zum Angriff. Und ihr gesamtes Repertoire ist einfach zum niederknien: ob es die tiefen, grummeligen Bässe im Drehzahlkeller oder die schreienden Gitarrensoli sind, die da ab 8.000 Touren auf’s Parkett geschmettert werden – wer hier ohne Freudentränen und Gänsehaut bleibt, ist wohl klinisch tot.

Eine Band, die ihr Repertoire beherrscht: von grummeligen Bässen bis zu schreienden Gitarrensoli

Sicher, mit den Cabrios unter den Sportwagen ist das immer so eine Sache. Ein wenig, wie ein mittelmäßiger Sprinter im Tütü. Hübsches Federkleid, aber kann’s halt doch nicht so wie die großen. Das ist Audi selbst wohl auch bewusst und bietet den R8 Spyder gar nicht erst als „Plus“ an. 540 PS müssen also reichen, um mit der auf knapp 1,8 Tonnen – inklusive Reiter – gestiegenen Masse zurechtzukommen. Das ist natürlich ein hartes Brett, die gute Nachricht vorab lautet: es ist reichlich egal. Denn wenn der Tonmeister alle Pegel auf Vollgas gestellt hat und der Wind durch’s Haar rauscht, stört dich kaum, dass die Vorderachse vielleicht ein bisschen mehr untersteuert, als im Coupé. Tanzen kann auch er noch ganz fein und Hand auf’s Herz: auch mit nur 540 PS kommen keinerlei Zweifel auf, dass dieser R8 auf der Landstraße vieles hinter sich lassen würde.

Audi R8 V10 Spyder Vegasgelb

Sowieso: für gemütliche Konzertgänger, die irgendwo entspannt im Eck stehen und mit leicht wippenden Füßen ihre Piña Colada durch den Strohhalm ziehen, ist der R8 Spyder nichts. Mit seinem harten Auftritt, seinem knackigen Fahrwerk, seiner sportliche Sitzposition, seinem aggressiver Klang und seiner Fähigkeit – Windschott hin oder her – Windstöße im Innenraum auszuteilen, ist er halt doch sehr viel mehr Death Metal statt Glam Rock. Der will schon, dass Du dich auf ihn einlässt und nicht nur Blümchen pflücken gehst.

Death Metal statt Glam Rock

Die Kniffe moderner Bands beherrscht er natürlich sowieso: dank Virtual Cockpit sieht’s im Innenraum so clean und sauber aus, wie nach einem Auftritt der Kastelruther Spatzen und um seine LED/Laserlicht-Lightshow zu toppen braucht’s schon ein deftiges Bühnenbudget. Da drinnen, mit dem Lenkrad in der Hand, bist Du dagegen ganz der Regisseur eines sorgfältig orchestrierten Auftritts. Über die Steuerung des Performance-Modus am Lenkrad (dry, wet, snow) lässt sich die Dramaturgie des Gigs beliebig verändern und hast über die Bedienung des Virtual Cockpits direkt am Lenkrad alle Zügel in der Hand.

Ein bisschen Schischi hier und da darf natürlich nicht fehlen. Und muss der Hauptact aus Gründen der Sozialverträglichkeit doch mal etwas kürzer treten – in Black-Metal-Kriegsbemalung fährst Du ja schließlich nicht zur Vernissage – springt Bang & Olufsen als Vorband ein und beschallt Dich aus allen Richtungen, auch aus der Kopfstütze, ohne gleich das ganze Umfeld mit zehnzylindrigem Double-Bass-Gehämmer zu erschlagen. Und selbst dann, wenn der Gig wetterbedingt nach drinnen verlegt werden muss, ist dank versenkbarer Heckscheibe immer ein wenig Open-Air-Feeling garantiert – vor allem akustisch.

Gut, Türsteher gibt’s bei der Open-Air-Veranstaltung keine, die Eintrittskarten für dieses Event sind allerdings auch nicht ganz günstig: 179.000 € wollen mindestens auf dem Tisch liegen. Für die finale Manowar-Lautstärke-Ausbaustufe gar noch ein paar mehr. Dafür bekommt man aber auch eine ganz besondere Show geboten: kein Act unter vielen, sondern eine Band, welche in dieser Besetzung immer seltener wird und noch ganz ohne Blasinstrumente auskommt. Sound pur, Genuss ohne Ende verpackt in einem wunderschönen Auftritt – was will das Herz da eigentlich noch mehr?

Audi R8 V10 Spyder Vegasgelb

Text: sb
Fotos: sb/Audi

Technische Daten

Audi R8 Spyder V10

Motor-Bauart:
Zehnzylinder V-90°-DOHC-Ottomotor mit Trockensumpfschmierung, Direkteinspritzung.
Hubraum:
5.204 cm³
Leistung:
397 kW / 540 PS bei 7.800 U/Min
Drehmoment:
540 Nm bei 6.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
318 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
3.6 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
17 L / 8.7 L / 11.7 L SuperPlus (ROZ 98)
Grundpreis Audi R8 Spyder V10:
179.000 €
Leergewicht:
1.795 kg
Max. Zuladung:
225 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.426 m / 1.940 m / 1.244 m

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Audi nach Lloret de Mar, Spanien eingeladen. Reisekosten, Verpflegung und Übernachtung wurden von Audi übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

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