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Der neue Lexus GS F – Fahrbericht

Januar 8, 2016 Fahrerlebnis, Unterwegs 14 Kommentare

Die Voraussetzungen klingen verlockend: obere Mittelklasse aus Japan, 5.0-V8-Saugmotor, ein leerer Flugplatz. Lexus hatte geladen, den neuen GS F, die sportliche Speerspitze der GS-Baureihe, auf abgesperrtem Terrain kennen zu lernen.




2016 Lexus GS F Fujiweiss / Mario von Berg

Seit 2012 ist die aktuelle Generation GS auf dem Markt. Optisch unscheinbar, ja schon fast bieder, führt die Limousine hierzulande ein Schattendasein. Das soll sich mit der Modellpflege und vor allem dem GS F ändern.

Schluss mit Biedermeier – Diabolo für den GS

Vor zwei Jahren kam ich in den Genuss des GS 300h. Schon damals konnte ich mich vom feinen Ambiente im Cockpit und dem souveränen Fahrwerk überzeugen. Nur vom lahmen Hybrid-Antrieb fühlte ich mich permanent gegängelt.

2016 Lexus GS F Fujiweiss / Mario von Berg

Zeit für eine anständige Entschädigung – im GS F.

Der GS kommt ab 2016 im aktuellen Lexus-Trimm daher. Expressiv, extrovertiert, explosiv. Wir kennen das bereits vom IS und RC. Die gezackten LED-Tagfahrlichter, der fiese Diabolo-Kühlergrill. Das Design muss und soll polarisieren, auffallen, zu einer Meinung zwingen.

Das Interieur ist Lexus-typisch hochwertig hergerichtet und verströmt technoide Noblesse. Die Bedienung des Cockpits bedarf Gewöhnung und Zeit. Beides hatte ich auf dem Flugplatz nicht. Hier stand ohnehin anderes im Fokus: Motor, Fahrwerk und Performance, Drehzahl, Volllast und hartes Bremsen.

Lexus GS F – 2UR-GSE im Bug, Antrieb hinten

Lexus stemmt sich gegen den Trend. Die Oberklasse-Limousine bleibt als Top-Modell ein Sauger. Zwar ist der Widertsand mit Einführung des 8AR-FTS, einem Zweiliter-Turbo, der als 200t zum Einsatz kommt, aufgeweicht. Aber ganz oben steht da dieses Monument, dieser 4.969 cm³ große Achtzylinder. Während viele Hersteller auf bedeutend kleinere V8 mit Biturbo-Aufladung bauen, bleibt im Lexus GS F Drehzahl das Gebot der Stunde.

Erst bei 4.800 Umdrehungen liegen die vollen 430 Newtonmeter an, bei 7.300 Touren ist Schluss; oder Zeit für einen Gangwechsel, den das 8-Gang-Automatikgetriebe AA80E von Aisin so zackig knackig vollführt, wie es sonst nur die ZF-8-Gang oder ein PDK von Porsche kann.

2016 Lexus GS F Motor / Mario von Berg

Der dezente wie angenehme Sound des Achtenders passt zum Charakter des GS F als sportliche Reise- und Langstrecken-Limousine. Dumpf und bassig, nicht zu aufdringlich, eine angenehme V8-Klangkulisse, die unter Volllast ordentlich anschwillt, ohne zu übertreiben.

Mit dem Lexus GS F auf dem Track

Okay, Track ist etwas übertrieben. Es war eine kleine Rundstrecke auf dem Flugplatz Mendig, ein paar Geraden, einige Kurven. Und doch genügte diese kurze Strecke dem GS F, um zu zeigen, was er kann.

Der 2UR-GSE hinterlässt den Eindruck, als wolle er gar nicht aufhören zu drehen, das Fahrwerk ist wie nicht anders zu erwarten erstklassig geraten – nur die Lenkung hätte meines Erachtens mitteilsamer sein können.

Und es könnte alles wirklich so schön sein. Das wirklich gut arbeitende Torque Vectoring Differential (TVD) reguliert die Raddrehzahlen an der Hinterachse ohne aktiven Bremseingriff. Das Drehmoment fließt ohne Leistungseinbußen dorthin, wo es benötigt wird. Besonders gut spürbar wird das im Slalom-Modus. Das Heck wird enorm agil, die ganze 1,9-Tonnen-Fuhre fühlt sich bedeutend leichter an und wieselt spürbar flinker durch die Gassen.

Das Problem war an diesem Tag nicht das Fahrzeug, es waren die Rahmenbedingungen. ESP musste an bleiben, die harte Gangart durfte es an diesem Tag nicht sein. Kein Risiko eingehen, lautet die Devise, da die drei vorhandenen GS F quasi fahrbare Ausstellungsstücke waren.

Das beißt sich mit meinem kantigen, etwas unsensiblen Fahrstil. Ich bin einsichtig genug, um zu wissen, dass ich meilenweit von fahrerischer Perfektion entfernt bin. Allerdings war so das Herantasten an die Grenzen des GS F schwerlich möglich. Die schnellen Geraden und die scharfen Kurven forderten ihren Tribut. Und den zollten die Bremsen.

Das ESP regelte sich auf dem kleinen Kurs einen Wolf. Du bist quasi mit permanentem Bremseingriff unterwegs. Klar, dass das Scheiben und Belege auf Dauer mit Resignation quittieren. Die im Uhrzeigersinn verlaufende Strecke hatte überhitzte Bremsen zur Folge. Das Bremspedal wurde immer teigiger, der Bremspunkt indifferent.

Leider wird aufgrund der Strecken-Charakteristik und des eingeschalteten, dauerregelnden ESPs das Torque Vectoring Differential ad absurdum geführt. Du willst es und freust Dich auf ‘ne agile Hinterachse, die Du theoretisch auch bekommen kannst, aber das ESP regelt das Heck tot und zwingt die Bremsen in die Knie.
Das hätte nicht sein müssen.

Dass es auch anders geht, und dass der Lexus GS F kann, wenn Du ihn laufen lassen kannst und darfst, hat Axel in seinem GS F-Artikel niedergeschrieben.

Der neue Lexus GS F – Fazit

Der Lexus GS F ist eine Sport-Limousine, ein GT mit Reise-Qualitäten, mit dem Du es bei Bedarf auch ordentlich krachen lassen kannst. Für die Rennstrecke ist der GS F jedoch nicht gemacht. Er mag auf dem Fuji Speedway und auf der Nürburgring-Norschleife seinen letzten Schliff erhalten haben. Das Fahrwerk ist tatsächlich herausragend, wie ich es von Lexus gewohnt bin. Der Motor sprudelt vor Drehfreude, grummelt tief, brüllt Dich auch an, wenn Du darauf stehst.

Auf der Rennstrecke ist der GS F mit Sicherheit nicht zu Hause – wie Axel Griesinger (schon wieder) in seinem Kommentar auf passion:driving auch schon darlegte.

Freilich ist der Lexus mit einem bewundernswert agilen Heck gesegnet, das den GS F leichter erscheinen lässt, als er ist. Dennoch bleibt er für den Track zu schwer; und das merkst Du spätestens, wenn Du die 1,9 Tonnen vor dem Kurveneingang aufs Bremspedal stampfend zusammenstauchst. Behende ist dann doch anders.

Ein Sportwagen ist er einfach nicht. Trotz des intelligent konstruierten TVD, das maßgeblich zum Fahrspaß beiträgt, bleibt der GS F, was er ist: Eine 1,9 Tonnen schwere Limousine der oberen Mittelklasse. Zugegeben, eine ausgesprochen sportlich talentierte Limousine, aber deswegen noch kein Rennsportler.

Und dennoch ist der Lexus – wie sollte es auch anders sein – ein sehr gutes, außerordentlich fein hergerichtetes, komfortables Langstrecken-Fahrzeug, das gut durchtrainiert ist. Und auch der Preis ist heiß; gerade, wenn Du auf die vermeintliche Konkurrenz schielst und die Courage hast, ernsthaft diesen Exoten in Betracht zu ziehen.

Ab dem 23. Januar wird der Lexus GS F in Deutschland erhältlich sein. Preislich geht’s bei 99.700 € los – und viel mehr wird es auch nicht. Für knapp unter 100.000 gibt es die volle Hütte. Die einzigen Optionen sind das Schiebedach sowie die Komfortsitze im Fond, die aus dem 5- einen 4-Sitzer mit zwei Einzelsitzen für die Fond-Passagiere machen.

Weitere Fahrberichte zum Lexus GS F findest Du hier:

Text: Mario von Berg
Fotos: Mario von Berg

Technische Daten

Lexus GS F

Motor-Bauart:
8 Zylinder V-Motor (2UR-GSE), 32 Ventile DOHC mit Dual VVT-i
Hubraum:
4.969 cm³
Leistung:
351 kW / 477 PS bei 7.100 U/Min
Drehmoment:
530 Nm bei 4.800 – 5.600 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:
270 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h)
4.6 Sekunden
Verbrauch (innerorts / ausserorts / kombiniert):
16.6 L / 8.1 L / 11.2 L SuperPlus (ROZ 98)
Grundpreis Lexus GS F:
99.750 €
Leergewicht:
1.940 kg
Max. Zuladung:
380 kg
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe):
4.915 m / 1.845 m / 1.440 m

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Lexus nach Mendig, Deutschland eingeladen. Reisekosten und Verpflegung wurden von Lexus übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

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