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Des Diesels sportliche Kleider: Audi RS 5 TDI Concept

September 2, 2014 Fahrerlebnis, Technik, Unterwegs 27 Kommentare

Diesel sind langweilig, langsam, klingen wie eine kaputte Nähmaschine, haben ein Ansprechverhalten, wie Oma Schmidt und können keine Drehzahlen. Stimmt. Fast. Vielen unserer gemeinen Diesel-Vorurteile lässt sich auch heute noch wenig entgegensetzen. Ja, Diesel sind inzwischen nicht mehr langweilig. Langsam und träge sind sie, das beweisen schon die zahlreichen Vertreterkombis auf unseren Bahnen, eben auch nicht mehr. Und der Rest? Dafür hat sich Audi nun etwas überlegt: es hat 3 Turbolader und hört auf den Namen Audi RS 5 TDI Concept.




Audi RS 5 TDI concept

Wir befinden uns auf dem Sturup Raceway. Eine kleine Rennstrecke direkt neben dem Flughafen im schwedischen Malmö. Ein kleiner Kurs, geprägt von Kurven, deren Winkel meistens mehr als 180 Grad beträgt, stets in ihrem Radius variierend, stets eine Herausforderung für den Fahrer darstellend, der sich hilflos der Suche nach dem wahren Kurvenscheitelpunkt unterwirft. In der Boxengasse steht an einem für schwedische Verhältnisse viel zu heißen Tag Audis neue Wunderwaffe: Audi RS 5 Concept. Der Name verrät bereits, dass es sich um ein Konzeptfahrzeug handelt. Dass diese Wunderwaffe also jemals in Kundenhand geführt wird, bleibt eher unwahrscheinlich.

Audi RS 5 TDI concept

Auf die Schärfe dieser Waffe hat dies freilich keinen Einfluss, dafür haben die Ingolstädter Ingenieure gesorgt. Mit einem Schleifstein in Form eines dritten Turboladers wurde die bekannt wirkungsvolle Klinge des 3.0-Biturbo-V6-TDI noch einmal ordentlich nachgeschärft. 750 Nm Drehmoment und eine Leistung von 283 kW (385 PS) sind das beeindruckende Ergebnis. Noch beeindruckender ist aber das Erlebnis, das sich daraus ergibt. Der RS 5 TDI Concept schiebt unmittelbar nach Standgas bereits mächtig an, der Ladedruckaufbau geht gefühlt schneller vonstatten, als man „Turboloch“ sagen könnte. Auf den ersten Metern stiehlt der Diesel-RS5 damit sogar dem RS6 Avant die Show, bevor vom V8-Biturbo die Rangordnung wiederhergestellt wird – wie man es eben erwartet hätte. Was auf den Metern zuvor passiert, ist dagegen sagenhaft und das Schauspiel lässt sich ein ums andere Mal wiederholen, dank der zahllosen 180-Grad-Kurven auf dem Sturup Raceway.

Richtiger Gang eingelegt? Egal, das Triturbo-Triebwerk wird’s schon richten. Der Dank geht an den dritten Turbolader, einem elektrischen Verdichter, den Audi für den niedrigsten Drehzahlbereich in die Ladeluftstrecke gebaut hat. Im Gegensatz zum Abgasturbolader dreht dieser elektrische Lader innerhalb von 250 Millisekunden auf seine Arbeitsdrehzahl. Der Ladedruckaufbau wird nur noch dadurch verzögert, dass die Luft auf der Strecke auch noch komprimiert werden muss. Sobald der erste mechanische Abgasturbolader ausreichend Drehzahlen aufbauen kann, wird der elektrische Turbolader per Bypass-Ventil umgangen und die Arbeit der guten, alten Mechanik überlassen.

Audi RS 5 TDI concept

Natürlich ist die Leistungsaufnahme einer elektrischen Turbine, die über weit über 100.000 Umdrehungen pro Minute dreht, enorm. 7-8 kW, um genau zu sein. Aus diesem Grund befindet sich im RS 5 TDI ein 48V-Bordnetz, das mit einer eigenen Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet parallel zum herkömmlichen 12V-Bordnetz betrieben wird.

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Stellt sich die Frage: wozu dieser ganze Aufwand? Audi erhofft sich vom TDI-Motor die größten Effizienzvorteile, um den immer strikter werdenden Rahmenbedingungen Herr zu werden. In Sachen Effizienz – so glaubt man – schlummern hier noch die größten Vorteile. Das Ziel sei es, langfristig eine Literleistung von 100 kW mit den TDI-Motoren zu erreichen. Ob man beim Thema TDI auch an die sportlichen Baureihen denkt? Freilich, sonst würde man nicht diesen Aufwand mit dem RS 5 TDI Concept betreiben. Den Fahrspaß habe man im Fokus, heißt es, damit der TDI den Vorstellungen gerecht werden würde.

Audi RS 5 TDI concept

Gut, das was mit dem Konzept hier auf dieser Rennstrecke zu erfahren ist, ist natürlich beeindruckend. Im oberen Drehzahlbereich spielt das alles aber keine Rolle mehr. Klar ist trotzdem: Gerade im alltäglichen Verkehr, beim ständigen Wechsel zwischen den Lastzuständen und dem immer wieder notwendigen Ladedruckaufbau auch nach Schaltvorgängen wird sich der elektrische Verdichter positiv bemerkbar machen. Das zumindest meint auch Tom Schwede in seinem Urteil über den RS 5 TDI Concept. Dass die Getriebesoftware mit der neu gewonnenen Zuversicht im unteren Drehzahlbereich noch nicht so viel anfangen kann, eher übervorsichtig einen Gang herunterschaltet, statt sich auf den E-Turbo zu verlassen – sei’s drum, ist eben noch ein Konzeptfahrzeug.

Audi RS 5 TDI concept

Von träge und langweilig ist der Dieselmotor damit jedoch weiter entfernt denn je, das Ansprechverhalten gleicht mehr einer Jungfrau in der Hochzeitsnacht, als Oma Schmidt und gegen die kaputte Nähmaschine helfen zwei Lautsprecher im Auspuff sowie viel Dämmmaterial unter der Motorhaube. Fehlt eigentlich nur noch das mit der Drehzahl. Aber wer braucht schon Drehzahl, wenn man knapp über Standgasdrehzahl schon mit 750 Nm die Antriebswelle auswringen kann?

Text: sb
Bilder: Werk/sb

Disclosure zur Transparenz

Ich wurde von Audi nach Malmö, Schweden eingeladen. Reisekosten und Verpflegung wurden von Audi übernommen. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

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